Bremen's players celebrate after the German first division Bundesliga football match Schalke 04 v Werder Bremen on October 20, 2018 in Gelsenkirchen. (Photo by Patrik STOLLARZ / AFP) / RESTRICTIONS: DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO        (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

5 Argumente für einen Werder-Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen

Zwischen 2011 und 2016 spielte Bayer Leverkusen fünf Mal in der Champions LeagueWerder Bremen spielte in der Zeit gegen den Abstieg und erreichte dabei fünf Mal einen Platz zwischen 10 und 14. Wer hätte also gedacht, dass Werder nun die Möglichkeit hat, auf den zweiten Tabellenplatz zu springen? Und das ausgerechnet heute um 18:00 Uhr mit einem Sieg über Leverkusen.


Die Partie ist aus vielerlei Hinsicht interessant für Werder, unter anderem, weil sich Borussia Dortmund und Hertha BSC gegenseitig Punkte weggenommen haben (2:2) und man dem BVB ganz dicht auf den Fersen ist – mit einem Sieg wäre man nur einen Zähler hinter Dortmund und einen vor dem FC Bayern München. Selbst Hertha, Borussia Mönchengladbach und natürlich auch Leverkusen würde man hinter sich lassen.


BVB-Jäger ist man in Bremen sicher noch nicht, denn das direkte Duell steht noch aus und wird zur wegweisenden Partie. Gegen den FC Schalke 04 haben die Bremer schon gezeigt, dass sie Mannschaften vom Kaliber Leverkusens schlagen können, aber es gibt noch andere Argumente, die für einen Werder-Sieg sprechen.

1. Ischa Freimaak!

Es ist Freimarkt. Die Stimmung in der Stadt ist blendend – das Volksfest zieht jährlich über vier Millionen Besucher an und gilt in Bremen als „fünfte Jahreszeit“. Dazu passt, dass die Mannschaft des SVW zu Hause eine Macht ist: Trainer Florian Kohfeldt ist seit 16 Spielen im Weserstadion ungeschlagen. Damit hat er Werders Trainer-Legende Otto Rehhagel bereits längst überflügelt, selbst die einzige Saisonniederlage in Stuttgart ändert nichts an dieser glänzenden Bilanz, die gegen Leverkusen ausgebaut werden soll.


Unter der Woche waren nur vier Bremer Spieler auf dem Freimarkt, diese haben sich aber freiwillig gemeldet, wie DeichStube berichtete. Dabei gab es Gespräche mit Fans und kurze Fragerunden mit Journalisten, aber allzu sehr gefeiert hat man nicht. Die Party soll eher im Weserstadion stattfinden, wo man gegen die stark besetzten Leverkusener ein Zeichen setzten kann. Damit man in Bremen nicht nur auf dem Freimarkt was zu Feiern hat. Auch die Fans werden nichts anderes als einen Sieg zur fünften Jahreszeit erwarten. 

2. Abwärtsstrudel

Einer der vielen Begriffe der Leverkusener Pressekonferenz. Heiko Herrlich muss sich eher für die bisherigen Spiele rechtfertigen als über den kommenden Gegner zu sprechen. Den Abwärtsstrudel nimmt er wahr, „natürlich ist das auch Kopfsache“, sagt er auf Nachfrage zum Negativtrend. Seine Spieler haben ihre individuelle Qualität ja bereits nachgewiesen. Dennoch häufen sich die Fehler auf dem Platz – es wirkt oft unkonzentriert, wie Leverkusen agiert. Der 13. Tabellenplatz ist das Resultat dieser schlechten Leistung. Nach der 3:2-Niederlage beim FC Zürich, fragt man sich in der Industriestadt zurecht, ob die Mehrfachbelastung nun nicht eher hinderlich ist. Und das bei einer namhaften Mannschaft.


Kohfeldt kennt die Namen der Leverkusener auch und attestiert ihnen auf der Pressekonferenz eine hohe spielerische Qualität. Aus Werder-Sicht ist nur zu hoffen, dass sie es wie zuletzt nicht abrufen können, wenn sie unter Druck geraten. Klar ist aber auch, dass Bayer die spielerische Klasse im Kader hat, um oben mitspielen zu können. Die Frage ist nur, wann sie damit beginnen. Am kommenden Mittwoch spielt die Werkself im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach. Die „Fohlen“ sind bei ihrer derzeitigen Form klarer Favorit und könnten Leverkusen noch tiefer in die Krise stürzen.  

3. Angstgegner

Selbst wenn die Leverkusener dem Begriff nur eingeschränkt zustimmen würden: Werder spielt gerne gegen Bayer. Die Werkself kassierte in der Saison 1985/86 ein 0:5 in Bremen – mehr Tore haben sie in ihrer Ligageschichte noch nie kassiert.


