In Zeiten, in denen der ​FC Bayern München strauchelt, richten sich die Augen verstärkt auf Borussia Dortmund. Aktuell wirken die Westfalen unter Lucien Favre unaufhaltsam, eilen von Sieg zu Sieg und thronen mit 20 Punkten an der Tabellenspitze. Dennoch sieht Kapitän Marco Reus die Mannschaft noch nicht bei 100 Prozent: "Man merkt, dass wir noch einiges zu tun haben", so der 29-Jährige laut Der Westen.


Der Saisonstart ist eigentlich ein Abbild der abgelaufenen Spielzeit - nur mit anderen Vorzeichen: Damals hatte Borussia Dortmund nach sieben Spielen fünf Punkte Vorsprung auf den FC Bayern, der Ende September die Reißleine zog und Trainer Carlo Ancelotti entließ. Jupp Heynckes kehrte zurück und führte die Mannschaft auf die Erfolgsspur, während der BVB zu Straucheln begann. Peter Bosz konnte das Ruder trotz vieler Versuche nicht mehr umlenken und wurde im Dezember durch Peter Stöger ersetzt.


In diesem Jahr besetzen Niko Kovac und Lucien Favre die Trainerposten bei den beiden Spitzenvereinen. Der Unterschied: Während die Bayern erneut straucheln, wirken die Dortmunder unaufhaltsam. Acht Spiele, sechs Siege - die jüngsten Ergebnisse: 7:0 gegen Nürnberg, 4:2 gegen Bayer Leverkusen, 4:3 gegen den FC Augsburg, 4:0 über den VfB Stuttgart. 

Sieben der 28 Tore stammen von Paco Alcácer, während die jungen Jacob Bruun Larsen und Jadon Sancho aktuell Marius Wolf und Christian Pulisic auf die Bank verdrängen. Gepaart mit dem defensiven Mittelfeld um Axel Witsel und Thomas Delaney ist der BVB vorne gefährlich, hinten (weitestgehend) stabil und scheint in diesem Jahr nicht einzubrechen.


Von den rohen Ergebnissen will man sich allerdings nicht blenden lassen. Favre ist ohnehin jemand, der den Fokus lieber auf jeden noch so kleinen Kritikpunkt wirft, um im besten Fall jeden Fehler auszumerzen. Speziell die Partien gegen Leverkusen und Augsburg haben gezeigt: Trotz einer sauberen Bilanz von acht Gegentoren gerät die Mannschaft gegen mutige Gegner gehörig ins Wackeln. 

Hannover 96 v Borussia Dortmund - Bundesliga

  Auffällig: Gegen defensive, aggressive Gegner wie Hannover 96 tut sich Borussia Dortmund noch schwer


Was besonders in den ersten Spielen ein Problem war: Gegen eine kompakte Defensive fand die hochkarätige Offensive kaum Lösungen. Als Paradebeispiel dient das 0:0 gegen Hannover 96, auch das 1:1 gegen die TSG Hoffenheim offenbarte dieses Problem. Wichtig werden die Lehren daraus für das anstehende Spiel in der Champions League gegen Atletico Madrid. "Sie sind defensiv sehr stark und stehen im 4-4-2 kompakt. Dort müssen wir geduldig spielen. Das wird eine Reifeprüfung und Gradmesser für uns", weiß Marco Reus vor dem Duell gegen die 'Colchoneros'.


Reus und Favre mahnen


Ohnehin ist der Angreifer noch nicht vollends mit den Auftritten der Mannschaft zufrieden: "Man merkt schon, dass wir trotz der guten Ergebnisse taktisch noch einiges zu tun haben." Nach dem Kantersieg in Stuttgart wolle er daran jedoch noch nicht denken: "Heute gilt es, den Nachmittag zu genießen. Ich bin froh, auch in dieser Höhe gewonnen zu haben. In der ersten Halbzeit haben wir schnellen Fußball gespielt und den Ball laufen lassen. In der zweiten Halbzeit hatten wir etwas weniger Zugriff, aber dennoch war es ein rundum gelungener Nachmittag."

Ähnlich sah es auch Favre: "Wir haben sehr gut angefangen, die zweite Halbzeit war gut, aber nicht so gut, weil der Gegner gut gespielt hat. Das 3-5-2 hat uns ein paar Probleme bereitet. Wir waren darauf vorbereitet, aber es war trotzdem schwierig für uns zu beherrschen." 


Soll heißen: Gerade wenn der Gegner dicht steht, durch defensive Kompaktheit besticht und den Dortmundern keine Räume gewährt, wird es schwierig. Doch ebenso schwierig ist es, die geballte Offensivpower über 90 Minuten zu lähmen. Daher wird man darauf gespannt sein dürfen, in welche Richtung sich der BVB weiterentwickelt.