​Nabil Bentaleb rettete den ​FC Schalke 04 in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim ​1. FC Köln zunächst mit einem sicher verwandelten Strafstoß in die Verlängerung, nur um dann im Elfmeterschießen kläglich zu vergeben. Der Elfmeter steht sinnbildlich für Bentalebs Zeit in Gelsenkirchen: Zwischen Genie und Wahnsinn.


Bis zur 72. Minute musste sich Nabil Bentaleb am Mittwochabend gedulden, dann erst wurde er beim Pokalspiel in Köln für Naldo eingewechselt. Zu diesem Zeitpunkt lag der FC Schalke 04 beim Zweitligisten noch zurück, mit Bentaleb kam zweifelsfrei nochmal neuer Schwung in die Partie. Als Schiedsrichter Harm Osmers in der 89. Minute auf Handelfmeter für die Schalker entschied, übernahm Bentaleb die Verantwortung, verwandelte ganz sicher zum Ausgleich und rettete sein Team in die Verlängerung.


Dies war die gute Seite des Algeriers, der im Sommer 2016 von den Tottenham Hotspur nach Gelsenkirchen wechselte. Zunächst nur ausgeliehen, verpflichteten die Schalker Bentaleb schnell fest und überwiesen 19 Millionen Euro nach London. In seiner ersten Saison wusste der Mittelfeldmann definitiv zu überzeugen und war unumstrittener Stammspieler. Unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco jedoch änderte sich dies, nur 16 Einsätze konnte Bentaleb im Vorjahr in der Bundesliga verzeichnen.


Grund dafür waren nicht nur Verletzungen, Tedesco war auch nicht immer zufrieden mit dem Verhalten seiner Nummer 10 auf und neben dem Platz. "Der Trainer schwärmt immer wieder von ihm - und eine Woche später sagt er: Ich werde wahnsinnig", berichtete Manager Christian Heidel bei Der Westen im vergangenen Sommer, als schon über einen Abgang Bentalebs spekuliert wurde. "Das Problem ist, dass er zu viel Lust hat und immer spielen will. Wenn er mal nicht spielt, dann gefällt uns manchmal sein Verhalten nicht", sagte Heidel zudem Anfang des Jahres im kicker, als Bentaleb zum wiederholten Male im Kader des FC Schalke fehlte.


"ich hasse es nur, zu verlieren. Das gilt auch für Trainingsspiele", erklärte der algerische Nationalspieler selbst in einem Interview mit Der Westen im Juli dieses Jahres. Kritische Stimmen, wonach er sich von negativen Situationen zu sehr runterziehen lasse, könne er nicht nachvollziehen: "Ich weiß nicht, woher diese Leute ihre Erkenntnis über mich nehmen. Ich bin ein Kämpfer. Wenn die Mannschaft nach einem Rückstand down ist, versuche ich immer mein Bestes, um das Ruder herumzureißen. Ich stehe auf, fighte, motiviere."


Dies trifft auf die ersten Minuten am vergangenen Mittwoch in Köln zu, im Elfmeterschießen zeigte sich Bentaleb dann wieder von seiner negativen Seite: Als fünfter Schütze der "Knappen" hatte der 23-Jährige die Entscheidung auf dem Fuß, bei einem Treffer hätten die Schalker gewonnen. Doch schon auf dem Weg zum Punkt verlief sich Bentaleb in Provokationen gegen die Kölner, den Schuss selbst setzte er dann flach in die Mitte - wo Timo Horn bereits auf ihn wartete. Zu seinem Glück setzten sich die "Königsblauen" am Ende aber trotzdem durch.


Die Zeit von Nabil Bentaleb beim FC Schalke 04 ist von Höhen und Tiefen geprägt, eben von Genie und Wahnsinn. Trotzdem sollte er im Sommer, ​entgegen mancher Medienberichte, nicht verkauft werden. Auch der Spieler selbst wollte, trotz der mäßigen Spielzeit 2017/18, nicht weg: "Ich bin kein Typ, der wegläuft", stellte Bentaleb bei Der Westen klar. Vielleicht kann er sich in Zukunft fest auf sein Genie konzentrieren, dann könnte seine Zeit auf Schalke noch eine echte Erfolgsgeschichte werden.