Der BVB verliert bei Atletico Madrid zum ersten Mal unter Lucien Favre - und das hochverdient. Im Borussen-Lager weiß man die Niederlage richtig einzuschätzen. Vor dem Bundesliga-Kracher gegen den FC Bayern könnte man wichtiges "Lehrgeld" zum richtigen Zeitpunkt bezahlt haben. In der Champions League blickt Schwarz-Gelb weiter deutlich Richtung Achtelfinale.


​Der Nimbus ist gebrochen: Mit 0:2 hat der ​BVB am Dienstagabend gegen ​Atletico Madrid verloren und dabei eine enttäuschende Leistung abgeliefert. Es war die erste Pleite unter Lucien Favre im 16. Pflichtspiel. Nach der rauschenden 4:0-Gala im Heimspiel gegen die Rojiblancos gelang der Mannschaft von Trainer Diego Simeone die Revanche im Finalstadion der diesjährigen ​Champions-League-Saison.

Die Niederlage für den BVB war hochverdient - und hätte dabei noch höher ausfallen können. Ausgerechnet vor dem Bundesliga-Kracher gegen den ​FC Bayern am kommenden Samstag könnte man sagen. Offensiv fand die Favre-Elf trotz fast 70 Prozent Ballbesitz keine Mittel. Vier Torschüsse, keiner davon aufs das Gehäuse von Atletico-Keeper Jan Oblak. Beides Minusrekorde für Schwarz-Gelb in der Königsklasse.

"Es war sehr schwer für uns. Atletico spielt sehr lange zusammen und hat die Automatismen", so Favre auf der Pressekonferenz danach. Der Schweizer Übungsleiter merkte aber auch an: "Im Hinspiel haben sie uns mehr dominiert als heute, wir hatten 70% Ballbesitz."

Trotz der vielen Ballbesitzphasen war die Borussia den Spaniern klar unterlegen, die einige hochkarätige Chancen ausließen. "Das war heute eine unnötige Niederlage. Wir haben das Spiel 25 Minuten kontrolliert", merkte BVB-Kapitän Marco Reus im DAZN-Interview an. 

Einen Erklärungsansatz lieferte er auch gleich mit: "Wir waren geistig aber nicht auf der Höhe. Es war nicht unser bestes Spiel, das wissen wir. Am Ende war die Niederlage verdient. Jetzt müssen wir regenerieren, am Samstag geht es weiter."


Niederlage zum richtigen Zeitpunkt?(!)


In die gleiche Kerbe schlug auch Teammanager Sebastian Kehl: "Atletico war sehr aggressiv und robust. Vielleicht haben wir uns das beeindrucken lassen. Sie haben uns in Teilbereichen den Schneid abgekauft. Da haben wir vielleicht auch Lehrgeld bezahlt", meinte Kehl im Gespräch mit der ​WAZ.

Der BVB ist nun wieder punktgleich mit Atletico, führt die Tabelle dank des direkten Vergleichs aber weiter an und steht klar auf Kurs Achtelfinale. Auch deshalb ist das vielzitierte "Lehrgeld" vielleicht sogar noch wichtiger als die Punkte. 

Zwar sei "das, was uns in den vergangenen Wochen ausgemacht hat im offensiven Bereich, nicht zu erkennen" gewesen. "Aber das ist kein Beinbruch. Wir werden unseren Weg jetzt nicht verändern. Denn das hat uns stark gemacht. Wir wollen und werden uns davon nicht verunsichern lassen", war sich Kehl sicher. Denn "das gehört zum Lernprozess dazu, wir haben eine junge Mannschaft".

Eben jene musste sich zum ersten Mal der Routine, Eingespieltheit und Aggressivität des Gegners beugen. Vor dem Bayern-Spiel ein wichtiger Erfahrungswert für die junge Favre-Truppe. Und allemal: Die Bayern kommen derzeit längst nicht so homogen rüber, wie das bei Atletico der Fall war.

So sind die Aussichten auf den Kracher am Samstag weiter gut. An der nötigen Frische soll es dann auch nicht mangeln. "Für Samstag verändert das Ergebnis nicht so wahnsinnig viel. Die Vorfreude auf das Spiel wird groß sein. Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns, ein Highlight. Die Jungs freuen sich darauf, unabhängig von heute", war sich Kehl sicher.


Im BVB-Lager ist der Optimismus ungebrochen


​Die erste Pleite könnte sogar ein wenig Druck vom Team nehmen, wird auf Twitter spekuliert. Die Borussia hat angesichts von vier Punkten Vorsprung auf den FC Bayern ohnehin nicht all zu viel zu verlieren.

Manuel Akanji, der im zweiten Spiel nach seiner kurzen Verletzungspause unglücklich agierte, für den die Partie aber wichtig war, um wieder in den Rhythmus zu finden, blickt gelassen nach vorne. Der Schweizer will in der Bundesliga auch gegen den Rekordmeister ungeschlagen bleiben.

Am Ende bringt es Twitter-User "BVB Oma Schröder" aus Sicht der Dortmunder auf den Punkt:

Ganz so würde es aus Teamkreisen wohl niemand ausdrücken - die Hoffnungen auf einen Sieg gegen die Bayern sind aber ungebrochen. Und dann wäre der "Ausrutscher" von Madrid im Nachhinein vielleicht einer, zum genau richtigen Zeitpunkt.