Eintracht Frankfurt stand am Abend des 18. August diesen Jahres vor einer schwierigen Saison. Als Titelverteidiger scheiterte die Eintracht am SSV Ulm in der ersten Runde des DFB-Pokals. Dazu haben Erfolgstrainer Niko Kovac, Leader Kevin-Prince Boateng, Flügelspieler Marius Wolf und Defensivstratege Omar Mascarell den Club verlassen. Ante Rebic brachte neben der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 2018 eine Adduktorenverletzung mit nach Hause. Gepaart mit der bevorstehenden Dreifachbelastung durch die Europa League in der kommenden Saison, drohte den Frankfurtern ein Schicksal, das schon viele Überraschungsteams ereilt hat. Einer erfolgreichen Saison mit der Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb folgte der leistungs- und tabellenmäßige Absturz. Letzter Vertreter dieser nicht besonders glorreichen Riege: der 1. FC Köln in der Saison 2017 / 2018.


Gut zwei Monate später sieht die Welt in Frankfurt ganz anders aus. Tabellenplatz sieben in der Bundesliga und drei Siege in der Gruppenphase der Europa League zeugen von einer sehr guten Bilanz der SGE – dazu mit dem 7:1 Heimerfolg gegen Fortuna Düsseldorf in mehrfacher Hinsicht Geschichte geschrieben. Adi Hütter und sein Team haben den Startschwierigkeiten getrotzt und sind schnell in die Spur gekommen. Wir sehen uns zwei Hauptgründe für den Aufschwung der Eintracht näher an und analysieren die aktuellen Leistungen.


Trio infernale


Die Offensive der Eintracht läuft momentan auf Hochtouren. Egal, ob Jovic (sieben Bundesligatore), Haller (fünf Bundesligatore) oder Rebic (drei Bundesligatore) stürmen, jeder aus diesem Trio ist aktuell für ein (oder mehrere) Tore gut und macht die Eintracht für die Gegner ungleich schwieriger auszurechnen. Zudem kann Haller noch starke fünf Vorlagen aufweisen und schraubt das Scorerkonto der drei Stürmer mit den Assists von Rebic und Jovic (jeweils ein Assist) auf insgesamt 22 Punkte hoch. 


Auch für Adi Hütter stellt dies eine komfortable Ausgangslage vor jedem Spiel dar, kann er doch stets zwischen drei formstarken Spielern für zwei freie Startplätze im Angriff wählen und bei Bedarf noch im Verlauf der Partie von der Bank nachlegen.

TSG 1899 Hoffenheim v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Jovic (l.) und Rebic (r.) - zwei Erfolgsgaranten der Eintracht



Nachdem Adi Hütter das Team zu Beginn seiner Amtszeit häufig im 4-2-3-1 formierte, wechselte er nach einigen Spielen zum altbewährten System mit Dreierkette. Von den bislang 748 absolvierten Spielminuten (inkl. Nachspielzeit) stand Frankfurt 380 Minuten mit einer Viererkette auf dem Feld, in den übrigen 368 Zeigerumdrehungen formierte sich die SGE mit einer Dreierkette. Mit vier Abwehrspielern erzielte Frankfurt fünf Tore und musste acht Gegentreffer hinnehmen. Anders das Bild in Systemen mit Dreierkette (3-1-4-2, 3-5-2 oder 3-4-1-2): 14 Toren stehen lediglich vier Gegentreffer gegenüber. Gut möglich, dass Frankfurt mit der Dreier- bzw. Fünferkette gegen den Ball und laufstarken Spielern auf den Halbpositionen (wie z.B. Gacinovic) besser ins (Gegen-)Pressing und somit seine Defensive stärkt, aber auch früher den Ball zurückerobert und Gegenangriffe initiieren kann.


Insgesamt ist die Rückkehr zum Erfolgssystem des letzten Jahres sehr positiv zu bewerten. Adi Hütter hat das System jedoch nicht einfach kopiert, sondern auch seine eigene Handschrift eingebaut. Er installierte beispielsweise mit Kostic einen offensiven Außenbahnspieler auf die Position des linken Außenverteidigers und hat insbesondere über diese Angriffsseite sehr viel Offensivpower geschaffen.


In Frankfurt herrscht gegenwärtig eine wahre Euphoriewelle. Der gute Saisonstart und die sehr attraktiven Auftritte in der Euro League lassen manchen Eintracht-Fan von dem Beginn einer goldenen Ära träumen. Davon ist man bei der Eintracht sicherlich noch ein Stück entfernt, die Mannschaft ist jedoch gerade nach den Abgängen und Rückschlägen zu Beginn der Saison scheinbar noch näher zusammengerückt und konnte das leidenschaftliche Publikum für sich gewinnen. Mit Hütter steht ein sehr erfahrener und taktisch ausgezeichneter Coach an der Seitenlinie, der sicherlich noch nicht alle Leistungsreserven aus dem Team herausgekitzelt hat. Es bleibt also spannend in der Mainmetropole.