​FC Chelseas Innenverteidiger Andreas Christensen denkt an einen Abschied. Antonio Rüdiger und David Luiz haben ihm den Rang abgelaufen. Nachdem der Däne unter Antonio Conte noch zum Stammpersonal gehörte, scheint der neue Chelsea-Trainer Mauricio Sarri nicht auf Christensen zu setzen. 


Keine einzige Premier-League-Minute hat Andreas Christensen bisher bestritten. Als Faustregel gilt meistens: Je mehr Einsätze im wichtigsten Wettbewerb Englands, desto mehr Wertschätzung bekommt ein Spieler von seinem Trainer. In beiden Europa-League-Spielen sowie in der einzigen EFL-Cup-Partie durfte der 22-jährige Däne von Beginn an auflaufen. Doch zunehmend verfestigt sich der Eindruck, Christensen habe unter Trainer Mauricio Sarri keine große Perspektive.


In der vergangenen Saison feierte Christensen so etwas wie einen Durchbruch bei den Londonern. 27-mal kam er in der Premier League zum Einsatz, in 23 Fällen von Beginn an. Obwohl Chelsea sich nicht von seiner besten Seite zeigte und nur auf Platz fünf landete, galt Christensen als Hoffnungsschimmer und er schien vorgesehen als zukünftigen Baustein für eine bessere Zukunft unter Taktik-Genie Sarri. 


Doch anders als es viele erwartet hatten, ist Christensen kein Faktor. Antonio Rüdiger sitzt ohnehin fest im Sattel nach seinen starken Leistungen im Vorjahr und zu Saisonbeginn. Neben dem deutschen Nationalspieler ist der Brasilianer David Luiz wiedererstarkt. Da der 30-Jährige in der Saison 2017/2018 lange aufgrund einer Knieverletzung passen musste, hätten wenige Experten mit seiner Rückkehr gerechnet. Eigentlich schien der zweite Platz im 4-3-3 des ehemaligen Trainers von SSC Neapel entweder für Christensen oder Gary Cahill reserviert, doch beide fristen derzeit ein Reservistendasein. 


Ungewohnte Situation


"Es ist ein schwieriger Saisonstart, um ehrlich zu sein, ist es sehr schwierig", fasste Christensen seine Lage gegenüber der dänischen Zeitung BT zusammen. Umso härter trifft ihn das aktuelle Schicksal, weil der 22-Jährige es nicht gewohnt war, auf der Bank zu sitzen: "In den vergangenen Jahren spielte ich regelmäßig in meinen Mannschaften." Natürlich gefalle ihm die Situation nicht. Ist also ein Wechsel zu einem anderen Klub ein Thema? "Es ist zu früh, um darüber zu reden, wann ich gehen werde oder ob ich überhaupt gehen werde", so Christensen. "Aber es ist keine gute Situation für mich."


Sein Verlangen nach Spielzeit ist einleuchtend. Der 20-fache Nationalspieler möchte seine Entwicklung nicht aufs Spiel setzen. Er steht vor wegweisenden Jahren in seiner immer noch jungen Karriere und will vermeiden, dass aus ihm ein "ewiges Talent" wird. 


Andererseits sei es schwierig, in die Stammelf aufzurücken. Chelsea steht auf dem ersten Platz in der Tabelle. In den letzten fünf Spielen kassierten die "Blues" nur ein Gegentor. Rüdiger und Luiz haben das Vertrauen von Sarri nicht grundlos erworben. Dessen ist sich auch der Ex-Spieler von Borussia Mönchengladbach bewusst: "Es ist schwierig, in das Team zu gelangen. Wenn wir gute Ergebnisse einfahren so wie jetzt, macht es das schwieriger. Es ist großartig für die Mannschaft, aber für mich persönlich ist es ein harter Saisonstart."


Schon mit 16 Jahren schloss sich Christensen der Nachwuchsabteilung des FC Chelsea an, drei Jahre später debütierte er in der Nationalmannschaft unter Trainer-Legende Morten Olsen. Im gleichen Sommer begann sein Intermezzo als Leihspieler bei Mönchengladbach in der Bundesliga. Schnell stabilisierte der junge Däne die Defensive der "Fohlen". 


Außergewöhnliches Spielverständnis


Seine ruhige Ausstrahlung auf dem Feld, sein gutes Antizipieren und sein Spielverständnis färbten auch auf seine Nebenleute ab. In seiner ersten Spielzeit gelang dem Team sogar der vierte Platz und damit die Qualifikation für die Champions League. 2017 lief das Leihgeschäft aus. Beide Vereine und der Spieler hatten profitiert: Gladbach, weil Christensen die Mannschaft besser machte. Christensen, der sich auf hohem Niveau entwickelte. Und der FC Chelsea, dem Christensens Fortschritte in der Saison 2017/2018 zu gute kamen.


Sollte Christensen beim FC Chelsea weiterhin auf der Bank schmoren, müssten sich beide Partner spätestens in der Winterpause Gedanken machen, ob die Zusammenarbeit noch eine Zukunft hat. Wenn Jerome Boateng demnächst womöglich doch noch den ​FC Bayern München verlässt, könnte der deutsche Rekordmeister auch auf den Namen Christensen stoßen. Uli Hoeneß sollte den bundesligaerprobten Abwehrspieler unter diesen Umständen zumindest in Erwägung ziehen.