Der amtierende Vizemeister steht nach fünf Bundesligaspielen mit null Punkten auf Tabellenplatz 18. Wir nähern uns dem Thema in unserem heutigen Beitrag von der statistischen Seite und werten einen Teil der Daten der Saison 2017/2018 und 2018/2019 aus.


Die Macht des 1-0


Wirft man einen Blick auf die Spielverläufe aller 34 Partien der vergangenen Spielzeit von ​Schalke 04, so zeichnet sich folgendes Bild ab: Schalke hat in 24 Partien den ersten Treffer des Spiels erzielt. Davon konnten 17 Matches siegreich beendet werden. Fünf Spiele gingen dabei unentschieden aus und zwei Partien wurden am Ende noch verloren. Dies waren die Spiele in der Rückrunde gegen den SV Werder Bremen (1:2) und den Hamburger SV (2:3).


In den übrigen zehn Partien hat jeweils das gegnerische Team den Führungstreffer erzielt. Nur eine Partie konnte Schalke drehen und letztendlich noch als Sieger beenden. Dabei handelte es sich um die Hinrundenpartie gegen Bremen, in der S04 von einem Eigentor von Veljkovic profitiert hatte. Von den restlichen Spielen, in denen der Gegner in Führung gegangen ist, gingen insgesamt fünf verloren, vier endeten remis.


Es wird schnell deutlich, wie sehr Schalke von Führungstreffern profitiert. Besonders in der Rückrunde 17/18 konnten die Knappen in 14 Spielen in Führung gehen und sicherten sich in zehn Partien davon die maximale Punktzahl. Besonders beindruckend war dabei die Phase zwischen dem 23. und 28. Spieltag, in der Schalke sechsmal in Folge gewann und dabei nur am 23. Spieltag gegen die TSG Hoffenheim einen Gegentreffer hinnehmen musste.


Die Schalker Spielanlage, die sich hauptsächlich durch ein 3-5-2 auszeichnete, war insbesondere auf defensive Stabilität und schnelle Umschaltaktionen über das breit besetzte Mittelfeld in die Spitze ausgerichtet. Durch eine Fünferkette gegen den Ball konnte Schalke die Führungstreffer gut verteidigen und 13 der 18 Siege mit einem Resultat von 1:0 oder 2:0 beenden.


Probleme bei eigenem Rückstand waren jedoch die Kehrseite der Medaille. Neun von zehn Spielen, in denen der Gegner in Führung gegangen ist, konnten nicht mehr gewonnen werden - auch wenn im wahnwitzigen Derby gegen den BVB ein 0:4-Rückstand noch gedreht werden konnte und am Ende ein 4:4 auf der Anzeigetafel stand.


In dieser Saison setzt sich das Bild der letzten Saison fort. Fünf Spiele, fünfmal in Rückstand, fünf Niederlagen. Ist Schalke also gar nicht schlechter als letztes Jahr? Leidet man aktuell nur unter einer ungünstigen statistischen Verteilung der Führungs- und Rückstandstore? So einfach ist es sicher nicht. Aber es ist vielleicht ein erster Erklärungsansatz.

Sport-Club Freiburg v FC Schalke 04 - Bundesliga

Immer voller Einsatz: Domenico Tedesco


Wir woll’n euch kämpfen sehen!


Wertet man weitere Daten und Statistiken aus, so kommen interessante Aspekte ans Tageslicht (Quelle aller Daten: whoscored.com). S04 kommt demnach nach rund 21 Zweikämpfen pro Spiel in der Vorsaison aktuell nur auf einen Wert von 14 Zweikämpfen pro Spiel. Spontan lässt dies den Schluss zu, dass Schalke schlechter auf dem Spielfeld positioniert ist und daher nicht mehr in den Umkreis der Gegenspieler kommt, um dort einen Zweikampf zu forcieren. Kämpft Schalke nicht mehr so viel und gut wie im letzten Jahr? Dem entgegen lässt sich jedoch die These aufstellen, dass Schalke diese Saison in allen Spielen in Rückstand geraten ist und so gezwungen war, das Spiel zu machen. Weniger Defensivzweikämpfe können dabei durchaus die Folgen sein.


Die Ecke muss ins Eckige


Elf Tore musste Schalke vergangene Saison nach Standards hinnehmen. Dies entspricht einem Anteil von rund 30% an den gesamten Gegentoren der Schalker. In den fünf Spielen der neuen Spielzeit sind bereits fünf Standardgegentore zu verzeichnen, was einen Wert von 56% ausmacht. Dieser Wert erscheint dieser Saison in der Tat überraschend hoch zu sein, verfügt man doch mit ​Naldo, Sané und Nastasic über drei sehr gute Kopfballspieler.


Fazit


Rein mit statistischen Daten kann man die aktuelle Krise beim FC Schalke sicher nicht erklären, besteht der Fußball doch (zum Glück) aus mehr als Zahlen, Daten und Fakten. Faktoren, wie der Wegfall von Meyer und Goretzka, die noch nicht abgeschlossene Integration der Neuzugängen (insbesondere Uth, Rudy) und Spielpech (wie beim Gegentor gegen Freiburg), kommen oben drauf. Den gegnerischen Mannschaften ist die Macht des 1:0 der Schalker aus dem Vorjahr mit Gewissheit ebenfalls nicht verborgen geblieben und führt gegebenenfalls gerade gegen Schalke zu einer noch höheren Fokussierung auf die Erzielung des ersten Treffers.


Alles in allem sollte auf Schalke weiterhin die Ruhe bewahrt und dem talentierten Tedesco nach wie vor der Rücken gestärkt werden. Er wird mit Sicherheit neue Statistiken finden, um Schalke dort an die Spitze zu führen.