​Die neue Bundesligasaison ist gerade einmal zwei Spieltage alt und schon jetzt kann man festhalten, dass immer mehr Vereine aus dem ​deutschen Oberhaus auf ein offensives 4-3-3-Spielsystem vertrauen. Nachdem in den letzten Jahren noch vermehrt auf ein 4-2-3-1 gesetzt wurde, scheint man nach den Erkenntnissen der WM in Russland nun wieder offensiver agieren zu wollen. 


Auch wenn ein 4-3-3-System in der Regel mit nur einem einzigen Sechser im defensiven Mittelfeld auskommen muss, so muss dies im Umkehrschluss nicht unbedingt immer eine instabilere und für gegnerische Angriffe anfälligere Defensive bedeuten. Fünf der ersten sechs Bundesligaklubs agierten in den ersten zwei Spieltagen der neuen Saison mit einem solchen 4-3-3 - der Erfolg gibt ihnen bislang recht. 

VfB Stuttgart v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Rekordmeister FC Bayern läuft wohl auch unter Neu-Coach Niko Kovac meist im 4-3-3 auf


Bei einem genaueren Blick ist auffällig, dass im Vorjahr lediglich ​Rekordmeister FC Bayern München und Borussia Dortmund dauerhaft in der Formation mit drei Mittelfeldspielern und drei Angreifern aufliefen. Unter den Bundesligaklubs neben dem FCB und dem BVB erzielte lediglich die TSG 1899 Hoffenheim mehr als 60 Tore. 


Zum Vergleich: Die Münchner erzielten 92 Treffer (!), die ​Schwarz-Gelben immerhin 64. Grundsätzlich scheint das Sprichwort "Angriff ist die beste Verteidigung" also keinesfalls aus der Luft gegriffen - dennoch birgt ein offensives System mit meist nur einem Sechser auf der Gegenseite natürlich auch Gefahren. Auch hierzu gibt es mit "Der Sturm gewinnt Spiele - die Defensive gewinnt Titel" ein passendes Sprichwort. 


Mit drei mehr oder weniger zentralen Mittelfeldspielern bedarf es zum einen lauffreudigen Außenverteidigern, zum anderen aber auch ausdauernden und offensiv wie defensiv denkenden Mittelfeldspielern. Das System kann nur mit dem passenden Spielermaterial auch auf Dauer erfolgreich sein, da es sehr kräftezehrend ist. Darüber hinaus braucht es mit Sicherheit auch eine gewisse Anlaufzeit zum Einspielen. Als (positives) Beispiel ist hier ​Borussia Mönchengladbach zu nennen. Die "Fohlen" testeten bereits in der Saisonvorbereitung im Sommer regelmäßig im neuen 4-3-3, nachdem man die letzten Jahre überwiegend auf ein 4-4-2 gesetzt hatte. 


Auf internationaler Ebene ist ein 4-3-3 ebenfalls ein oft gespieltes System. Champions-League-Sieger Real Madrid, der spanische Meister FC Barcelona, der SSC Neapel sowie der FC Chelsea - sie alle liefen in der jüngeren Vergangenheit in der offensiven Formation auf oder tun es noch immer, ebenso wie Klopps FC Liverpool. 


Der Fußball mag sich weiter entwickeln und mit Blick auf die WM in Russland auch stetig verändern. Eins jedoch scheint Bestand zu haben: Offensivfußball gilt nach wie vor als deutlich attraktiver und ist nicht nur für den neutralen Zuschauer bis heute noch die Art und Weise, mit der man möglichst zum Erfolg kommen möchte.