ATHENS, GREECE - OCTOBER 23:  Mats Hummels of Bayern Muenchen talks to his team mate Robert Lewandowski (R)  during the Group E match of the UEFA Champions League between AEK Athens and FC Bayern Muenchen at Athens Olympic Stadium on October 23, 2018 in Athens, Greece.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

FC Bayern: 5 Erkenntnisse nach dem Erfolg gegen AEK Athen

Der FC Bayern München feierte am gestrigen Abend den zweiten Sieg in Folge, und einen wichtigen dazu: Am dritten Spieltag der Gruppenphase der UEFA Champions League setzte sich der Rekordmeister mit 2:0 bei AEK Athen durch.


Nach dominanten 45 Minuten brach die Mannschaft allerdings ein wenig ein und zeigte ein paar der Symptome, die man bereits aus den Spielen vor der Länderspielpause kannte. Dennoch war Trainer Niko Kovac mit vielen Dingen zufrieden - die Fans dafür umso weniger.


Im Folgenden präsentieren wir fünf Erkenntnisgewinne, die Kovac und die Seinen mitgenommen haben dürften.

1. Gnabry spielt sich in den Vordergrund

Zum zweiten Mal in Folge durfte Serge Gnabry von Anfang an beginnen. Wie schon beim Gastspiel gegen den VfL Wolfsburg ersetzte der 23-Jährige Routinier Franck Ribery, der aufgrund einer Wirbelblockade nicht mit nach Athen reiste. 


Gegen den kompakt stehenden Außenseiter bot Gnabry eine gute Vorstellung, war besonders im ersten Durchgang der auffälligste Münchner und der Initiator beider Tore. Sollte er diese Form in die nächsten Wochen mitnehmen, könnte er einer der wichtigsten Faktoren im Offensivspiel der Münchner werden.


Folgen hätte diese Entwicklung besonders für jenen Ribery. Der Franzose gibt noch immer im Training Vollgas, will am liebsten alle drei Tage in der Startelf stehen - doch durch die Leistungen von Gnabry erhöht sich der Druck auf den 35-Jährigen noch mehr. Ribery hätte sich wohl ohnehin hinter Kingsley Coman anstellen müssen, war nach dessen Syndesmosebandriss jedoch wieder gesetzt. Nun allerdings könnte Gnabrys Stunde geschlagen haben, und Ribery somit auf die Bank verdrängen.

2. Süle beweist: Er ist der Innenverteidiger Nummer eins

Vor der Saison wurde darüber berichtet, dass Niklas Süle intern an erster Stelle auf dem Innenverteidiger-Posten steht. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Gemeinsam mit Mats Hummels sammelte der 1,95 Meter große Abwehrriese die meisten Einsätze (zehn), zudem stand Süle am häufigsten in der Bundesliga auf dem Platz (sieben Mal).


Im ersten Durchgang wirkte er bisweilen ein wenig unsicher, fing sich allerdings nach dem Seitenwechsel und bot danach eine sehr gute Leistung. Schon im vergangenen Jahr deutete sich das Potenzial des Ex-Hoffenheimers an, doch sich wiederholende Patzer sowie drei Eigentore sorgten für ein Wechselspiel zwischen viel Licht und Schatten.


Allerdings scheint er in diesem Jahr weitere Fortschritte zu machen, weshalb man davon ausgehen darf, dass Süle tatsächlich zur neuen Nummer eins im Abwehrzentrum reift.

3. Der Martinez-Faktor

Javi Martinez ist für jeden Verein ein wertvoller Spieler - allerdings auf seine ganz eigene Art. Der Spanier ist im defensiven Mittelfeld für die Arbeit hinter den kreativen Köpfen zuständig, bereinigt Gefahren frühzeitig und nimmt somit den Druck von seinen Hintermännern in der Abwehr.


