Aktuell ist der ​FC Bayern München seit drei Spielen sieglos - doch für Stefan Effenberg hat diese Serie herzlich wenig Bedeutung. Der ehemalige Kapitän des Rekordmeisters rechnet in diesem Jahr erneut mit dem Meistertitel, sieht aber einige Probleme für die Zukunft und spricht in seiner ​t-online Kolumne daher von einem "großen Umbruch", der bald auf die Münchner zukommt. 


Bereits in der vergangenen Saison lag der FC Bayern zu Beginn hinter Borussia Dortmund, doch nach der Entlassung von Carlo Ancelotti und der Rückkehr von Jupp Heynckes wendete sich das Blatt. Zum sechsten Mal in Serie ging die Meisterschale an die Säbener Straße, und auch jetzt glaubt Effenberg wieder: "Am Ende der Saison wird die Spannung wieder weg sein."


Der 50-Jährige geht zwar nicht von einem Einbruch des BVB unter Lucien Favre aus, doch es müsse bei den Bayern "völlig drunter und drüber gehen", damit sich eine andere Mannschaft am Ende zum Meister küren könne. "Das glaube ich am Ende nicht", so Effenberg, der allerdings einige Probleme sieht - sowohl neben, als auch auf dem Feld.


Streitpunkt James Rodriguez


Zum einen kritisiert er mangelnde Alternativen bezüglich der Spielidee. "Was mir Sorgen macht, ist die Art und Weise, wie der FC Bayern derzeit auftritt. Wenn er über die Außen kein Tempo reinbekommt, dann ist das zu statisch, durchschaubar und dünn. Man braucht schon einen Plan B – und der sollte mit Kreativität zu tun haben. Einer, der die versprüht, sitzt auf der Bank: James."

​Der Kolumbianer ist unter Niko Kovac die meiste Zeit außen vor, 
​seine Unzufriedenheit ist ein offenes Geheimnis. Dabei sei die Leihgabe von Real Madrid der Spieler, den die Mannschaft jetzt benötige: "Der hat das Auge und kann tödliche Pässe spielen. Ich finde deshalb: Der FC Bayern beraubt sich gerade selbst seiner stärksten Waffen", macht Effenberg deutlich.

FC Bayern Muenchen v Ajax - UEFA Champions League Group E

Stand jetzt hat James Rodriguez seinen Stammplatz beim FC Bayern verloren




Zugleich kritisiert er den noch immer mangelnden Ersatz für Franck Ribéry und Arjen Robben. Zwar stehen mit Kingsley Coman und Serge Gnabry zwei hoffnungsvolle Spieler für die Zukunft bereit. Allerdings fehlt Coman aufgrund eines Syndesmosebandrisses, während Gnabry "noch nicht da" sei, "wo er sich vielleicht auch selbst sieht." 


Die regelmäßige Auswechslung der Altstars sei "verständlich, wenn dahinter je ein Spieler auf Augenhöhe wäre, dem die Zukunft gehören würde." Doch in den Augen des 'Tigers' sei dies "nicht gegeben", weshalb er glaubt: "Das könnte in naher Zukunft für Ärger sorgen." Stattdessen würde er die ewige Flügelzange des FC Bayern "immer spielen lassen" - zumindest, bis sie nicht mehr können.


Rückendeckung für Kovac - Warnung vor Umbruch


Bereits vor einigen Wochen habe er davor gewarnt, dass Kovac nicht allzu viel rotieren solle. Jetzt appelliert Effenberg, der 46-Jährige solle "nach der Länderspielpause nicht mehr rotieren." Die Kritik am Trainer kann er währenddessen nicht nachvollziehen: "Man sollte nicht alles negativ sehen, denn die Bayern haben uns begeistert zu Saisonbeginn. Aber natürlich ist er in der Verantwortung, etwas zu tun. Es ist eine sehr schwierige Situation für Niko Kovac, aber auch eine sehr lehrreiche." Er sei überzeugt, dass Kovac die richtigen Schlüsse zieht und einen Weg aus der Mini-Krise findet.

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  Ist jetzt gefordert: Trainer Niko Kovac




Doch während Effenberg an eine 'Jetzt-erst-recht-Einstellung' der Mannschaft glaubt, sieht er mittelfristig einen noch größeren Umbruch auf den Verein zukommen, als man noch vor einiger Zeit dachte. Neben Ribéry und Robben gebe es mit Robert Lewandowski, den Innenverteidigern Jerome Boateng und Mats Hummels sowie Torhüter Manuel Neuer insgesamt sechs Spieler, deren Leistungen in Zukunft abbauen würden. "Die werden in den nächsten ein, zwei Jahren nicht mehr diese absolute Top-Leistung bringen, weshalb sich Bayern vielleicht schon im Laufe dieser Saison nach Alternativen umschauen muss", warnt Effenberg. 


"Das kann und muss ein sehr großer Umbruch werden. Sonst haben in den nächsten Jahren einige Mannschaften in der Bundesliga die Chance, Deutscher Meister zu werden", führt er fort. Doch nicht ohne Grund hielten sich die Verantwortlichen in der aktuellen Transferperiode zurück. ​Wie Uli Hoeneß unlängst erklärte, wolle man künftig den ein oder anderen kostspieligeren Transfer tätigen - sofern er Sinn macht. Doch speziell auf den Außenbahnen herrscht Handlungsbedarf, weshalb der Sommer 2019 ein spannender werden dürfte.