Marcelo, der brasilianische Linksverteidiger von ​Real Madrid, ist wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Neben einer üppigen Geldstrafe bekommt der 30-Jährige eine viermonatige Haftstrafe aufgebrummt, die allerdings auf Bewährung ausgesetzt ist. Doch Marcelo ist alles andere als eine Ausnahme unter Profifußballern, die Geld am spanischen Fiskus vorbeigemogelt haben.


Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Iker Casillas, Luis Figo, Gerard Pique, Javier Mascherano, Angel di Maria, Xabi Alonso, Alexis Sanchez, James Rodriguez, Trainer Jose Mourinho. Eine Liste mit den besten aktuellen und ehemaligen Spielern der Welt? Definitiv. Ein Kader, wie ihn sich jeder Zocker des Videospiels FIFA sich wünscht? Definitiv. Eine Schar mutmaßlicher oder verurteilter Steuersünder? Auch das ist korrekt.


"Den Wohlhabenden dieser Welt stehen Steuerschlupflöcher so groß wie der Atlantik offen", schrieb einst die Süddeutsche Zeitung, als ​Cristiano Ronaldos Fall im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgte. Vor allem in Spanien scheint es als Profifußballer Usus zu sein, sich auf die steuerliche Gratwanderung zu begeben und darauf zu hoffen, nicht erwischt zu werden.


Warum gerade Spieler, die auf der iberischen Halbinsel beschäftigt waren, regelmäßig in den Fokus der Steuerbehörden gelangen, ist verwunderlich. Die Häufigkeit der Fälle hebt sich von den anderen europäischen Ländern ab. Zumindest dort sind bisher viel weniger Fälle bekannt.


Vor einer Woche akzeptierte Jose Mourinho eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er eine Geldbuße von 1,9 Millionen Euro zahlen. Als Trainer von Real hatte er in den Jahren 2011 und 2012 insgesamt 3,3 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust.


Vor zwei Jahren wurde ​Lionel​ ​Messi zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte Glück oder genügend finanzielle Argumente, um eine Haftstrafe von mehr als 24 Monaten zu vermeiden, die gleichbedeutend mit der Zelle gewesen wäre. Denn: Nach spanischem Recht wird eine Gefängnisstrafe unter zwei Jahren in eine Geldstrafe umgewandelt. Der Täter hat zumindest die Möglichkeit dazu.


Cristiano Ronaldo sagte im Juli 2017, dass er "niemals etwas verborgen und auch niemals die Absicht gehabt habe", Steuern zu hinterziehen. Doch diese Worte entpuppten sich als Falschaussage. Zuletzt einigte sich der Portugiese mit den Behörden auf eine Rückzahlung von 18,8 Millionen Euro an Strafgeld sowie Nachzahlungen. Die angedachte zweijährige Haftstrafe wandelte Ronaldo in eine zusätzliche Geldsumme um. In den Jahren 2011 bis 2014, als er noch bei Real Madrid unter Vertrag stand, hatte er 5,7 Millionen Euro über Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln und Irland abgerechnet. Vielleicht ist der 33-Jährige auch deswegen zu Juventus Turin gewechselt, weil der Spitzensteuersatz statt 53 Prozent in Spanien nur 46 Prozent in Italien beträgt. 


Heute ist auch Star-Verteidiger Marcelo zu einer Geldstrafe von 753.624 Euro und vier Monate Haft verurteilt worden. Nach einem Bericht der El Mundo muss Marcelo nicht ins Gefängnis. Das spanische Blatt will erfahren haben, dass er 800.000 Euro bezahlen möchte. Marcelo unterhielt eine Scheinfirma in Uruguay, die er benutzte, um Werbeeinnahmen in Millionenhöhe am spanischen Fiskus vorbeizuschleusen. Allein 2013 fast 1,2 Millionen.