Seit mehr als neun Jahren spielt Marco Reus inzwischen Erstliga-Fußball. Längst hat er sich einen Namen gemacht, längst zählt er zu den besten deutschen Spielern. Doch in einer Weltmeister-Generation blieben ihm die richtig großen Erfolge oft verwehrt - bis jetzt. Denn mit 29 Jahren ist Reus heute hungriger und besser denn je. 


Sechs Jahre war Marco Reus alt, als er zum ersten Mal für den ​BVB auflief. Fast zehn Jahre lang lernte der talentierte Junge in seiner Heimatstadt das Fußballspielen, dann wechselte er in die Jugend von Rot-Weiß Ahlen. Auch 2005 war Borussia Dortmund schon ein Verein, bei dem man nicht mal eben den Sprung aus der Jugend in die Profi-Mannschaft schaffte - Talent hin oder her. 


So sollte es der Umweg über Ahlen sein, der den Offensivspieler mittels Mönchengladbach in die Bundesliga führte. Dort angekommen, wusste der damals 20-Jährige dann schnell für Furore zu sorgen. Eine Million hatte die andere Borussia, die vom Niederrhein, den Ahlenern gezahlt - eine brillante Investition. Denn für diesen heutzutage fast lächerlichen Betrag bekamen die ​Fohlen einen Spieler, der nach seiner dritten Saison für den Verein zum Fußballer des Jahres gekürt werden sollte, nachdem Gladbach infolge einer Beinahe-Abstiegssaison sensationell den vierten Platz erreichte - dank Reus und auch dessen damaligen Trainer: Lucien Favre. 

Moenchengladbach's midfielder Marco Reus

Seinen Durchbruch als Bundesligaspieler feierte Reus in Gladbach



Zufall war es daraufhin natürlich nicht, dass sich die großen deutschen Vereine um den erst 23-jährigen Shootingstar der ​Bundesliga mühten. Noch weniger, dass der Dortmunder sich für eine Rückkehr zu Schwarz-Gelb entschied. Denn der BVB hatte soeben zweimal die deutsche Meisterschaft gefeiert, war ohnehin an der Spitze des deutschen Fußballs angelangt. Und für Marco Reus war die Heimkehr 2012 an sich schon ein Traum, der in Erfüllung ging. 


Der Weg zum Anführer

Ein Märchen, das bis heute noch kein Ende gefunden, für den Spieler selbst vor allem aber auch zahlreiche düstere Kapitel geschrieben hat. Denn neben einem Pokalsieg, zwei Superpokal-Siegen und einer weiteren Auszeichnung zum Spieler der Bundesliga-Saison 2013/14, stehen für Reus auch weniger erinnernswerte Ereignisse zu Buche: Ein verlorenes Champions-League-Finale, drei verlorene DFB-Pokalfinals und ebenso viele Vizemeisterschaften. Viel schlimmer jedoch und in der eigentlich sehr erfolgreichen Karriere des Dortmunders waren die zahlreichen Verletzungen, die nicht zuletzt Grund dafür sind, dass der ansonsten in der Nationalmannschaft gesetzte Mittelfeldakteur die WM-Trophäe nie hat in Händen halten dürfen. 

Werder Bremen v Borussia Dortmund - Bundesliga

Verletzungen warfen den Nationalspieler in der Vergangenheit häufig zurück



Es sind vielleicht diese Erlebnisse, die Marco Reus in der aktuellen Saison zu dem machen, was er ist: Ein hungriger Anführer, der trotz aller Erfolge noch immer das Gefühl hat, sich beweisen zu müssen. Aktuell gelingt ihm das. Denn gerade nachdem auch seine erste Weltmeisterschaft so völlig anders verlief als erhofft, greift Reus mit Borussia Dortmund mal so richtig an. 


"Derzeit der Beste"

In einem jungen Team, das zweifelsohne den aktuell ​aufregendsten Fußball aller deutschen Mannschaften spielt und national wie international nicht zu schlagen scheint, ist der 29-jährige Borusse der unumstrittene Anführer. Mit hervorragender individueller Leistung voranschreitend ist er mal Taktgeber der besten deutschen Offensive, mal Retter in der Not, wenn es doch hart auf hart kommt. So traf er im Pokal vergangene Woche genauso wie in der Bundesliga gegen Wolfsburg, um sein Team auf die Siegerstraße zu führen. 


So kommt es, dass der BV Borussia Dortmund - in sämtlichen Wettbewerben ungeschlagen - nach 15 Pflichtspielen einen Klub-Rekord bejubeln darf. Dass das Dortmunder Eigengewächs mit seinen neun Toren und sieben Vorlagen großen Anteil am Erfolg der Schwarz-Gelben hat, ist im und um den Verein jedem bewusst. Für Mannschafts-Kamerad Jacob Bruun Larsen ist die Sache jedenfalls klar: So wie der spielt, ist sein Kapitän "derzeit der beste" Spieler der Bundesliga. Und auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist sich laut BILD sicher, dass da Woche für Woche "der beste Reus aller Zeiten" das Vereins-Trikot überstreift. 


Erfolg nicht ohne Grund


Der Dortmund-Boss hat auch eine Vermutung, was seinen Schützlings so stark macht: "Marco hat natürlich das große Glück, dass er endlich mal von schweren Verletzungen verschont geblieben ist". Bislang sieht es tatsächlich so aus, als erlebe der Superstar des Bundesliga-Tabellenführers die erste Saison in vier Jahren ohne langfristigen Ausfall. 

Borussia M'gladbach: Belek Training Camp - Day 6

Kennen sich aus Gladbacher Zeiten: Marco Reus und Trainer Lucien Favre



Doch der Leistungsanstieg des Führungsspielers hat weitere Gründe, von denen einer der Trainerwechsel im vergangenen Sommer sein dürfte. Denn der brachte Erfolgstrainer und Reus-Spezialist Lucien Favre ins Ruhrgebiet, der ja schon in Gladbach Bestleistungen aus seinem Angreifer herauskitzelte. Auch in Dortmund setzt der Schweizer seinen Star gekonnt ein und beobachtet nun vom Spielfeldrand die Renaissance des Marco Reus, auch weil der das Vertrauen wertzuschätzen weiß, das ihm der 61-Jährige entgegenbringt. 


Nicht zuletzt dass Favre dem 29-jährigen im Sommer das Kapitänsamt übertrug, wird Reus weiter antreiben, Vorbild für seine Mitspieler zu sein, voranzumarschieren. Es ist eine Bestätigung für Reus, der mit seiner Verlängerung bei seinem Heimatverein Angebote von Topklubs abgelehnt hatte, weil er mehr Verantwortung übernehmen wollte - weil er mit seinem Klub siegreich sein möchte - als bester Reus aller Zeiten.