​Der Zweitliga-Tabellenführer und Aufstiegsfavorit 1.FC Köln ist nach dem 1:1 Zuhause gegen den 1.FC Heidenheim seit nunmehr drei Spielen in Folge sieglos und spielte in den letzten fünf Spielen nie zu Null. Nachdem zuletzt auch eine schwache Chancenverwertung dazu kam, gab es nun Pfiffe von den heimischen Fans. Doch woran hapert es beim teuersten Kader der Zweiten Liga?


"Wir haben gnadenlos auf Sieg gespielt. Man muss kritikfähig sein, das ist richtig, heute haben wir aber besser Fußball gespielt, hatten viele Chancen. Man muss aber halt auch mal ein Ding reinmachen", erklärte Kölns Trainer Markus Anfang nach dem Unentschieden gegen Heidenheim gegenüber dem ​Kölner Stadt-Anzeiger und sieht damit das Kernproblem seiner Mannschaft in der Chancenverwertung. Kritischer mit dem Spiel des FC wurde Abwehrchef Rafael Czichos: "Wie so häufig haben wir wieder die ersten zehn Minuten verpennt, dafür wurden wir bestraft. Danach haben wir richtig guten Fußball gezeigt, haben nichts mehr zugelassen. Nur der letzte Pass hat gefehlt. Die zweite Halbzeit war sehr wild, da wollten wir alles nach vorne tragen. Für den Sieg hat die Präzision gefehlt. Drei Spiele ohne Sieg sind viel, viel, viel zu wenig."

Tatsächlich zeigt sich, dass die Kölner aktuell ein Problem in der Chancenverwertung haben: Gegen ​Heidenheim gab Köln 31 Torschüsse ab, erzielte aber nur einen Treffer. Das war jedoch nicht immer so: In den meisten der letzten Spiele, unter anderem gegen Holstein Kiel (1:1), Arminia Bielefeld (3:1 Sieg), FC Ingolstadt (2:1 Sieg), SV Sandhausen (2:0 Sieg), ​SC Paderborn (3:5 Niederlage) und den FC St. Pauli (5:3 Sieg), hatte Köln maximal einen Torschuss mehr als der Gegner, in einigen Spielen sogar deutlich weniger, konnte den Großteil dieser Partien dennoch positiv für sich entscheiden. Außerdem verfügt Köln trotz der schwachen letzten Spiele mit 24 Saisontoren über die torgefährlichste Offensive der ​Zweiten Bundesliga - die schwache Chancenverwertung ist aktuell also erkennbar, war jedoch zu Saisonbeginn noch kein Problem.


Stattdessen sollte angesichts des vorhandenen Spielermaterials auch die Qualität des eigenen Ballbesitzes hinterfragt werden: Der ​1.FC Köln hat hinter dem ​Hamburger SV mit über 58 Prozent den zweihöchsten Ballbesitzanteil der Zweiten Liga, zeigt aber zu oft über weite Strecken der Spiele spielerische Leistungen, die nicht der Qualität des Kaders und dem Anspruch der Kölner entsprechen können. Dies zeigte sich erneut beim jüngsten Unentschieden gegen Heidenheim, als die Kölner trotz eines frühen Rückstands Zuhause eine ganze Halbzeit und eine wahrscheinlich deftige Pausenansprache des Trainers brauchten, um aufzuwachen und druckvollen Fußball zu spielen.

Ein anhaltendes Problem ist zudem die Art der Gegentore: Zu viele leichte Treffer fallen aus individuellen Fehlern und Unaufmerksamkeiten heraus. Und so überträgt sich das vordergründig genannte Problem der Chancenverwertung auf die Punkte spielerischer Schwächphasen und leichter Gegentore, was insgesamt als fehlende Konzentration und Konstanz zusammengefasst werden könnte. Diese Punkte bemängelte zuletzt bereits Sportchef Armin Veh gegenüber dem ​Express: "Spielerisch ist das ausbaufähig. Die Leichtigkeit fehlt, der Mut, den Gegner anzulaufen. Man merkt die Angst, einen Fehler zu machen, weil derzeit jeder Fehler bestraft wird. Sie tragen noch eine Jacke mit sich rum."


Dennoch sollte gesagt werden, dass der ​1.FC Köln trotz der zuletzt schwachen Ergebnisse weiterhin über die beste Mannschaft der Zweiten Bundesliga verfügt, Tabellenführer ist und auch Aufstiegsfavorit Nummer Eins bleibt. Die meisten Kritikpunkte hinsichtlich der Qualität und Effektivität des eigenen Spiels sind in großen Teilen auf Konzentration und Druck zurückzuführen, die mit der nächsten Siegesserie (oder einem Erfolg im Pokal gegen Schalke 04?) schon überwunden werden könnten.