​Nach dem Rundumschlag der Vereinsverantwortlichen gegen die Medien und deren Berichterstattung bezüglich des ​FC Bayern München melden sich nun Kritiker zu Wort. Auch die Berater von Juan Bernat reagieren auf die denkwürdige Pressekonferenz und kontern die Aussagen von der Säbener Straße. Man müsse genau überlegen, was man sagt, vor allem, wenn man selbst Respekt und Besonnenheit fordere, so die Berater.


Gegenüber der Bild und Spox sagten Vicente Forés und José Tárraga, dass es sich nicht gehöre, derart respektlos über ehemalige Spieler zu sprechen. „Wir haben stets gedacht und denken immer noch, dass Bayern ein großer Klub ist, in dem alle handelnden Personen professionell agieren“, heißt es von den spanischen Agenten. ​Damit teilen sie eine häufige Meinung zu den Schuldzuweisungen der Führungsriege des FCB, die sich gegen vermeintlich unfaire und falsche Medienberichte zur Wehr setzen wollte.


„Was man da lesen musste, […] war eigentlich nur noch eine Abrechnung mit einzelnen Spielern“, monierte Karl-Heinz Rummenigge auf der besagten Pressekonferenz am Freitag. Dies brachte er gleich in Verbindung mit der unantastbaren Würde des Menschen aus dem ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes. Dies schien jedoch nur für aktive Spieler des FCB zu gelten und nicht etwa für ehemalige – wie Juan Bernat. Der Spanier war von 2014 bis Sommer 2018 bei den Bayern und stand in 113 Pflichtspielen für sie auf dem Platz.


Bernat hielt daher als Sündenbock hin. Statt Kritik an ihren deutschen Nationalspielern und den etablierten Franck Ribéry und Arjen Robben zu üben, feuerten die Bayern-Bosse Richtung Paris Saint-Germain, ​wohin sie den Linksverteidiger Bernat im Sommer für fünf Millionen Euro verkauft hatten.


Hoeneß und Rummenigge waren nicht bereit, sich eine schlechte Transferpolitik unterstellen zu lassen: „Das Wohl und Weh des FC Bayern hängt davon ab, dass wir Juan Bernat nach Paris verkauft haben“, heiße es immer wieder in den Medien, so Hoeneß. Der Vereinspräsident war nicht bereit, dies unkommentiert hinzunehmen und erinnerte an eine schlechte Partie des Spaniers in der Champions League gegen Sevilla: „Er war alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden wären.“


Damals sei entschieden worden ihn abzugeben, weil er einen „Scheißdreck gespielt“ habe. Seitdem kam Bernat nur noch als Reservist zum Einsatz und musste hinter David Alaba und Rafinha auf der Bank Platz nehmen. ​Da beide ebenso wie Kingsley Coman zuletzt lange ausgefallen sind, sind die Optionen für die linke Außenbahn der Münchner in dieser Saison sehr spärlich.


Juans Berater Vicente Forés lässt die explizite Kritik nicht unkommentiert; „Die Aussagen von Hoeneß sind sehr unglücklich“, wird er von Spox und Goal zitiert. „Ich würde ihn fragen, was er sich bei sowas denkt, denn vor einigen Monaten wollte er den Vertrag mit Juan Bernat noch verlängern.“


Auch sein Kollege José Tárraga pflichtete ihm bei: „Ich glaube, dass die Aussagen von Uli Hoeneß alles andere als glücklich gewählt sind und einem Präsidenten eines so großen Vereins nicht gerecht werden“, sagt der Berater in Bild. Gerade weil die Bayern-Bosse selbst angesprochen haben, dass sich ‚Abrechnungen‘ nicht gehörten und gegen die Menschenwürde verstießen. „Ich denke, dass wir alle -aber vor allem der Präsident Hoeneß- darauf achten müssen, dass wir mit Respekt über Fußballer sprechen“, fuhr der Spanier fort, „das ist das Mindeste, was man verlangen kann.“

Sevilla FC v Bayern Muenchen - UEFA Champions League Quarter Final Leg One

Champions League 2017/18: Um diese Szene geht es: Juan Bernat verliert den Kampf um den Ball gegen Pablo Sarabia und beschert seiner Mannschaft ein pikantes Gegentor



Im Viertelfinale der abgelaufenen Saison stand der FCB nach einem 0:0 in München beim FC Sevilla unter Druck, zu gewinnen. Doch durch einen Abwehrfehler von Bernat konnte Pablo Sarabia das frühe 1:0 erzielen. Die Bayern kamen erst durch ein Eigentor zurück ins Spiel und konnten schließlich noch mit 2:1 in die nächste Runde einziehen. Bernat blieb tatsächlich nach der Halbzeitpause in der Kabine und wurde durch Rafinha ersetzt.


Das spätere Ausscheiden konnte dadurch aber nicht vermieden werden, ebenso wenig der wackelige Saisonstart des amtierenden Meisters. Scheinbar hat Bernat durch dieses Spiel tiefe Spuren beim deutschen Rekordmeister hinterlassen. „Aktuell ist Juan nicht mehr beim FC Bayern, sondern denkt nur an PSG“, sagt Tarrága und versucht, Druck aus dem Kessel zu nehmen. „Juan hat sich in seinen vier Jahren in München sehr wohl gefühlt und hat nur Worte der Dankbarkeit für den Verein übrig.“ Ein versöhnlicher Kommentar aus Spanien, um die alten Wunden nicht noch weiter aufzureißen.


​Es bleibt aber trotzdem abzuwarten, wen die Bayern zukünftig verantwortlich machen, wenn es kriselt. Allerdings ist klar, dass die Beschuldigten solche Aussagen auch in Zukunft kontern würden. Der Ton zwischen Bayern und Bernat wurde jedenfalls schärfer. Forés und Tarrága vertreten neben Bernat noch zahlreiche weitere spanische Fußballer und werden sich entsprechende Transfers zukünftig wohl genauer überlegen.