Seit mehr als sechs Jahren spielt Theodor Gebre Selassie nun beim SV Werder Bremen. Mit der Tabellenspitze hatten er und sein Klub dabei selten etwas zu tun. Im Interview mit BILD erkärt der Tscheche nun, warum dieses Mal alles anders ist. 


Im Sommer 2012 wechselte der damals 25-jährige Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie von Slovan Liberec in seiner tschechischen Heimat an die Weser zu Werder Bremen. Der Sprotverein war nach seinen Erfolgen zu Beginn des neuen Jahrtausends zu dem Zeitpunkt schon wieder gut im Mittelmaß angelangt. Und dort blieben die Werderaner auch in den Folgejahren - mit ihrem neuen Defensiv-Akteur. 

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Theodor Gebre Selassie ist einer der dienstältesten Werderaner



Bis jetzt. Schon in der vergangenen Spielzeit hatten die Bremer Zeichen eines Leistungsanstiegs durchscheinen lassen. Die letzte Konsequenz aber fehlte noch. Die aktuelle Saison verspricht nun eine Rückkehr zu lange verloren geglaubter Stärke. Mittendrin ist auch Gebre Selassie - inzwischen gestandene Größe bei den Norddeutschen. 


Zurück zu alter Stärke


Der tschechische Nationalspieler ist auch im aktuellen Überraschungs-Team gesetzt. Und wenn man den Verteidiger fragt, spielt nicht nur seine Mannschaft, sondern auch er selbst besseren Fußball als in der Vergangenheit. Für den 31-Jährigen liegt der Grund für seinen "zweiten Frühling" in einer neu-gewonnenen Ruhe. Dafür sorgt laut dem zweifachen Vater auch die Familie: "Bei mir hängt das auch viel mit meinem Privatleben zusammen. Ich habe mittlerweile zwei Kinder und mache mir nicht mehr so viele Gedanken wie vorher." Wo er nach jedem verlorenen Spiel schlecht geschlafen habe, sei er heute wesentlich ruhiger.

FC Schalke 04 v SV Werder Bremen - Bundesliga

"Kohfeldt ist für mich der beste Trainer, den ich in meiner Karriere hatte"



Für den Aufschwung des Bundesligisten sind aber laut Gebre Selassie nicht nur die Spieler verantwortlich. Auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt habe seit seiner Ankunft Ende 2017 erheblich zur Verbesserung der Leistung des Meisters von 2004 beigetragen. Er sei "der beste Trainer", mit dem er in seiner Karriere habe arbeiten dürfen. Dementsprechend groß sei sein Anteil am aktuellen Erfolg des SV Werder. 


Internationale Pläne


Ja, die Stimmung ist gut - Das spürt man beim Weser-Verein. Auch deshalb ist für den Tschechen, der nach Philipp Bargfrede inzwischen der dienstälteste Werderaner ist, eine Verlängerung bis 2020 sehr wahrscheinlich. Denn der ruhige Verteidiger denkt international - mit Nationalmannschaft wie Verein. 


Tschechien soll, so der Plan des Nationalspielers, der auch äthiopische Wurzeln hat, vor dessen Rücktritt die EM-Teilnahme schaffen. Gebre Selassie wird sich mit einer endgültigen Entscheidung jedoch noch Zeit lassen.


Mit Werder geht es schon jetzt in jedem Spiel darum, dem Traum von Europa ein bisschen näher zu kommen. Die Bremer sind mit dem aktuell dritten Tabellenplatz tatsächlich auf dem besten Weg, diese Sensation zu schaffen, weshalb auch die Gedanken der Spieler schon mal um Europa- und Champions League kreisen. "Es wäre natürlich extrem geil, auch für mich persönlich", gibt auch der erfahrene Tscheche zu, der allerdings im gleichen Atemzug vor zu hohen Erwartungen warnt: "Nach acht Spieltagen darüber zu reden, ist noch zu früh."

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Mit Tschechien möchte Gebre Selassie noch einmal eine Europameisterschaft spielen



Den nächsten Schritt könnten Gebre Selassie und seine Bremer Teamkollegen schon morgen gegen die strauchelnden Leverkusener machen. Der Rechtsverteidiger zeigt sich diesbezüglich zuversichtlich: "Wir hoffen natürlich, dass wir unsere Serie verlängern können und den nächsten Sieg holen". In der aktuellen Verfassung beider Mannschaften wäre alles andere als ein Bremer Heimsieg allerdings auch überraschend.