​Die 0:2-Heimniederlage gegen die Überraschungsmannschaft Werder Bremen ist ein erneuter Rückschlag für Vizemeister Schalke 04 - nach dem ersten Viertel der Bundesliga-Saison stecken die Knappen weiter im Tabellenkeller auf dem Relegationsplatz fest. Bei Betrachtung der bisherigen Schalker Spiele offenbart sich, dass sich die Qualität des Kaders nicht auf den Platz überträgt und keine spielerische Entwicklung der Mannschaft zu erkennen ist. Außerdem ist Schalke die gnadenlose Effektivität der Vorsaison verloren gegangen. 


Der ​FC Schalke 04 konnte sich in der erfolgreichen letzten Vizemeister-Saison auf die zweitbeste Abwehr der Bundesliga und eine extrem effektive Offensive verlassen. Die Schalker spielten häufig zu Null, erzielten viele Tore aus Standardsituationen und konnten so auch Spiele, in denen der Gegner besser war und mehr Chancen hatte, dennoch für sich entscheiden. Diese Effektivität ist der Mannschaft in der aktuellen Saison verloren gegangen, und zwar auf beiden Seiten des Balles: Schalke lässt ligaweit zwar die fünftwenigsten Abschlüsse des Gegners zu, liegt bei den Gegentoren mit elf aber dennoch nur im Mittelfeld. 


Offensiv wird die Diskrepanz besonders deutlich: S04 gibt in dieser Saison in der Bundesliga die sechstmeisten Schüsse pro Spiel ab, konnte daraus aber nur magere fünf Tore aus acht Spielen erzielen - einzig Mainz 05 erzielte noch weniger Treffer.

Diese Zahlen zeigen, dass die Effektivität, welche Schalkes größte Stärke in der Vorsaison war, verloren gegangen ist. Gründe dafür zu nennen, erscheint schwierig. Denn hinsichtlich der individuellen Qualität des Kaders hatte Schalke 04 sich vor der Saison eigentlich verstärkt: Mit Salif Sané kam einer der besten Verteidiger der Vorsaison, mit Mark Uth ein Stürmer, der in der Bundesliga gerade 14 Tore erzielt hatte. Auch Omar Mascarell erschien mit seiner Zweikampfstärke als passender Mittelfeldspieler für das Schalker Spiel, Sebastian Rudy sollte derweil mehr Qualität im eigenen Ballbesitz liefern. Die bisherigen elf Saisonspiele zeigen allerdings, dass keiner der Neuzugänge an die alten Leistungen anknüpfen konnte: Innenverteidiger Sané spielt ordentlich, aber nicht so dominant wie noch bei Hannover 96, Neu-Nationalspieler Uth ist in elf Einsätzen noch ohne Tor, und die Mittelfeldspieler Rudy und Mascarell standen erst in jeweils vier Spielen auf dem Platz. 


So bleibt von dem erwarteten Zugewinn an Qualität wenig übrig - kein Spieler im Kader des Vizemeisters kommt auf mehr als drei Torbeteiligungen. Andererseits gehört auch zur Wahrheit, dass Schalke bereits in der letzten Saison häufig keinen besonders guten Fußball spielte, aber oft das Spielglück hatte, enge Spiele dennoch mit dem passenden Ergebnis für sich zu entscheiden. Dies ist zum einen eine Frage von Mentalität und Selbstvertrauen, welches aktuell nach bereits sechs Niederlagen aus elf Pflichtspielen logischerweise nicht in dem Maße vorhanden sein kann.


Andererseits fehlt bei Schalke unter Trainer Domenico Tedesco weiterhin die spielerische Entwicklung der Mannschaft. Bereits in der letzten Saison erzielten die Schalke in der ​Bundesliga nur 53 Tore - kein anderer Europapokalteilnehmer traf seltener. In dieser Saison sucht die Mannschaft häufiger den Abschluss, jedoch ist die Gefahr dieser Schüsse zu niedrig. Fast die Hälfte der Schalker Abschlüsse kommen von außerhalb des Sechzehners - fünfhöchster Wert der Liga. Die größten Sorgen sollte dabei die Qualität des eigenen Ballbesitzes machen: S04 hat zwar mehr Ballbesitz als in der Vorsaison, kommt aber nur auf eine Passquote von unter 75 Prozent - das ist einer der vier schlechtesten Werte der Liga und eines Champions-League-Teilnehmers nicht würdig. 


Die Schalker Verantwortlichen sollten deshalb nicht den Fehler machen, die aktuelle Krise nur auf jeweils fehlendes Selbstvertrauen und Spielglück zu schieben. Diese Faktoren spielen eine große Rolle im Sport, dennoch muss Trainer Tedesco auch Antworten finden, wie er die vorhandene Klasse der Einzelspieler auf den Platz bringt und die Qualität des eigenen Offensivspiels verbessert.