Am Mittwochabend empfängt Borussia Dortmund den 1. FC Nürnberg, doch auch vor dem fünften Spieltag stellen sich noch immer die gleichen Fragen um die Mannschaft. Allen voran der Angriff sorgt für Bedenken, weshalb Trainer Lucien Favre sich erneut die Frage gefallen lassen muss, wer nun in der Spitze beginnt.


Zwar ist es durchaus legitim, zu sagen, dass dieser Punkt aufgrund der allgemeinen Schwächen im Spiel nach vorne nur nebensächlich ist. Doch egal, welche Konstellation Favre bislang ausprobiert hat: Kaum etwas davon hat funktioniert.


Drei Mal begann Maximilian Philipp im Zentrum, zwei Mal Marco Reus. Beim jüngsten 1:1-Remis gegen die TSG Hoffenheim durfte sich Marius Wolf probieren. Auffällig: Als einziger erzielte dabei Reus ein Tor, allerdings in der Verlängerung des DFB-Pokalspiels bei Greuther Fürth.


Die Hoffnungen ruhen noch immer auf Paco Alcacer, doch die Leihgabe des FC Barcelona kommt nicht in Tritt. Der Spanier hatte schon bei seiner Ankunft mit muskulären Problemen zu kämpfen, feierte jedoch einen gelungenen Einstand gegen Eintracht Frankfurt, als er bei seinem ersten Einsatz gleich ein Tor erzielte. Seither fällt er wieder aus - diesmal plagt ihn eine Verletzung am Oberschenkel. Zwar kehrte er am Sonntag ins Mannschaftstraining zurück, doch die Zeit wird knapp, ​und ein Einsatz ist noch immer fraglich

Borussia Dortmund Training Session

        Seit Wochen nicht richtig fit: Paco Alcacer


Maximilian Philipp war bereits Monate vor der Verpflichtung von Alcacer die auserkorene interne Lösung, sollte der BVB keinen neuen Angreifer finden. Doch der 24-Jährige, der in der abgelaufenen Saison neun Tore erzielte, kann seine Stärken derzeit kaum ausspielen. Zwar wurde er in allen Bundesligaspielen eingesetzt, doch ein Tor gelang ihm noch nicht. Ebenso verdeutlichte Marco Reus bereits auf dem Spielfeld, dass er hinter der Spitze oder auf der Außenbahn besser aufgehoben ist. Als Stürmer hingegen lieferte er keine guten Leistungen ab und blieb überwiegend blass.


Die Stürmerfrage - ein Problem der noch schwächelnden Spielweise


Das Problem scheint also kein direktes Stürmer-Problem zu sein. Zwar gäbe es noch die Optionen, Jadon Sancho oder Christian Pulisic als Neuner aufzustellen, doch gerade Letzterer wird auf dem Flügel dringend benötigt. Pulisic ist ein belebendes Element im trägen Dortmunder-Spiel, sorgt für Tempo und Gefahr über Außen. Gut möglich, dass er auch im Zentrum eine Verstärkung wäre, doch gerade weil das Dortmunder-Spiel derzeit noch alles andere als rund läuft, dürfte er auf seiner bisherigen Position bleiben.


Auffällig ist: Wenn die Spieler Platz bekommen, ziehen sie Tempo auf, werden gefährlich und kreieren Torchancen. Doch von sich selbst aus passiert es zu selten, viel mehr muss der Gegner durch individuelle Fehler nachhelfen. Darunter leidet auch der Stürmer im Zentrum, der so kaum in die Nähe des Balls kommt und auch selten im Abschluss zu sehen ist. Spieler wie Reus, Sancho, Pulisic oder Wolf sollten in der Lage sein, das Spiel anzukurbeln, doch bislang gelang dies nur einem von ihnen: Pulisic.


Dies dürfte auch Favre aufgefallen sein, ​der daher gegen Nürnberg voraussichtlich nicht experimentieren wird. Sollte Alcacer ausfallen, könnte die Wahl erneut auf Philipp oder Reus fallen, wobei Ersterer der Favorit wäre. Denn klar ist auch: Wenn jedes Mal ein anderer Spieler im Sturmzentrum beginnt, können die Automatismen auch in einigen Wochen nicht greifen. Die Mannschaft benötigt Zeit, um sich einzuspielen - doch Alcacers Verletzung ist dafür nicht förderlich.