​​Mario Götze ist derzeit wahrlich nicht zu beneiden. Noch vor wenigen Wochen war der Weltmeister von 2014 frohen Mutes und wollte unter seinem neuen Trainer ​​Lucien Favre endlich wieder durchstarten. Doch nachdem der offensive Mittelfeldspieler von ​Borussia Dortmund in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Greuther Fürth noch in der Startelf stand, war er bei den ersten drei Bundesligapartien zuletzt komplett außen vor. Am heutigen Dienstagabend kann sich der Edeltechniker aber berechtigte Hoffnungen auf eine erneute Chance machen.


Im ersten Gruppenspiel der neuen Champions-League-Saison treten die Schwarz-Gelben beim belgischen Vertreter Club Brügge an. Dabei müssen die Borussen auf den angeschlagenen Thomas Delaney verzichten. Eben jener Delaney, der zuletzt in der Zentrale der Dortmunder absolut gesetzt war und der als einer der neuen Lieblingsschüler von Lucien Favre gilt. Dabei konnte der Däne durch seine große taktische Disziplin überzeugen und verinnerlichte schnell die taktischen Vorgaben seines Cheftrainers.

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Lucien Favre setzte bislang auf andere Spieler


Götze hingegen ist ein anderer Spielertyp. Einer, der dafür steht, durch kreative Momente Freiräume für seine Mitspieler zu schaffen und der in der Lage ist, seine Kollegen mustergültig in Szene zu setzen. Um diese Qualitäten auf den Rasen zu bringen, muss der sensible Mittelfeldakeur aber regelmäßig eingesetzt werden. Nur so kann er ein Gespür für die Laufwege seiner Teamkollegen entwickeln und nur so kann er endlich wieder Selbstvertrauen tanken.


Das Spiel gegen die Belgier könnte dafür der ideale Moment sein, schließlich gelten die Gastgeber mit Verlaub als krasser Außenseiter in ihrer Gruppe, auch wenn Favre auf der Pressekonferenz vor dem Spiel nicht müde wurde zu betonen, dass man den Gegner keineswegs auf die leichte Schulter nehmen sollte. Angesprochen auf Götze, ließ sich der 60-Jährige nicht viel entlocken. So ließ der Schweizer es wieder einmal komplett offen, ob und wie lange der 63-fache Nationalspieler zum Einsatz kommen wird.


Bislang legte Favre seit seinem Amtsantritt viel Wert auf eine stabile Defensive. Um auch in Zukunft Erfolg zu haben, müssen die Borussen aber über kurz oder lang den nächsten Entwicklungsschritt gehen und noch dominanter spielen. Dabei könnte Götze durchaus noch wichtig werden, schließlich verkörpert er, sofern er an sein Leistungslimit herankommt, das gewisse Etwas. Das Spiel in Brügge könnte daher ein erster wichtiger Schritt werden. Nicht nur für Götze, sondern am Ende auch für Favre.

Borussia Dortmund Training Camp

In der Vorbereitung wusste Mario Götze (links) durchaus zu überzeugen


Um dem Dauerthema um den 26-Jährigen etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen, täte der Coach also gut daran, den gebürtigen Memminger von Beginn an spielen zu lassen. Alles andere wäre ein fatales Signal in Richtung eines Spielers, dem sowohl der Trainer selbst, als auch weitere Vereinsoffizielle eine gute Vorbereitung attestierten. 


Auch im Training soll sich Götze bislang nicht hängen gelassen haben. In den kommenden englischen Wochen kann es sich der BVB so eigentlich kaum leisten, gänzlich auf ihren Spielmacher zu verzichten. Und mit jedem verpassten Spiel erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Götze in dieser Saison nicht mehr zünden wird.


Auf genug Rückendeckung innerhalb der Mannschaft kann der ehemalige Bayern-Profi ebenfalls bauen. So unterstrich auch Kapitän Marco Reus zuletzt gegenüber dem kicker, dass er weiterhin an seinen Kumpel glaubt. "Mario ist Mario, er ist immer noch ein überragender Fußballer", so der 29-Jährige. Von außen betrachtet spricht also sehr viel für einen Einsatz des gebürtigen Bayern, ob dies aber auch sein Trainer so sieht, wird sich heute Abend zeigen.