Sich beim ​FC Bayern München durchzusetzen, ist schon seit Jahrzehnten alles andere als eine leichte Aufgabe. Als Stürmer hat man es derzeit jedoch noch einmal schwieriger, da der Rekordmeister mit Robert Lewandowski einen der treffsichersten Angreifer Europas in den eigenen Reihen hat. Für Sandro Wagner, der im Winter ohnehin lediglich als Backup für Lewandowski verpflichtet wurde, bleibt daher nur ein Platz auf der Bank. Dennoch erhält er ein Lob vom Trainer.


Schon einmal probierte Sandro Wagner sein Glück in München. Der 30-jährige Ex-Nationalspieler wechselte im Jahr 1995 in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern München, gut zwölf Jahre später folgte sein Debüt bei den Profis. Beim 3:0-Sieg über Hansa Rostock am ersten Spieltag der Saison 2007/08, in der die Münchner letztlich das Double holten, wurde er für den damaligen Neuzugang Miroslav Klose eingewechselt, bekam so von Trainer Ottmar Hitzfeld nach seinen Auftritten im Ligapokal den ersten Kurzeinsatz in der Bundesliga geschenkt.

FT Gern v Bayern Munich

   Deutlich jünger: Sandro Wagner vor elf Jahren


​Doch nach dem sechsten Spieltag wurde der damals 19-Jährige in die zweite Mannschaft beordert, zu groß war die Konkurrenz im Sturm um Klose, Lukas Podolski und Luca Toni. Nach den mehr oder weniger erfolgreichen Stationen MSV Duisburg, Werder Bremen, dem 1. FC Kaiserslautern oder Hertha BSC folgte vor drei Jahren der Durchbruch.


Durchbruch in Darmstadt - Rückkehr nach München


Beim SV Darmstadt erhielt Wagner seine letzte Gelegenheit, sich in der Beletage des deutschen Fußballs durchzusetzen - und überzeugte. Nach 15 Toren in 34 Spielen folgte der Wechsel zur TSG Hoffenheim, wo er sich ebenfalls einen Stammplatz erspielte und in 50 Einsätzen 18 Mal zum Jubel ansetzen durfte. 

Eintracht Frankfurt v SV Darmstadt 98 - Bundesliga

  Torjäger vom Dienst: Fast im Alleingang sicherte Wagner (l.) dem SV Darmstadt in der Saison 2015/16 den Klassenerhalt


Zum Jahreswechsel suchten die Verantwortlichen des FC Bayern einen Backup für Robert Lewandowski, nachdem der Stürmer im Oktober beklagte, nicht jedes der vielen Spiele über die volle Distanz absolvieren zu können. ​Daher erfolgte kurz vor Jahresende die Rückkehr, insgesamt 13 Millionen Euro flossen an die TSG. In 18 Einsätzen traf Wagner neun Mal, stellte seine Qualitäten unter Beweis und brachte sich somit auch für einen Platz im WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft ins Gespräch. 


Doch aktuell sieht die Lage wieder ein wenig trister aus, was allerdings nicht an Wagner selbst liegt. Lediglich einen Kurzeinsatz konnte er bislang dank der Partie im Supercup gegen Eintracht Frankfurt verzeichnen, ansonsten muss er sich bislang klar hinter Lewandowski anstellen.


Der polnische Nationalspieler erhält das volle Vertrauen von Trainer Niko Kovac, der ihn von einem Verbleib in München überzeugen konnte. Mit sieben Toren in sechs Einsätzen zahlt Lewandowski derzeit alles zurück, weshalb er auch im Spitzenspiel gegen den FC Schalke am Samstagabend (18:30 Uhr) in der Startformation stehen wird. "Lewy", wie Kovac seinen Torjäger nennt, "macht das einfach gut aktuell. Da ist es schwierig für Sandro", offenbarte der 46-Jährige laut Sport Bild auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen den Vizemeister.

SL Benfica v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Group E

  Mehr als ein Platz auf der Bank ist aktuell nicht drin


Wagner sei "ein ganz feiner Kerl und toller Fußballer" und hinterließ beim Trainer, der ihn sonst nur als Gegenspieler kannte, einen deutlich positiven Eindruck. "Er macht es im Training auch außergewöhnlich gut. Ich hoffe, dass er in den nächsten Spielen zum Zug kommt." 


Kovac will "gute Balance finden"


Ein Problem, das Kovac bereits seit dem ersten Spieltag plagt: Von über 20 Top-Spielern kann er lediglich elf für die Startaufstellung bestimmen. Zuletzt rotierte er ein wenig, doch die ständigen Wechsel will der einstige Erfolgstrainer von Eintracht Frankfurt nicht auf die Spitze treiben: "Mann muss eine gute Balance finden. Natürlich möchte jeder spielen. Da, wo die Jungs jetzt sind, war ich schon und deswegen weiß ich, wie sie sich fühlen."


Dementsprechend kann er sich auch in die Gefühlswelt von Sandro Wagner hineinversetzen, der sich sicherlich darüber freuen würde, wenigstens ein paar Einsatzminuten in der Liga oder Champions League zu erhalten. Doch wenn es nach den bisherigen Eindrücken aus den Trainingseinheiten geht, dürfte es ohnehin nur eine Frage der Zeit sein.