Nach der ​0:3-Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach ist beim ​FC Bayern Krisenstimmung angesagt. An der Säbener Straße wartet man mittlerweile seit vier Spielen auf einen Sieg. Sky-Experte Didi Hamann nahm die Münchener nun öffentlich in die Mangel.

„Ich habe die Befürchtung, dass die Mannschaft charakterlich nicht zusammenpasst“, betonte der 45-Jährige. „Einige ziehen das eigene Wohl dem Gesamtwohl vor. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass einige Spieler in den letzten Wochen bei der Vereinsführung waren und gesagt haben: Wir machen zu wenig Taktik, zu viel Rotation, wir trainieren zu hart oder zu wenig – die Spieler finden ja immer Ausreden.“

Hamann weiter: „Alles, was ich von der fehlenden Spielidee jetzt höre, sind Alibis. Wenn solche Dinge an die Presse getragen werden, ist das meist der Anfang vom Ende!“ Knallharte Worte des ehemaligen Müncheners, der immerhin neun Jahre für die Bayern aktiv war und die immer wiederkehrenden Mechanismen beim Rekordmeister dementsprechend bestens kennt.

FUSSBALL: 1. BUNDESLIGA 97/98 06.08.97

Für den FC Bayern absolvierte Didi Hamann insgesamt 143 Pflichtspiele


​„Das war zu meiner Zeit vor 20 Jahren nicht anders. Da gab es einige, denen hat der Trainer nicht gepasst, dann sind sie ins Büro von den Oberen gelaufen und haben gesagt: Der Trainer kann nichts, das machen wir nicht, sein Deutsch ist zu schlecht, oder wir machen keine Taktik. Dann haben die Spieler Gehör gefunden."


"Ich vermute, dass so etwas Ähnliches dieses Jahr passiert ist. Leute aus der Mannschaft müssen von den Oberen Gehör gefunden haben. Damit untergräbst du den Trainer, weil so einen Bruch innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen gibt es sonst nicht“, so Hamann, der damit das Kind beim Namen nannte.

„Wirst eine Situation kreieren, die den FC Bayern untrainierbar macht

„Das war bei Ancelotti dasselbe, vor zwanzig Jahren bei Rehhagel oder Trapattoni dasselbe, und das ist heute dasselbe. Solange die Vereinsführung den Spielern Gehör schenkt und sie nicht zum Trainer schickt, wirst du eine Situation kreieren, die den FC Bayern untrainierbar macht.“

Noch haben die Bayern mit ​Niko Kovac allerdings einen Trainer, der es nach wie vor selber in der Hand hat, das Ruder herumzureißen. Die nächste Gelegenheit, die sportliche Krise an der Säbener Straße zu beenden, bietet sich dem Kroaten am Samstag in einer Woche. Dann ist der Rekordmeister nämlich auswärts beim VfL Wolfsburg gefordert.