FC Bayern: 6 Erkenntnisse nach dem Remis gegen Ajax Amsterdam

Der FC Bayern München ist beim 1:1 gegen Ajax Amsterdam mit einem blauen Auge davongekommen. Am Ende musste der Rekordmeister sogar froh sein, nicht verloren zu haben. Momentan hapert es offensiv wie defensiv. Was sind die Erkenntnisse nach dem Unentschieden in der Champions League?

1. Bayerns Balldominanz war nicht existent

Eigentlich war der Auftakt am Dienstagabend wie gemalt. Mats Hummels köpfte den Ball in der vierten Minute nach einer Flanke von Arjen Robben in die Maschen. Auch in den folgenden zehn Minuten überzeugte der FC Bayern mit gefälligem Spiel nach vorne und durch Angriffspressing angefangen bei Lewandowski, Müller und Robben.


Doch wie, als wenn jemand den Stecker zog, war plötzlich der Offensivdrang gestoppt. Nach einem Ballverlust von Boateng in der 17. Minute kam Ajax erstmals gefährlich vors Tor. Amsterdam agierte von nun an offensiver, Bayern schaffte es überhaupt nicht, sein typisch dominantes Spiel aufzuziehen, wie sie es auch in dieser Saison unter Niko Kovac bereits gezeigt haben.


Nach dem Remis äußerte sich der kroatische Trainer kritisch: "Wir haben bis auf die ersten 15 Minuten, in denen wir es gut gemacht haben und auch in Führung gegangen sind, sehr fahrlässig gespielt und wenige Zweikämpfe gewonnen. Jeder zweite Ball war beim Gegner. In den Umschaltsituationen haben wir nicht richtig agiert und ganz einfach zu viele Fehlpässe gespielt", bilanzierte Kovac. Man wollte zu viel zu schnell, dadurch hätte man den Gegner aufgebaut und an Selbstvertrauen verloren. 

2. Fahrige Innenverteidigung

Jerome Boateng passte immer wieder den Ball zum Gegenspieler. Bei den langen Bällen strauchelte der 30-Jährige viel weniger als bei kurzen Flachpässen. Man merkt, dass der deutsche Nationalspieler derzeit mit sich selbst beschäftigt und von Normalform weit entfernt ist. In der 17. Minute ließ er Dusan Tadic freistehend zum Schuss kommen. 


Beim Gegentor durch Mazraoui herrschte Unordnung in der Bayern-Abwehr. Der Torschütze konnte locker einen Doppelpass mit dem spielfreudigen Tadic spielen. Hummels zog unglücklicherweise auf die linke Seite von Alaba, welcher im Zentrum Mazraoui übernehmen musste. Die Zuordnung stimmte hier überhaupt nicht. Ein kompakter Abwehrriegel sieht anders aus. 


In der 47. Minute wäre Ajax Amsterdam beinahe in Führung gegangen, weil Hummels einen Ausflug in die gegnerische Hälfte unternahm und dort den Ball verlor. Ajax konterte schnell, Kimmich musste daher im Zentrum gegen Ziyech aushelfen. Selbst Boateng kam zu spät in den Strafraum. Bayern hatte Glück, dass Tadic den Ball nicht perfekt traf. 


3. Formschwacher Müller

Thomas Müller hatte nicht seinen besten Abend im Bayern-Dress. Zwar war sein Laufweg vor dem 1:0 Gold wert, da sich so die Lücke für den Torschützen Hummels auftat. Dennoch spielte er insgesamt unterdurchschnittlich. In der 19. Minute traf er in Strafraum-Nähe den Ball nicht perfekt und vergab ziemlich kläglich. Abspielfehler prägten seine Leistung. Auch wenn der 29-Jährige noch nie der große Techniker war, sein schludriges Verhalten mit dem Ball am Fuß war schon auffällig. Müller muss sich in den kommenden Wochen deutlich steigern, wenn er seinen Stammplatz behalten will. 


Nach dem Spiel äußerte sich Müller kritisch über die Leistung des Teams. "Wir haben sehr gut angefangen, dann haben wir Ajax zu viel ins Spiel kommen lassen. Sie sind in ihren Rhythmus gekommen. Wir haben es nicht geschafft, uns festzuspielen. Wir kommen dann nicht mehr ins Gegenpressing. Außerdem gab er zu, dass eine leichte Verunsicherung da war. "Wir haben, als Ajax das Ruder übernommen hat, den Druck verspürt. Und nicht mehr ganz so Fußball mit Spaß gespielt, so wie Ajax das zweitweise ausgestrahlt hat", so Müller (via Goal).

4. Comans Ausfall wiegt schwer

Seit er sich am ersten Bundesligaspieltag gegen Hoffenheim verletzt hat, fällt Kingsley Coman aus. Auch in den kommenden Monaten wird der FC Bayern ohne den dribbelstarken Flügelstürmer auskommen müssen. Im gestrigen Spiel wurde deutlich, wie schwer der Ausfall des Franzosen wiegt. Die beiden Außenbahnspieler Robben und Ribery hatten mit Ausnahme der ersten 15 Minuten fast keine Offensivaktionen. Comans Qualität, über die Grundlinie zu kommen und scharfe Hereingaben ins Zentrum zu liefern, fehlte den Bayern. 


Ribery zog einmal gefährlich in die Mitte, doch die letzte Konsequenz ließ der 35-Jährige ebenso wie sein Pendant Robben vermissen, der schon in der 63. Minute ausgewechselt wurde. Nach der Partie fiel das Fazit des Niederländers negativ aus: "Wir wollten so wie Ajax spielen. Ajax hat gut gespielt und wir sind nicht gut genug. Es sah so aus, als wären wir immer zu spät gewesen." Trotzdem richtet er den Blick nach vorne. Es sei nicht das Bayern München, das man wolle. "Wir müssen auf jeden Fall am Samstag gewinnen - egal wie", forderte Robben. Am Wochenende empfängt der deutsche Meister den aktuellen Bundesliga-Vierten Borussia Mönchengladbach. 

5. Neuer war der beste Spieler

Der beste Münchner auf dem Rasen war kein Feldspieler, sondern Torhüter Manuel Neuer.  Seine Paraden beim Vollspanschuss von Hakim Ziyech (45.) und beim Freistoß von Lasse Schöne (90.+2), den er gerade noch so an die Latte lenkte, waren Weltklasse. Seinen Patzer gegen den FC Augsburg scheint der 32-Jährige verdaut zu haben. Für den Kapitän war es das erste Champions-League-Heimspiel seit einem Jahr. 

6. Basics sind gefragt

"Wenn jeder mit einem Prozentpunkt weniger arbeitet, ist das in der Summe ziemlich viel", sagte Niko Kovac. Tatsächlich liefen die meisten Bayern-Spieler gegen Amsterdam ihrem gewohnten Niveau hinterher. Aber nicht nur beim Ballbesitzspiel habe man Verbesserungsbedarf, auch bei grundlegenden Tugenden des Fußballs: Nur mit "Fußball und Ballbesitz" werde man es allerdings immer schwer haben, mahnte Kovac: "Es geht um die Basics, und die Basics sind Anlaufen, Ansprinten, Zweikampfverhalten."


Bis auf die Anfangsviertelstunde ließen die Bayern die Gäste agieren. Mehr Druck beim Anlaufen, vor allem aus dem Mittelfeld, hätte es Amsterdam deutlich schwerer gemacht. Auch Ajax-Coach Erik ten Haag, einst Trainer der Bayern-Amateure, zeigte sich ob des Punktgewinns überrascht: "Es ist keine normale Sache, dass Mannschaften hier aus München einen Punkt mitnehmen."