Im Juli wechselte Cristiano Ronaldo von ​Real Madrid zu ​Juventus Turin. Die Ablösesumme soll etwa 117 Millionen Euro betragen haben, sein Vertrag bei der „Alten Dame“ läuft nun bis 2022. Ronaldos Wechsel war einer der überraschendsten dieses Jahres, denn vor allem über die Motive herrschte Unklarheit. Real Madrid konnte mit Ronaldo zuletzt drei Mal in Folge die Champions League gewinnen, er war der unangefochtene Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Nun berichtet die zweitgrößte spanische Tageszeitung El Mundo, die wahren Gründe für Ronaldos plötzlichen Abgang nach Italien zu kennen.


Dreimaliger Champions-League-Sieger, amtierender Europameister, fünfmaliger Weltfußballer. Dies sind nur Auszüge seiner imposanten Bilanz, die klar machen, was ihn auszeichnet. Auch bei seinem Verein Real Madrid war „CR7“ klarer Leistungsträger: In 438 Spielen schoss er 450 Tore und bereitete 131 weitere Treffer vor. ​Nicht nur deswegen gilt sein plötzlicher Transfer zu Juventus Turin im Sommer als Sensation. Für die „Alte Dame“ macht er aktuell da weiter, wo er bei Real aufgehört hat: Ronaldo steht nach sieben Spielen bei acht Torbeteiligungen.


Über die Gründe für den Wechsel - der die Fußballwelt überraschte - konnte nur spekuliert werden. Die spanische Zeitung El Mundo behauptet nun, die eigentlichen Gründe für den spektakulärsten Wechsel der jüngsten Transferperiode zu kennen. Dies bricht sie auf drei zentrale Punkte herunter: Steuern, Gehalt und Eitelkeit.


El Mundo berichtete bereits im Juli, dass Ronaldo in Italien statt der üblichen 45% lediglich 20% seines Bruttogehalts an Steuerabgaben tätigen müsse. In Spanien drohte ihm zuletzt noch eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung. 


Ronaldo wird dahingehend zitiert, dass er keinerlei Risiken eingehen wolle; außer Fußball spielen habe er nichts gelernt. Daher habe er sich auf Real Madrid verlassen. Doch in der Causa habe sich der Portugiese von seinem damaligen Verein nicht hinreichend unterstützt gefühlt, schreibt El Mundo. ​Er musste schließlich fast 20 Millionen Euro Strafe zahlen. Trotz eines Vermögens von mutmaßlich über 340 Millionen Euro soll Ronaldo unzufrieden mit der Strafe gewesen sein.



Dieses Argument sei auch eng mit Ronaldos Gehaltswünschen verknüpft. Denn wie die Zeitung weiter berichtet, soll Ronaldo auch aus Unzufriedenheit über sein Salär nach Turin gegangen sein. Wegen der als zu hoch empfundene Strafe fragte der 33-Jährige wegen einer Gehaltserhöhung an, soll aber auf taube Ohren gestoßen sein. Besonders im Bezug auf die Verurteilung distanzierte sich der Club von seinem Spieler und sei daher auch finanziell nicht gesprächsbereit gewesen. 


Zudem schreibt El Mundo, dass Ronaldo im Vergleich mit den hoch bezahlten Fußballikonen Neymar und Lionel Messi aufschließen wollte. Ronaldo habe laut des Medienberichts das doppelte seines bisherigen Gehalts verdienen wollen, denn sein Anspruch sei es gewesen, der am besten verdienende Fußballprofi zu sein. Bei Juventus verdient Ronaldo nun kolportierte 30 Millionen Euro jährlich – exklusive Einnahmen aus Werbeverträgen.


Als dritten Grund führt El Mundo die Eitelkeit des Superstars an. Die Fans hätten Ronaldo aus seiner Sicht immer in den Schatten von Vereinslegende Alfredo Di Stefano gestellt. Die zweite Geige habe ihm nicht gereicht, er soll gesagt haben: „Ich weiß nicht, was ich noch tun soll.“ Die folgerichtige Konsequenz daraus sei laut des Berichts der Wechsel gewesen.


Neben Juventus Turin hätten auch ​Manchester United, Paris Saint-Germain und der ​AC Milan Interesse an der Verpflichtung Ronaldos gehabt, der sich schließlich im Juli mit den Italienern einigen konnte. 


Ronaldos früherer Club Manchester United sei laut El Mundo nicht bereit gewesen, eine an 100 Millionen Euro gehende Ablöse zu zahlen, sodass es nicht zu einem Wiedersehen von José Mourinho und CR7 gekommen ist. Der AC Milan sei für Ronaldo nicht in Frage gekommen, da sich die Mannschaft noch in der Entwicklung befände. PSG wiederum habe vorgehabt, erst am letzten Tag des Transferfensters in Gespräche einzusteigen, sodass die Einigung mit "Juve" bereits früher erzielt wurde.

Juventus v Real Madrid - UEFA Champions League Quarter Final Leg One

Stehende Ovationen der Juve-Fans für das Fallrückziehertor von Cristiano Ronaldo gegen Juventus Turin, damals noch in Diensten Real Madrids


​Ronaldo selbst hat sich bei seiner Vorstellung bei seinem neuen Verein ebenfalls zu seinen Motiven für den Wechsel geäußert. Dabei verzichtete er auf die Themen Geld, Steuern und Eitelkeit und sprach sich stattdessen für Juventus Turin und deren sportliche Ambitionen aus: „Für mich ist Juventus einer der besten Clubs der Welt. Ich habe mir die Entscheidung gut überlegt.“ Er erklärte weiter: „Ich mag Juventus, weil sie ein hervorragend strukturierter Club sind“, und dass er sich auf die Zusammenarbeit mit Trainer Massimiliano Allegri freue.


Ein weiterer Grund könnte die Reaktion auf sein Fallrückziehertor gegen die „Alte Dame“ sein, bei dem er von den Juventus-Fans in Turin mit stehenden Ovationen bedacht wurde. „Das waren sehr emotionale Momente, die mir zeigen, dass ich hier sehr willkommen bin“, sagte Ronaldo mit einem Lächeln. Dies sind neben anderen möglichen Wechselmotiven in jedem Fall Gesten, die dem umstrittenen Stürmer schmeicheln dürften.