Sie können es also doch noch, die ​Bayern: Nach zuletzt vier sieglosen Spielen in Serie gewann der Rekordmeister beim VfL Wolfsburg mit 3:1 und bot eine über weite Strecken überzeugende Leistung. Trainer Niko Kovac sprach auf der Pressekonferenz nach der Partie vom "ersten Schritt" in die richtige Richtung, doch ein Blick auf die kommenden Aufgaben zeigt: Alles andere als eine Siegesserie wäre eine riesige Enttäuschung.


Schon jetzt dürfte der Saison-Auftakt des FC Bayern München zu den denkwürdigsten der jüngeren Vergangenheit zählen - nicht nur wegen der turbulenten sportlichen Entwicklung. Nach sieben Siegen in Folge stolperte die Mannschaft über den FC Augsburg (1:1), Hertha BSC Berlin (0:2), Ajax Amsterdam (1:1) und Borussia Mönchengladbach (0:3). 


Speziell das ​0:3 gegen Gladbach im letzten Spiel vor der Länderspielpause bot viel Diskussionsstoff. Die Kritik wurde immer größer, ​weshalb sich die Vereinsführung am Freitag zur Wehr setzte: Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic schossen in einer ​skurrilen und für viele Lacher sorgenden Pressekonferenz gegen die Medien, sprachen von respektloser Berichterstattung über ihre Spieler und kündigten an, aktiver gegen bestimmte Publikationen vorzugehen. 

Unabhängig davon war der Druck auf die Mannschaft und den Trainer groß, die erste Bewährungsprobe wurde allerdings überstanden: Beim Gastspiel in Wolfsburg bezwang man den VfL in Unterzahl mit 3:1, wobei vor allem Robert Lewandowski mit zwei Toren und einem Assist maßgeblich am ersten Sieg ​seit dem 2:0 über den FC Schalke 04 am 22. September beteiligt war. 


Kovac gibt (noch) keinen Startschuss


Auf der Pressekonferenz nach der Partie sprach Niko Kovac von einer "engagierten, couragierten, konzentrierten Leistung" seiner Spieler. "Wir hätten in der ersten Halbzeit sicherlich ein, zwei Tore mehr schießen können. Nach der Gelb-Roten Karte hatte Wolfsburg sehr viel mehr Ballbesitz, wir haben uns aber trotzdem gut rauskombiniert."

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

     Niko Kovac will nicht zur Attacke blasen, konzentriert sich stattdessen auf die kommenden Wochen


Der Startschuss für die Aufholjagd auf Spitzenreiter Borussia Dortmund? Nicht, wenn es nach dem Trainer geht: "Es ist ein erster Schritt, aber man hat gesehen, dass selbst der FC Bayern München neben fußballerischen Qualitäten auch kämpferische Qualitäten aufzuweisen hat. Das ist der richtige Weg, da müssen wir drauf bleiben."


Kovac, der in den Medien zunehmend in die Kritik geriet, stapelt tief. Der 47-Jährige ist ohnehin kein Freund davon, zu früh zu große Ziele auszurufen. Viel mehr will er sich darauf konzentrieren, täglich hart zu arbeiten und Spiel für Spiel einzeln zu betrachten. Doch eigentlich können die Münchner gar nicht anders, als eine erneute Siegesserie zu starten.


Sieben Spiele - fünf Mal auswärts


Die Qualitäten der kommenden Gegner sind im Vergleich überschaubar: Zunächst wartet AEK Athen in der Champions League, ehe man in der Liga auf den FSV Mainz 05 trifft. Nach den Spielen beim SV Rödinghausen im DFB-Pokal sowie dem SC Freiburg in der Liga steht erneut AEK Athen auf dem Programm - ehe am letzten Spieltag vor der Länderspielpause Borussia Dortmund zum Top-Spiel bittet.

Ein weiterer positiver Aspekt: Die Bayern haben zunächst drei Auswärtsspiele in Serie, inklusive der gestrigen Partie in Wolfsburg sogar vier. Erst am dritten November, wenn man die Freiburger empfängt, tritt man erstmals wieder in der Allianz Arena an. In der heimischen Spielstätte ist Bayern allerdings seit drei Spielen sieglos, während der Rekordmeister in der Fremde einzig die Niederlage gegen die Hertha hinnehmen musste.


Anders ausgedrückt: In der Auswärtstabelle liegt die Mannschaft auf dem ersten Tabellenplatz - in der Heimtabelle liegt man jedoch nur auf Rang neun. Unabhängig davon muss es der Anspruch des FC Bayern sein, alle kommenden Spiele zu gewinnen - auch das 'Clasico' gegen den BVB. Dafür wird die Mannschaft weiterhin hart arbeiten müssen, interne Streitigkeiten dürfen zudem keine Rolle spielen. Das Spiel in Wolfsburg hat gezeigt, wie es wieder geht. Daran wird man anknüpfen müssen.