Als Jean-Paul Boetius im Sommer 2017 zu seinem Ausbildungsverein Feyenoord Rotterdam wechselte, sollte es eine freudige Heimkehr werden. Ein gutes Jahr später zog er weiter nach Mainz. Der Grund? Wenn man den Niederländer fragt, ein Platzverweis.


Am ersten Spieltag der aktuellen Saison war Jean-Paul Boetius noch ein Rotterdamer. Bei Feyenoord stand er gegen den Auftakt-Gegner De Graafschap Doetinchem in der Startelf, spielte 80 Minuten - und flog dann vom Platz. Was war passiert? Nun, zunächst war es ein ganz normales Foul, das Schiedsrichter van Boekel mit der gelben Karte "belohnte". Zu unrecht, fand Boetius, der - statt das Urteil hinzunehmen - dem Unparteiischen zynisch zu applaudieren begann. Unverzüglich folgte die zweite gelbe Karte und das Spiel war für den 24-jährigen Holländer beendet. 

Feyenoord v Excelsior - Dutch Eredivisie

Auch nach seiner Rotsperre durfte Boetius in Rotterdam nur noch zusehen



Nicht nur das Spiel, auch der Aufenthalt in Rotterdam endete an jenem Sonntag, zumindest inoffiziell. Denn der Offensivspieler saß seine Rotsperre ab, nur um danach seitens des Vereins nicht weiter berücksichtigt zu werden. Keinen Monat nach dem Vorfall, kurz vor Ende der Transferphase, schüttelte der Niederländer seinem neuen Trainer Sandro Schwarz in ​Mainz die Hand. 


Dem Sender RTV Rijnmond sagte er später: "Wenn ich einfach weglaufen und keine rote Karte bekommen würde, dann wäre ich jetzt wahrscheinlich immer noch auf dem Trainingsgelände von Feyenoord". Ob aber ein einziger Vorfall wirklich für eine derartige Eskalation sorgen kann, ist fraglich, zumal Boetius schon zuvor von seinem Verein verwarnt worden war, nachdem er ein Auslauftraining verweigert hatte. Doch der Neu-Mainzer ist sich sicher, er hat es nie "auf einen Wechsel angelegt". 

1. FSV Mainz 05 v Hertha BSC - Bundesliga

Gegen Hertha BSC stand der Mainzer Neuzugang in der Startelf



Das Engagement beim Bundesligisten sei aber dennoch ein Neustart, gab der einmalige niederländische Nationalspieler zu. Dieser Neubeginn war für Jean-Paul Boetius in Mainz mit einer Menge Zeit auf der Bank verbunden. Doch mit fortschreitender Saison und weil die Offensive der Rheinhessen bislang mehr als zu wünschen übrig lässt, bekommt auch der Neuzugang mehr Chancen, sich zu beweisen. 


Nach dem ersten Startelf-Einsatz gegen Hertha Berlin war FSV-Trainer Schwarz dann voll des Lobes. Als Zehner eingesetzt gebe Boetius dem Verein offensiv neue Möglichkeiten. Zudem bewies der Mittelfeldspieler als laufstärkster Mainzer, dass er seine neue Chance ernst nimmt. Mit seiner neu-gewonnenen Disziplin ist das Rotterdamer Sorgenkind schon jetzt ein wenig zum Mainzer Hoffnungsträger geworden.