Der FC Schalke steht nach neun Ligaspielen auf einem enttäuschenden 15. Tabellenplatz. Die letzten Auftritte gegen den 1. FC Köln im Pokal und RB Leipzig konnten zwar relativ erfolgreich bestritten werden, dennoch befindet sich der königsblaue Dampfer weiterhin in Seenot und droht zu kentern. Wir analysieren, woran es gegenwärtig liegt und wie Schalke wieder auf Kurs kommt.


​Wir haben die Schalker Situation bereits Ende September näher betrachtet und sind dort zu dem Schluss gekommen, dass Schalke wie kaum ein anderes Team vom 1:0-Führungstreffer in einer Partie lebt und davon profitiert. Als hätte Gelsenkirchen uns erhört, konnte Schalke die drei aufeinanderfolgenden Spiele gegen Mainz 05, Lokomotive Moskau und Fortuna Düsseldorf gewinnen. Die Ergebnisse dabei lauteten: 1:0, 1:0, 2:0 (!)


Danach folgten ein 0:2 gegen Werder Bremen, zwei 0:0-Unentschieden gegen Leipzig und Galatasaray und in dieser Woche nun das 1:1 nach Verlängerung gegen den 1. FC Köln. Hier geriet Schalke nach 43 Minuten in Rückstand, den Bentaleb kurz vor Ablauf der 90. Minute egalisieren konnte. Es zieht sich somit weiter wie ein roter Faden durch die Saison der Schalker, dass man unbedingt in Führung geraten muss, um das Spiel erfolgreich zu bestreiten.


Spinnt man den Faden weiter, so kommen zwei Fragen auf: erspielt sich Schalke durch eine harmlose Offensive zu wenige Chancen oder erspielt sich Schalke zwar genug Chancen, kann diese aber nicht entsprechend nutzen?


Torschüsse

Schalke gibt pro Spiel 12,7 Torschüsse pro Partie ab (Quelle aller Stats: whoscored.com & understat.com). Damit liegt S04 auf Platz 11 in der Liga, der Bestwert mit 17,9 Torschüssen pro Spiel wird dabei von Hoffenheim gehalten. Betrachten wir den Ort der Torschussabgabe, so fällt auf, dass Schalke lediglich 4 % der Schüsse im gegnerischen Fünfmeterraum abfeuert (Platz 17 in der Liga) und relativ viele Schüsse außerhalb des Strafraums abgibt (41 %; Platz 6 in der Liga). Schalke kommt somit zum einen nicht besonders oft zum Torschuss und gibt diese zum anderen dann relativ häufig von ungefährlichen Positionen außerhalb des gegnerischen Strafraums und zu selten in gefährlichen Orten, wie dem Fünfmeterraum, ab. 


Torriecher

Mit nur fünf Treffern aus neun Ligaspielen wird direkt klar, dass Schalke hier eine bislang stark ausbaufähige Performance abliefert. Werten wir jedoch den Indikator für die Qualität der Schalker Torchancen aus (xG), so liefert dieser eine kleine Überraschung: danach hätte Schalke bislang rund 10,4 Treffer erzielen können bzw. müssen. Somit kommt Schalke trotz der geringen Anzahl an (gefährlichen) Torschüssen zu einer insgesamt deutlich höheren statistischen Toranzahl. Dies lässt wiederum den Schluss zu, dass keiner von Schalkes Offensivspielern in beständig guter Form ist, um die sich bietenden Torchancen erfolgreich zu versenken.

Galatasaray v FC Schalke 04 - UEFA Champions League Group D

Embolo hat bislang nur einen Ligatreffer erzielt - ein Sinnbild der Schalker Offensivkrise


Fazit

Schalke befindet sich weiterhin einer Form- sowie Ergebniskrise. Defizite sind insbesondere im Kreativbereich, die nur zu wenigen Torschüssen führen, und zu allem Überfluss auch noch in der unzureichenden Verwertung von Torchancen auszumachen. Stürmer brauchen typischerweise Vertrauen und Ruhe. Genau das gleiche gilt auch für einen jungen Trainer wie Tedesco. Heidel kann den Unruheherd auf ​Schalke aktuell (noch) ausgezeichnet kontrollieren und lässt keine negative Stimmung aufkommen. Was allen jedoch wirklich gut tun würde, ist ein Torfestival, bei dem einige Knoten, allen voran bei Uth und Embolo, platzen könnten, so dass Schalke zur Aufholjagd blasen könnte.