Der Auftakt in der Premier League verlief durchwachsen, in der Champions League startete Manchester United dafür umso besser: Beim Außenseiter der Gruppe H, dem Schweizer Meister Young Boys Bern, feierten die 'Red Devils' einen ungefährdeten 3:0-Sieg. Im Mittelpunkt stand Paul Pogba, der zum insgesamt dritten Mal die Kapitänsbinde erhielt und belegte, dass er für diese Rolle geeignet ist.


​Viel wurde in den vergangenen Monaten über Paul Pogba geschrieben. Der französische Mittelfeldspieler erlebte eine Saison 2017/18, die von viel Licht und Schatten begleitet wurde, doch bei der Weltmeisterschaft blühte er plötzlich auf. In Russland gehörte er zu einem der besten Spieler des Turniers und hatte einen maßgeblichen Anteil daran, dass Frankreich zum zweiten Mal nach 1998 den begehrten WM-Pokal in die Höhe stemmen durfte.


Spät kehrte er nach Manchester zurück, wobei erneut Spekulationen um einen möglichen Wechsel die Runde machten. Noch immer gilt das Verhältnis zu Trainer Jose Mourinho als angespannt, doch im Eröffnungsspiel gegen Leicester City führte der 25-Jährige die Mannschaft zum ersten Saisonsieg. Nach seinem Treffer bei der Niederlage in Brighton dauerte es zwar ein wenig, bis er sich wieder als Torschütze eintragen konnte, jedoch zeigte die gestrige Partie in Bern erneut: Wenn Pogba den Rasen als Kapitän betritt, erzielt er mindestens ein Tor.

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  Entgegen seiner Mimik war Jose Mourinho (r.) mit der Leistung seiner Spieler glücklicher, als man es vermuten mag


Gegen aggressive Schweizer hatte der Favorit so einige Probleme, doch in der 35. und 44. Minute stach der Weltmeister zu und ebnete so den Weg zur 2:0-Pausenführung. Nach dem Seitenwechsel erzielte Anthony Martial das dritte und letzte Tor der Partie - dank Vorlagengeber Pogba. 


"Ich glaube nicht, dass er in jedem Spiel Tore erzielen kann. Aber das Tor, das er heute geschossen hat, ist genau so wie die fantastische Parade von [Ben] Foster im letzten Spiel [gegen den FC Watford, 2:1, Anm. d. Red.]", sagte Mourinho nach der Partie laut den Manchester Evening News. Der Portugiese spielte auf eine Szene des vergangenen Premier-League-Spieltags an, als Pogba in Watford aus wenigen Metern zum Abschluss kam - Torhüter Foster, der lange Jahre für United spielte, verhinderte den Einschlag jedoch sehenswert. 


"Wenn er in Positionen kommt, in denen er Tore schießen kann, ist es ein Pluspunkt für die Mannschaft. Damit bin ich glücklich", führte 'The Special One' fort. Man sei vor allem im Mittelfeld äußerst stabil gewesen, was Pogba erlaubt habe, in diese gefährlichen Zonen vorzustoßen. "Ich bin mit der guten Leistung der Mannschaft zufriedener als mit jeder individuellen Performance. Wir wussten, dass wir dieses Spiel gewinnen mussten. Wir wussten, dass es sehr wichtig ist, in die Spiele gegen Valencia und Juventus Turin mit drei Punkten zu gehen. Das haben wir getan."


Ob aus dem Spiel heraus oder vom Elfmeterpunkt: Pogba strotzt vor Selbstvertrauen


Der Torschütze selbst zeigte sich auf der vereinseigenen Website "sehr glücklich darüber, getroffen zu haben und meinem Team geholfen zu haben - und natürlich auch mit dem Ergebnis." Auf den erfolgreichen Start wolle man nun aufbauen, schließlich sind die folgenden Partien in der Gruppenphase vorentscheidend. Gegen die Young Boys habe man dank der Erfahrung "den Unterschied" ausmachen können, auch individuell habe man überzeugt. "Das war so, wie wir es wollten", sagte Pogba, dessen erstes Tor den Durchbruch nach einer schwierigen Anfangsphase bedeutete.


Sein zweites Tor des Abends fiel vom Punkt, obwohl sein letzter Versuch gegen den FC Burnley am zweiten September nicht von Erfolg gekrönt war. Doch Pogba zweifelte keine Sekunde daran, diesen Strafstoß zu verwandeln. "Ich weiß, dass ich diesen einen verschossen habe, aber ich habe ihm [Jose Mourinho, Anm. d. Red.] gesagt, dass ich diesen Fehler nicht noch einmal machen werde. Ich hatte auch das Vertrauen der anderen Spieler. Sie haben mich schießen lassen, also danke ich ihnen und dem Trainer dafür. Das Wichtigste war, den Ball ins Tor zu befördern. Das ist passiert, also bin ich glücklich."

BSC Young Boys v Manchester United - UEFA Champions League Group H

  Sicher verwandelt: Paul Pogba (Vordergrund) erhöht auf 2:0 


Bislang stand Paul Pogba in jedem Spiel in der Startelf, ausgewechselt wurde er nur zwei Mal. Seine Leistungen als Mannschaftskapitän sind überzeugend, doch eigentlich ist Außenverteidiger Antonio Valencia der auserkorene Spielführer. Klar scheint allerdings: Wenn der 33-Jährige seine Karriere beenden sollte, steht bereits ein passender Nachfolger in den Startlöchern.