Einer der wichtigsten Siege gegen Leverkusen erfolgte im DFB-Pokal-Finale 2009, als Mesut Özil den 1:0-Siegtreffer schoss und mit der Mannschaft den Pokal nach Bremen holte. Seitdem hat Werder gegen Leverkusen schon wichtige Punkte machen können, die im Abstiegskampf den Unterschied gemacht haben. So beispielsweise im Februar 2015, als man mit 2:1 gegen übermächtige Gäste gewann.


Claudio Pizarro, der zuletzt seinen 40. Geburtstag gefeiert hat, traf außerdem zuletzt im März 2017 in der Bundesliga für Werder – gegen Leverkusen. Nun ist er seit aktuell zwölf Spielen torlos, demnach umso hungriger gegen einen seiner Lieblingsgegner.


Auch die Gesamtbilanz spricht für die Bremer: 34 Siegen stehen 23 Niederlagen gegen Bayer gegenüber, ganze 31 Mal gab es ein Unentschieden. In Bremen konnte Leverkusen in seiner Geschichte überhaupt erst fünf Mal gewinnen.

4. Max Kruse

„Wenn wir erfolgreich sind mit der Mannschaft und in der Saison positiv abschneiden, trägt das sicher nicht dazu bei, dass ich abhauen will“, sagt Max Kruse gegenüber Bild. Es ist zwar noch früh in der Saison, um über die Endplatzierung zu sprechen, aber noch hat der 30-Jährige seine Zukunft in der eigenen Hand: Wenn er die Mannschaft als Kapitän weiter zu Siegen führt, ist die Qualifikation für Europa machbar und Kruse würde seinen eigenen Anspruch erfüllen. 


Er hat viele Gründe, an der Weser zu bleiben! Erstens: Kohfeldt hat Kruse zum Spielführer ernannt. Zweitens: Kruse spielt immer. Drittens: Mit Jugendfreund Martin Harnik versteht sich Kruse auch auf dem Platz bestens. Viertens: Nicht nur bei Harnik, auch bei Davy Klaassen und Yuya Osako hat man den Eindruck, sie wurden geholt, um Kruse zu ergänzen und dass die Mannschaft um ihn herum aufgebaut worden ist. Fünftens: Er genießt viele Freiheiten – auch neben dem Platz, wie Kruse selbst sagt und ist nicht laufend zur Rechenschaft verpflichtet. Auf einer Pressekonferenz im Januar 2018 sagte Kohfeldt: „Max soll seine Rolle sehr frei interpretieren, in dem Sinne, dass er einen hohen Bewegungsradius hat.“


Dieser wird ihm zugegebenermaßen nicht nur auf dem Rasen gewährt, sondern auch darüber hinaus: Kruse muss keine Interviews geben, nachdem er schlechte Erfahrungen mit der Boulevard-Berichterstattung gemacht hat. Somit ist der Stürmer Sinnbild für die funktionierende Wohlfühlatmosphäre bei Werder. Wenn es nur am sportlichen Erfolg hängt, ob Kruse bei Werder bleibt, kann man sich sicher sein, dass sich Kruse für jeden einzelnen Punkt aufreiben wird – und die Mannschaft wie bisher mitzieht. 

5. Trainer-Schreck

Heiko Herrlichs Trainerstuhl wackelt bei Leverkusen gewaltig. Die Ansprüche des Europa-League-Teilnehmers werden nicht erfüllt – und das bei einer hohen spielerischen Qualität im Kader. Florian Kohfeldt weiß um die schwierige Situation für Herrlich: „Wenn ein Kollege, der in der vergangenen Saison erfolgreich gearbeitet hat und für eine klare Idee von Fußball steht, so in die Kritik gerät, ist das sehr schade“, sagt er auf der Pressekonferenz vor der Partie. Dennoch werde er alles auf Sieg setzen. Für Herrlich sieht es düster aus – Werder hat schon einige Male das Schicksal wackelnder Trainer besiegelt. 


Markus Babbel konnte sich nach einer deutlichen 1:4-Niederlage gegen Werder nicht mehr als Trainer der TSG 1899 Hoffenheim halten. Torwart Tim Wiese wechselte kurz vorher zur TSG, fehlte in der Partie aber verletzungsbedingt und erlebte mit den Kraichgauern einen schwierigen Saisonstart. Die Bremer Fans riefen „Zweite Liga – Wiese ist dabei“. Zum Abstieg kam es zwar nicht, aber zur Entlassung des glücklosen Babbels. 


Der frühere Werder-Spieler Valérien Ismaël wurde im Februar 2017 beim VfL Wolfsburg entlassen, nachdem man 1:2 gegen Werder verloren hatte. Das Ergebnis sei zwar nicht der Grund gewesen, wie es in der Botschaft des VfL hieß, war aber letztlich doch ausschlaggebend. 


Als jüngeres Beispiel feuerte Borussia Dortmund seinen Trainer Peter Bosz im Dezember 2017, nachdem Werder den BVB mit 1:2 im heimischen Stadion geschlagen hat. Vorher hatten die BVB-Bosse bei sechs Niederlagen und dem Aus in der Champions League noch Geduld mit dem Niederländer, doch nach dem Werder-Spiel schlug sein letztes Stündchen.