​Real Madrid, der FC Barcelona und Bayern München galten in den vergangenen Jahren als die wohl drei besten Mannschaften Europas. Umso interessanter ist es, dass alle drei Klubs in den vergangenen Wochen strauchelten. Am härtesten traf es dabei Real Madrid: Die 'Blancos' warten seit fünf Spielen auf einen Sieg, verloren zuletzt drei Mal nacheinander und holten vor knapp einem Monat ihren letzten Zähler in der Liga. Der gestrige Samstag sollte der Startschuss zur Aufholjagd werden - entwickelte sich allerdings zu einer erneuten Enttäuschung. Trainer Julen Lopetegui gerät zunehmend unter Druck, genießt von seinen Spielern allerdings den vollen Rückhalt.


Mit vielen Vorschusslorbeeren, aber auch mit weitreichenden Folgen, gab Real Madrid unmittelbar vor dem Start der Weltmeisterschaft die ​Verpflichtung von Julen Lopetegui bekannt. Der 52-Jährige führte die spanische Nationalmannschaft seit seiner Amtsübernahme im Sommer 2016 wieder auf Kurs, blieb in all seinen 20 Spielen ungeschlagen und formte die 'Furia Roja' zu einem der Turnierfavoriten.


Zunächst sollte Lopetegui die Nationalmannschaft im Optimalfall zum Titel führen, doch der Verband ​stellte ihn zwei Tage vor Turnierbeginn frei. Daher konnte er sich schon eher auf seine neue Aufgabe fokussieren, kassierte im ersten Pflichtspiel jedoch die erste Niederlage: Im UEFA Supercup verloren die 'Königlichen' in der Verlängerung mit 2:4 gegen Stadtrivale Atletico Madrid.


Der Auftakt in der Primera Division verlief hingegen erfolgreich: Real gewann vier der ersten fünf Spiele, ließ lediglich beim 1:1-Unentschieden gegen Athletic Bilbao erste Federn. Auch in der Champions League feierte der 13-fache Sieger einen Dreier zum Auftakt. Danach ließen nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Spielweise zu Wünschen übrig.

Real Madrid CF v Levante UD - La Liga

  Wirkt am Spielfeldrand zunehmend ratloser: Julen Lopetegui



Auf das 0:3 beim FC Sevilla und dem 0:0 im zweiten Duell gegen Atletico Madrid folgte die peinliche 0:1-Niederlage beim ZSKA Moskau. Noch schlimmer: Auch gegen Deportivo Alaves (0:1) ging man, genau wie am Samstagmittag gegen UD Levante (1:2), als Verlierer vom Platz.


Ramos versichert: Alle stehen hinter dem Trainer


Immerhin: Das Tor von Linksverteidiger Marcelo, der in der 72. Minute den Anschlusstreffer erzielte, war das erste nach 481 Minuten. Und auch ansonsten waren die Spieler mit der Leistung einverstanden. Das Problem: Der Ball wollte einfach nicht ins Tor.


"Wir haben es bis zum Schluss versucht, es hat aber nicht sein sollen. Wir hatten viele Torchancen und ihr Keeper war der Mann des Spiels. Jetzt müssen wir reflektieren und sehen, was wir schlecht machen", resümierte Mittelfeldspieler Dani Ceballos nach der erneuten Pleite laut Real Total. Auch Torschütze Marcelo attestierte der Mannschaft, "viel richtig gemacht" zu haben. 

Real Madrid CF v Levante UD - La Liga

  Stellt sich in den Dienst der Mannschaft - und vor den Trainer: Sergio Ramos



Die aktuelle Situation lässt allerdings keinen kalt. Der Druck steigt stetig, schließlich ist man als Teil von Real Madrid das Siegen gewohnt. "Das ist eine Negativ-Serie, die sich Real Madrid nicht leisten darf", befindet daher Sergio Ramos. Doch der Kapitän appelliert erneut an den Zusammenhalt - und nimmt daher auch den Trainer in Schutz: "Den Turnaround können wir nur gemeinsam schaffen. Für mich als Kapitän hat Lopetegui den vollen Rückhalt des gesamten Kaders."


Vergleich zu Benitez - Gespräch mit Perez

​Auch laut Marcelo stehen die Spieler "bis in den Tod" zum Trainer, der allein mit seiner Aufstellung für weitere kritische Stimmen sorgte: Toni Kroos, der zuletzt etwas in die Kritik geriet, begann ebenso auf der Bank wie Gareth Bale und Karim Benzema. Dabei ist Benzema mit vier Toren in der Liga Reals erfolgreichster Torschütze, Mariano Diaz hingegen durfte erst einmal in der Champions League jubeln.


Lopetegui habe "sehr klare Ideen und behandelt uns gut", so Marcelo, der Parallelen zur kurzen Amtszeit von Rafael Benitez (Juni 2015 - Januar 2016) zieht: "Ihr Medien seid unfair mit ihm, genauso wie mit Benítez. Mir gefällt es nicht, wenn man den Coach nicht seinen Job machen lässt."


Der Trainer selbst sei jedoch zuversichtlich: Wie die Marca berichtet, sei Lopetegui nach einem Gespräch mit Präsident Florentino Perez davon überzeugt, dass er weiterhin im Amt bleiben werde. Allerdings habe er keine Job-Garantie ausgesprochen bekommen. Viel mehr wolle Perez zunächst weiterhin Stimmen aus dem Umfeld sammeln, um darüber zu entscheiden, ob er im Sommer den richtigen Mann als Nachfolger von Zinedine Zidane verpflichtet hat.