In jedem Bundesligaverein ist es gang und gäbe: Vor der Saison werden Kapitän und Mannschaftsrat bestimmt - manchmal sogar vom Team selbst. Häufig wird die ehrenvolle Verantwortung solchen Spielern zuteil, die entweder gestandene Bundesligaprofis sind oder im jeweiligen Verein seit Jahren zu den Leistungsträgern zählen. Beim VfL Wolfsburg fiel die Wahl in dieser Saison unerwartet aus und gab besonders einem Spieler zu denken.


In Wolfsburg gibt es einen Spieler, der womöglich mehr für den teils als Werksklub verschrieenen Verein steht als alle anderen. Mit 24 Jahren ist er mit Wolfsburg zweifacher deutscher A-Jugend-Meister, DFB-Pokalsieger und Superpokalsieger und hat mit der deutschen U21-Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewonnen. Ein trotz seines Alters äußerst verdienter Spieler, der für die Wölfe bereits fünfmal als Kapitän starten durfte, seit über neun Jahren beim Bundesligisten kickt - dem seine aktuellen Mitspieler aber dennoch nicht zutrauen, ihre Meinungen im Mannschaftsrat zu vertreten. 

SV Werder Bremen v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Arnold steht zwar noch in der Startelf, aus dem Mannschaftsrat ist er aber raus



Die Rede ist von Maximilian Arnold. Der Wolfsburger Mittelfeldspieler war noch in der vergangenen Saison einer der Stellvertreter des Teams, bei der diesjährigen Wahl ging er leer aus. Kapitän wurde Josuha Guilavogui - erst seit gut zwei Jahren im Verein, aber offenbar mit besserem Draht zu den Teamkollegen. Arnold ist sicher wertgeschätzt in Wolfsburg. In beiden Relegationsspielen der vergangenen Saison führte er die Mannschaft als Spielführer auf den Platz, hat bis jetzt bereits 162 Spiele für den VfL absolviert. Umso mehr schmerzte die Degradierung, wenn auch nur für kurze Zeit: "Vielleicht die ersten paar Tage. Aber man kann es ja auch nicht mehr ändern."


Es sei auch eine Frage verschiedener Meinungen, verriet Arnold im Interview mit dem Sportbuzzer. Ändern könne man ja ohnehin nichts daran. Tatsächlich hat der zentrale Mittelfeldspieler häufig eine Meinung, die er bis zum Ende vertritt, möge sie auch anecken. Die Philosophie ist jedoch eine, die der 24-Jährige seit jeher verfolgt und von der er auch zukünftig nicht loskommen möchte, nur weil er nicht im Mannschaftsrat sitzt. "Ich bin ja nicht der Typ, der ich bin, weil ich immer ,Ja und Amen' sage", stellt Arnold selbstbewusst fest, "Das werde ich auch weiter so machen."


Sich selber treu zu bleiben bedeutet für das Wolfsburger Eigengewächs jedoch nicht, sich nicht auch kritisch zu hinterfragen. Denn fehlerlos ist niemand, das weiß auch der Bundesligaveteran. Laut eigener Aussage ist er jemand, der reflektiert und "sich am Abend überlegt, ob er alles richtig gemacht hat an diesem Tag". Dabei ertappe man sich schon einmal selbst, gibt Arnold zu. Aus solchen Erkenntnissen zu lernen, das ist die Kunst, in der sich der Wolfsburger nun übt - und aufgrund derer er vielleicht in Zukunft auch wieder die Kapitänsbinde anlegen darf.