In seiner Karriere hat Marc Bartra so einiges erlebt. Der spanische Innenverteidiger schaffte einst den Durchbruch beim FC Barcelona, wechselte dann jedoch zu ​Borussia Dortmund, wo seine eigentlich erfolgreiche Saison vom Anschlag auf den Mannschaftsbus im April vergangenen Jahres überschattet wurde. Mittlerweile läuft der 27-Jährige für Betis Sevilla auf und schrieb nun auf der Online-Plattform The Players Tribune über seinen Werdegang, der schon in frühen Jahren Höhen und Tiefen zu verzeichnen hatte.


Als Sohn eines ehemaligen Fußballers, der immerhin in der dritten spanischen Liga spielte, wuchs Marc Bartra gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Éric in einem kleinen Dorf namens Sant Jaume dels Domenys auf. Gemeinsam mit seinem Bruder träumte er von einer Karriere als Fußball-Profi, wobei beide einen ähnlichen Erfolg schaffen wollten wie Frank und Ronald de Boer, die beide im Sommer 1999 von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona wechselten.


Daher schlossen sich die beiden Zwillinge im Alter von acht Jahren der Jugendakademie von Espanyol Barcelona an, eh es zwei Jahre später zum FC Barcelona ging. Doch neben der 75 Kilometer langen Taxifahrt, welche täglich hin und zurück überwunden werden musste, und dem zusätzlichen Druck in der Schule war das Leben als Nachwuchsspieler von 'Barca' ohnehin schon schwierig - mit einem Bruder jedoch noch schwerer.


"Er war der schlauere in der Schule, ein echter Denker. Ich war impulsiver und derjenige, der in Dinge hineingetaucht ist. Wir haben uns oft gestritten." Bartra spricht von "Neid", da beide unterschiedliche Fähigkeiten gehabt hätten. Die einst "gesunde Rivalität" drohte, immer verbitterter zu werden und endete darin, dass ein Jugendkoordinator der Bartra-Familie in einem Gespräch mitteilte, dass einer der beiden Söhne keine Zukunft mehr haben würde - in diesem Fall Éric.

FBL-ESP-LIGA-BARCELONA-TRAINING

     Oktober 2013: Schon längst war Marc Bartra Teil der ersten Mannschaft, spielte allerdings nicht regelmäßig


Für Marc ging der Traum stattdessen weiter, obwohl dieser nicht immer einem Traum glich. "Es gibt Trainer, die dich wie Adler beobachten. Sie bemerken jedes Detail: Hat das Kind das Temperament, um es zu schaffen? Wie ist sein Tempo? Kann er den Ball mit seinem schwächeren Fuß kontrollieren? Wenn du einen Fehler machst, kannst du spüren, wie die Trainer und Koordinatoren Sachen auf ihr Notizbuch kritzeln."


Dennoch ging er einige Jahre später in die berüchtigte 'La Masia', die einst hoch gepriesene Fußballschule des FC Barcelona. Bartra ließ alles hinter sich, lief vor neun Jahren erstmals für die erste Mannschaft auf, erreichte im Alter von 19 Jahren den Durchbruch und wurde in der Saison 2013/14 erstmals Nationalspieler.


"Neues Abenteuer" in Dortmund - Tiefpunkt vor der Partie gegen AS Monaco


Doch vor zwei Jahren spürte er den Drang nach Veränderung. Er habe sich weiterentwickeln wollen und festgestellt, dass er, um glücklich zu sein, wechseln müsse. Nach all den Jahren war allerdings nicht viel Wehmut dabei: "Ich wusste, dass das neue Abenteuer bei Borussia Dortmund auf mich wartet. Ich wusste, dass ich dem Klub alles gegeben habe. Und ich wusste, wie sehr ich es genossen habe, ein Teil dieser Mannschaft zu sein und viele Titel zu gewinnen."

Borussia Dortmund - Team Presentation

  Von Rot-Blau zu Schwarz-Gelb: Im Sommer 2016 folgte der erste Schnitt in Marc Bartras Karriere


Für acht Millionen Euro schloss er sich Borussia Dortmund an, stand regelmäßig in der Startelf und begann, sich auch international durchzusetzen. "Ich habe gut gespielt, bin gewachsen, habe mich entwickelt und unsere Mannschaft hat das Champions-League-Viertelfinale gegen Monaco erreicht." Doch vor dem Hinspiel gegen die Monegassen erlebte er kurz nach der Abfahrt vom Mannschaftshotel das berüchtigte Attentat auf den Mannschaftsbus des BVB, wobei Bartra als einziger verletzt wurde. "Ein Teil flog durch das Fenster, traf mein rechtes Handgelenk und beschädigte den Knochen so sehr, dass ich zu einer Operation ins Krankenhaus eilen musste."


Nur einen Monat später erlebte er das 4:3 über Werder Bremen am 34. Spieltag auf dem Platz, auch beim Pokal-Triumph gegen Eintracht Frankfurt baute Thomas Tuchel wieder auf ihn. "Ich habe realisiert, dass ich es innerhalb von sechs Wochen vom Krankenhausbett zum Podium geschafft habe. Es war das Comeback meines Lebens", schreibt Bartra. "Als ich den Pokal in die Höhe gestemmt habe, habe ich es mit so viel Stolz getan, dass ich das Gefühl hatte, ich würde explodieren."


Doch im Januar dieses Jahres folgte die Rückkehr in seine Heimat, zu belastet war die Situation in Dortmund. Er sei stolz auf seine Karriere und schätze sich glücklich darüber, für Barca, den BVB und nun für Real Betis Sevilla gespielt zu haben. Er wisse vor allem durch das Schicksal seines Bruders, wie schnell einem solch ein Traum entrissen werden kann, weshalb er sein Leben wertschätzt. Éric hingegen ist mittlerweile als Jugendkoordinator tätig, scheint mit dieser Tätigkeit allerdings auch einen gewissen Traum erfüllt zu haben.