Nächster Akt im Manchester-United-Drama: Genauer gesagt, nächster Akt im Mourinho-Pogba-Konflikt. Nach Pogbas Kritik an der defensiven Spielweise und damit an seinem Trainer, hat José Mourinho offenbar beschlossen, dem Franzosen nicht mehr die Kapitänsbinde geben zu wollen.


​Zehn Zähler nach sechs Spieltagen: Den Saisonstart in der ​Premier League hat sich ​Manchester United mit Sicherheit anders vorgestellt. Die Konkurrenz um Liverpool, Manchester City und Chelsea droht schon früh in der Saison zu enteilen - der erste Meistertitel seit 2013 und damit auch die erste Meisterschaft in der Ära nach Sir Alex Ferguson droht erneut in weite Ferne zu rücken.


Und das obwohl die Zutaten im Old Trafford auf den ersten Blick stimmen müssten. In José Mourinho ist ein Star-Coach am Werk, der die Premier League bereits dreimal gewinnen konnte - wie er selbst nimmer müde wird zu betonen. Seine Mannschaft ist gespickt mit Weltklassespielern, gerade im Offensivbereich. Da wären unter anderem Sturm-Tank Romelu Lukaku oder Alexis Sanches - und natürlich Paul Pogba. 

Manchester United v Wolverhampton Wanderers - Premier League

Mourinho dürfte nach dem schlechten Start mächtig schlechte Laune haben


Der 25-jährige Weltmeister kam vor zwei Jahren für 105 Millionen Euro zurück ins Old Trafford, nachdem ihm in jungen Jahren der Durchbruch bei den Red Devils verwehrt blieb und er den "Umweg" über Juventus Turin nahm. Doch an die Weltklasse-Darbietungen im Juve-Trikot und teils auch im französischen Nationaldress kommt Pogba für United nur selten heran.


Das liegt auch oder für viele sogar hauptsächlich an José Mourinho. Pogba muss im arg defensiven Manchester-Konstrukt oftmals viel Defensivarbeit leisten und leidet an der destruktiven Spielweise des englischen Rekordmeisters. "Park the bus" ist auf der Insel ein geflügelter Ausdruck, will man Manchester United unter José Mourinho beschreiben.


Zu allem Überfluss schien der Portugiese seinem Star-Einkauf nicht immer zu vertrauen, ließ ihn im vergangenen Jahr auch mal auf der Bank oder wechselte ihn zeitig aus. Gestärkt vom WM-Titel kam Pogba allerdings mit viel Selbstvertrauen zurück nach Manchester. Vier Tore und zwei Vorlagen in sieben Partien sind eindrucksvoller Beweis dafür. Die Unstimmigkeiten im Binnenverhältnis zu Mourinho könnten mit eigentlich mit den Toren und Assists weggewischt sein.

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Zum Verzweifeln: die Offensivbemühungen von Manchester United


Sind sie aber nicht - und das, obwohl Pogba die Red Devils in diesem Jahr schon dreimal als Kapitän auf das Feld führte. Denn, zum einen stimmen die Ergebnisse der Mannschaft nicht, und zum anderen scheint Pogba nicht mit der Spielweise seiner Mannschaft, und damit mit der Ausrichtung seines Trainers, zufrieden zu sein. Nach dem mageren 1:1-Remis am Samstag gegen die Wolverhampton Wanderers ​erklärte er öffentlich: "Ich bin nicht der Trainer, ich kann das eigentlich nicht sagen, aber wir brauchen offenbar eine andere Spielweise."


Rumms, die Kritik hatte offenbar gesessen. Auch wenn Pogba am Montag twitterte, manche Leute würden sogar bei einem "Guten Morgen" versuchen, Drama zu kreieren. Alles sei bloß falsch interpretiert worden.

Glaubt man einem Bericht von ESPNFC, wurden die Pogba-Aussagen auch von seinem Chef missverstanden. Der soll nämlich laut Quellen des TV-Senders beschlossen haben, dass Pogba sein Team nie mehr als Kapitän anführen wird. Diesen Entschluss habe er der Mannschaft am Dienstag vor dem Ligapokalspiel gegen Derby County (21 Uhr) mitgeteilt, will die ungenannte Quelle erfahren haben.

Mourinho wolle damit untermauern, wer der Chef ist, heißt es weiter. Wie glaubhaft das Ganze ist, sei dahingestellt. Wirklich überraschen sollte es bei José Mourinho nicht - vor allem, wenn der launische Star-Coach angezählt ist.