Mario Götze war zu Beginn der Saison das Sorgenkind schlechthin bei Borussia Dortmund, doch langsam aber sicher kommt das einstige Juwel immer besser in Fahrt. Zuletzt begann er zwei Mal in Folge in der Spitze, wobei er sowohl gegen Atlético Madrid als auch beim jüngsten Remis gegen Hertha BSC gute Leistungen zeigte. Im Interview mit ​bundesliga.com erklärte er, wie Lucien Favre die Mannschaft mit ihm im Zentrum spielen lässt, und welche Variante ihm zugute kommt.


Seinen Durchbruch schaffte Götze einst unter Jürgen Klopp, allerdings im offensiven Mittelfeld. Auf der 'Zehn' stand der Siegtorschütze des WM-Finals von 2014 für Kreativität, das Auge für den richtigen Pass und avancierte schnell zu einem der absoluten Schlüsselspieler beim damaligen Meister und späterem Double-Sieger.


Nach seinem Wechsel zum FC Bayern München erlebte er unter Pep Guardiola einen guten Start, doch mit der Zeit wurden Götzes Leistungen schwächer, die Einsatzzeiten geringer - und schlussendlich folgte der Schritt zurück nach Dortmund.


Unter Guardiola rückte er auf die sogenannte 'falsche Neun', wurde somit in der Sturmspitze aufgestellt und ließ sich immer wieder zurückfallen, um Platz für seine Mitspieler zu schaffen. Nachdem er lange nicht nur nach seiner alten Form, sondern auch nach seiner Position im System unter Trainer Lucien Favre suchte, scheint der Schweizer nun eine passende Antwort gefunden zu haben.


Erst in der Spitze blüht Götze wieder auf


In den letzten beiden Pflichtspielen agierte Götze wieder als 'falsche Neun' und ersetzte Angreifer Paco Alcácer, der aufgrund von muskulären Problemen etwas kürzer treten muss. Im schnellen, offensiven und technisch anspruchsvollem Spiel des neuen Übungsleiters findet sich Götze plötzlich zurecht, erzielte gar gegen den FC Augsburg sein erstes Bundesligator nach fast einem Jahr und bediente gegen Hertha BSC Jadon Sancho mustergültig. 


Damit er auf dieser Position glänzen kann, muss einiges zusammenpassen - das weiß Götze selbst: "Es kommt immer darauf an, wie man diese Rolle spielen lässt." Doch, wie muss die Mannschaft denn spielen, um ihn in Szene zu setzen?

Borussia Dortmund v Hertha BSC - Bundesliga

  Immer wieder anspielbar: Mario Götze


Er selbst erklärt es so: "Wenn gefordert ist, dass ich vorne im Strafraum warte und dann die Kopfballtore mache, dann wird es schwierig." Stattdessen benötige es einen gewissen Spielfluss, die nötigen "Impulse" von den Flügeln und nicht zuletzt einen Marco Reus, der hinter ihm auf der 'Zehn' agiert. "Wenn wir so die Tiefe erlaufen und Positionswechsel machen können, dann ist es eine super Sache", fuhr Götze fort.

Borussia Dortmund v Hertha BSC - Bundesliga

  Kapitän Marco Reus unterstützt Götze, wo er nur kann und zieht somit immer wieder gefährliche Angriffe auf


Die größte Rolle kommt dabei wohl Reus zuteil. Auf dem Papier ist er hinter Götze angesiedelt, gesellt sich allerdings im letzten Angriffsdrittel zu seinem Kumpel. Dabei dringt Reus mit seinem Tempo in den Strafraum ein, zieht den ein oder anderen Gegenspieler auf sich und schafft somit Räume für Götze oder einem der anstürmenden Spieler auf der Außenbahn.


Dank der Außenverteidiger: Überzahl im Zentrum


Wichtig sind aber auch die angesprochenen "Impulse von Außen." Dort machten gegen die Hertha nicht nur Raphael Guerreiro und Jadon Sancho Druck, sondern zugleich die beiden Außenverteidiger Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek. Hinzu kommt das Aufrücken von Mahmoud Dahoud, der sich immer wieder einschaltete, den Gang nach vorne suchte und entweder einen der Flügelspieler oder - wie beim 1:0 - Götze in Szene setzte.

Borussia Dortmund v Hertha BSC - Bundesliga

   Auffallend gut: Achraf Hakimi kurbelt das Spiel auf der linken Außenbahn immer wieder an


Auffällig auch: Götze erhält im Zentrum die nötige Unterstützung. Da meist die Außenverteidiger aufrücken, orientieren sich die Flügelspieler in zentralerer Position, suchen den Weg in den Strafraum und besetzen somit den Sechzehner des Gegners. Gemeinsam mit dem heranrückenden Reus befinden sich gleich vier Dortmunder im Zentrum, was die so ansehnlichen Treffer erst möglich macht.


Der BVB und Mario Götze - es passt also doch noch. Langsam aber sicher hat Lucien Favre herausgefunden, wie er ihn im Angriffsspiel einsetzen kann und wie er seine Stärken nicht nur für sich, sondern für seine Mannschaftskollegen ausspielen kann. So braucht es auch nicht immer einen Knipser wie Paco Alcácer, denn: Tore kann eigentlich jeder Spieler schießen.