​Borussia Dortmund bleibt weiterhin ungeschlagen. Die Mannschaft von Lucien Favre erarbeitete sich gegen die TSG Hoffenheim ein 1:1-Unentschieden, war dabei allerdings über weite Strecken die unterlegene Mannschaft. Am meisten sorgte jedoch der Platzverweis gegen Abwehrchef Abdou Diallo für Aufregung. Mannschaftskapitän Marco Reus fand nach der Partie klare Worte.


Bei dieser Entscheidung gab Schiedsrichter Harm Osmers gewiss eine unglückliche Figur ab. In der 75. Minute landete ein langer Schlag aus der Hälfte der Gastgeber bei Andrej Kramaric und Abdou Diallo, die sich gut 30 Meter vor dem Tor von Roman Bürki ein Laufduell lieferten. Im weiteren Verlauf hakten beide Akteure gegenseitig ein, wobei Diallo den Ball schlussendlich in Richtung Bürki köpfte. Danach ging Kramaric nach leichtem Kontakt zu Boden - für viele nicht einmal ein Foulspiel. 


Doch zum Entsetzen des Innenverteidigers sowie der Verantwortlichen auf der Bank entschied der Referee nicht nur auf Freistoß für die TSG, sondern zugleich noch auf Rot für Diallo. "Nach der Roten Karte haben viele gedacht, es sei vorbei", sagte Lucien Favre laut ​kicker nach der Partie.

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     Die Rote Karte gegen Abdou Diallo (ganz links) sorgte auf Seiten der Dortmunder für großes Unverständnis


Grund zu dieser Annahme gab es allemal. Kurz vor der Halbzeitpause brachte Joelinton die Gastgeber in Führung, nach dem Seitenwechsel kamen zwei irreguläre Treffer hinzu, die jedoch korrekterweise nicht gegeben wurden. Offensiv bot der BVB wenig, die Hoffenheimer hingegen versäumten es, den Deckel vorzeitig drauf zu machen.


Im Fußball rächt sich eine schwache Chancenverwertung häufig - so auch am gestrigen Nachmittag. Ein Spielzug über Marcel Schmelzer und Marco Reus reichte aus, um Christian Pulisic in der 84. Minute in Szene zu setzen. Der US-Amerikaner musste lediglich einschieben, weshalb der BVB letztlich einen glücklichen Punkt einfuhr, während Julian Nagelsmann nach dem späten Ausgleich von Schachtar Donezk in der Champions League und der Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf erneut einen schmerzhaften Punktverlust erleiden musste.


Reus wertet die Szene "auf keinen Fall" als Platzverweis


Trotz der abgewendeten Niederlage staute sich bei Reus aufgrund dees Platzverweises Wut im Bauch an. "Wenn das Rot ist, weiß ich auch nicht", sagte der Kapitän nach der Partie gegenüber Sky (via kicker).  "Jeder im Stadion hat gesehen, dass das keine Rote Karte war. Er geht zum Ball, beide arbeiten mit den Armen. Das war auf keinen Fall ein Platzverweis." 

Für doppelten Ärger sorgte, dass der zuständige Video-Assistent in Köln nicht eingriff, sondern diese Szene als keine klare Fehlentscheidung wertete und die Rote Karte somit im Rahmen des Ermessungsspielraumes des Hauptschiedsrichters gelten ließ. Reus urteilte jedoch anders: "Ich sage ja sonst nie etwas dazu, aber da muss er sich natürlich einschalten."


Auf der anderen Seite war der Platzverweis so etwas wie ein Dosenöffner. "Komischerweise" habe man sich plötzlich "mehr zugetraut" und angefangen, "mehr Fußball" zu spielen. Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am kommenden Mittwoch (20:30 Uhr) dürfte die Schlussphase noch einmal zusätzlichen Mut verleihen, doch klar ist: Künftig sollte Borussia Dortmund schon eher den Vorwärtsgang einschalten.