Seit etlichen Jahren ist der FC Bayern München der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands, allerdings stellt der Rekordmeister ebenso seit geraumer Zeit die älteste Mannschaft aller Bundesligisten. Daher soll ab dem kommenden Sommer ein Umbruch vollzogen werden. Während vornehmlich auf den Flügeln umgerüstet werden dürfte, berichten belgische Medien laut einer Meldung der ​TZ über einen weiteren Kandidaten für die Nachfolge von Robert Lewandowski.


Robert Lewandowski zählt seit vielen Jahren zu einem der komplettesten und unter dem Strich besten Stürmern Europas, doch mit 30 Jahren gehört der Pole auch nicht mehr zum jüngsten Eisen. Zwar ist davon auszugehen, dass er auch in Zukunft weiterhin viele wichtige Tore erzielen wird, ehe sein Vertrag im Sommer 2021 ausläuft, doch bei der Besetzung der Sturmspitze müssen die Verantwortlichen des FC Bayern möglicherweise frühzeitiger handeln, als auf den Außenbahnen, wo Franck Ribery und Arjen Robben noch immer für Wirbel sorgen.

AEK Athens v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Group E

  Seit Jahren trifft Robert Lewandowski nach Belieben - aber wie lange wird der FC Bayern München davon noch profitieren?



Denn dass Lewandowski seine Karriere in München beenden wird, scheint eher unwahrscheinlich. Nicht nur einmal offenbarte er, ​seine Laufbahn in den Vereinigten Staaten ausklingen lassen zu wollen, um danach als Geschäftsmann mit Ehefrau Anna Lewandowska ein zweites Standbein nach der Profikarriere aufzubauen. Bis zum Ablauf der aktuellen Vertragslaufzeit sind es noch knapp drei Jahre, doch die Position des Mittelstürmers ist im Angriffsspiel der Münchner eine entscheidende.


Nachdem vor einem Monat Berichte über ein ​vermeintliches Interesse am neuen polnischen Hoffnungsträger Krzysztof Piatek auftauchten, habe man laut der belgischen Zeitung Het Belang van Limburg ein Auge auf Wesley Moraes geworfen. Beim Champions-League-Spiel zwischen dem FC Brügge und der AS Monaco seien Scouts der Bayern im Stadion gesichtet worden, die sich vornehmlich auf den Angreifer fokussiert hätten.


Beim 1:1-Unentschieden im Duell der Außenseiter der Gruppe A erzielte Wesley nach dem zwischenzeitlichen Rückstand durch Moussa Sylla den Ausgleich - bereits sein achtes Tor im 14. Pflichtspiel. In dieser Saison scheint der Knoten endgültig geplatzt zu sein: In der Jupiler League erzielte der 21-Jährige in neun Einsätzen sechs Tore, unter anderem gelang ihm ein Hattrick beim 4:0 über KAA Gent.


Groß, stämmig, aber eben auch Brasilianer: Wesley im Portrait


Vor zwei Jahren wagte er vom zweifachen slowakischen Meister AS Trencin den Schritt nach Belgien, wo er zunächst etwas Anpassungszeit benötigte. Seine groben Werte steigern sich jedoch von Jahr zu Jahr: In seiner ersten Saison traf Wesley in 32 Partien sechs Mal, im abgelaufenen Jahr waren es immerhin 13 Tore in 44 Einsätzen. Wenn seine aktuelle Serie so weitergeht, wird er seine bisherige Bestmarke schon bald übertreffen - und das nicht ohne Grund.

Club Brugge v RSC Anderlecht - Jupiler Pro League

   Im physischen Bereich muss Wesley Moraes (Vordergrund) wohl kaum an sich arbeiten



Mit einer Körpergröße von 1,91 Metern und einem Gewicht von 93 Kilo ist der in Juiz de Fora (Brasilien) geborene Angreifer vor allem eines: Wuchtig. In Zweikämpfen gibt sich Wesley robust, ist zudem kopfballstark und verfügt über eine gute Technik. Im Strafraum hat er immer wieder den richtigen Riecher, weiß, wo er stehen muss und in welchem Moment er - auch bei Standards - einlaufen muss. Dank seines wuchtigen Schusses probiert es der Rechtsfuß auch immer wieder aus der Distanz. Ein klassischer Stürmer wie beispielsweise Mario Gomez, der während seiner Zeit in München die meiste Zeit im Sechzehner lauerte, ist er allerdings nicht. Stattdessen spielt Wesley immer wieder mit und ist sich nicht zu fein, den Ball für seine Mitspieler aufzulegen.


Vom körperlichen Aspekt ist der 21-Jährige schon sehr weit, doch es wird noch einige Jahre dauern, ehe er speziell in puncto taktisches Verhalten den Feinschliff erhalten wird. In Brügge erhält er dafür die nötige Zeit. Ohnehin bringt die belgische Liga immer wieder einige Top-Talente wie einst Romelu Lukaku, Youri Tielemans oder Leon Bailey hervor. 


Zudem stehen bereits einige Pokale in seiner Trophäensammlung: Mit dem AS Trencin gewann er in der Saison 2015/16 das nationale Double, beim FC Brügge feierte er in den Jahren 2016 und 2018 jeweils den Gewinn der Meisterschaft. Hinzu kommt der Erfolg im Superpokal zu Beginn der Saison, als man sich mit 2:1 gegen Standard Lüttich durchsetzte.


Viele Interessenten


Allerdings gibt es zwei Haken: Zum einen läuft Wesleys Vertrag noch bis 2023. Zwar sei darin laut  Het Laatste Nieuws eine Ausstiegsklausel verankert, doch der FC Bayern wird nicht als der einzige Interessent gehandelt. Demnach seien auch Borussia Dortmund, Juventus Turin, Tottenham Hotspur, der FC Chelsea und Paris St. Germain am Sturmtalent interessiert.


Klar ist, dass es schwierig bis nahezu unmöglich ist, einen Stürmer wie Robert Lewandowski eins-zu-eins zu ersetzen. Doch die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass man nicht immer ein exaktes Abbild des Vorgängers braucht. Wesley könnte durchaus das Potenzial haben, sich in einigen Jahren beim Rekordmeister durchzusetzen - doch Stand jetzt würde er die meiste Zeit auf der Bank verbringen und somit einige Jahre verlieren.