Dass diese Spielweise nicht immer von Niko Kovac gefragt ist, zeigt sich an den bisherigen Leistungsdaten. Genauso zeigt sich jedoch: Bei den beiden Bundesliga-Niederlagen gegen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach saß Martinez über 90 Minuten auf der Bank, konnte der Mannschaft so gerade bei gegnerischen Kontern nicht helfen. 


Jupp Heynckes erkannte schon früh, dass ein Spieler vom Typ Martinez der Mannschaft auf jeden Fall helfen würde, weshalb der heute 30-Jährige vor mittlerweile sechs Jahren für die stolze Ablösesumme von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao losgeeist wurde. Unter Pep Guardiola und Carlo Ancelotti kam er meist in der Innenverteidigung zum Einsatz, doch die letzte Saison unterstrich: Martinez' Qualitäten liegen im defensiven Mittelfeld.


Dort hatte er bei der gestrigen Partie in Athen einige Probleme, erzielte jedoch das wichtige 1:0 und führte die Mannschaft so auf die Siegerstraße. Auch in Wolfsburg war er über 90 Minuten dabei, weshalb der FC Bayern auch ein Stück weit wegen Javi Martinez wieder zwei Spiele in Folge gewinnen konnte.

4. Rafinha glänzt als Alaba-Ersatz

David Alaba verbrachte die Partie angeschlagen auf der Bank, weshalb Rafinha kurzerhand in die Startelf beordert wurde. Der Brasilianer wurde bereits in Wolfsburg wieder eingesetzt, nachdem er sich beim 3:1-Sieg über Bayer Leverkusen einen Teilriss des Innenbandes zuzog und seither fehlte.


Auch Rafinha gehört mit 33 Jahren zu den alten Eisen des FC Bayern, unterstrich jedoch, dass das Alter auch nur eine Zahl ist. Auf der linken Abwehrseite schaltete sich Rafinha immer wieder mit in die Offensive ein, zog das Spiel auf dem linken Flügel auf und bereitete so das 2:0 durch Robert Lewandowski vor. Sollte er fit bleiben, dürften die Münchner auch in der Winterpause nicht nach einem weiteren Außenverteidiger Ausschau halten.

5. Die alten Probleme kann auch Niko Kovac (noch) nicht beheben

Mats Hummels wollte nach der Partie noch immer ein Problem im Spiel des Rekordmeisters ausmachen, das schon seit geraumer Zeit herrscht: "Der Gegner lässt uns spielen, und wir spielen ihm den Ball einfach in den Fuß oder nehmen lange Bälle, die gar nicht notwendig sind. Das haben wir manchmal, das spreche ich dann auch ganz gerne an", so der Innenverteidiger laut kicker.


Während die Mannschaft im ersten Durchgang klar dominierte, verliefen die zweiten 45 Minuten bis zu den Toren von Martinez und Lewandowski nicht wie gewünscht. Stattdessen lud man den Gegner immer wieder ein, brachte ihn zurück ins Spiel und erschwerte sich die Aufgabe ungemein. 


Allerdings betonte Hummels auch, dass dieses Problem nicht neu sei. Schon die Niederlagen gegen den VfB Stuttgart am 34. Spieltag der Vorsaison (1:4), das verlorene Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt sowie das Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid hätten gezeigt, dass die Mannschaft teilweise "nicht das Gespür dafür" habe, "dass es gefährlich werden könnte, wenn wir den Ball verlieren." Stattdessen wolle man "ein bisschen zocken, was Besonderes machen" - was sich nicht selten rächt.


Ähnlich bemerkte es auch Carlo Ancelotti, der vor gut einem Jahr als Trainer der Münchner entlassen wurde und mittlerweile beim SSC Neapel unter Vertrag steht. Schon allein aus seiner Analyse im Vorfeld des Pokalfinals dürfte Trainer Niko Kovac die Stärken und Schwächen des FC Bayern kennen, doch beheben kann er sie - Stand jetzt - nicht.