Der Saisonstart verlief für ​Eintracht Frankfurt mehr als holprig, doch Trainer Adi Hütter hat dafür eine einfache Erklärung: Man sei "in der Findungsphase", wie der Österreicher im Interview mit der ​FAZ erklärte. Zudem klagte er über mangelnde Kreativität im Spiel, doch ebenso bittet er um Geduld.


Vier Spiele, drei Niederlagen: Pokalsieger Eintracht Frankfurt hatte sich einen besseren Start erhofft. Auf die 0:5-Pleite im Supercup gegen Bayern München folgte das Aus im DFB-Pokal, als man mit 0:2 beim SSV Ulm scheiterte. Am ersten Spieltag der Bundesliga bezwang man zwar den SC Freiburg mit 2:0, doch gegen Werder Bremen kassierte man die nächste Niederlage - wenn auch nur kurz vor Schluss.


"Die Niederlage gegen Bremen war schwer verdaubar, weil wir mit einem Mann weniger viel investiert haben", haderte Hütter. Der 48-Jährige beerbte im Sommer Niko Kovac und hat die schwierige Aufgabe, den Umbruch nach den schwerwiegenden Abgängen in der abgelaufenen Transferperiode zu vollziehen. "Wir befinden uns in einem Prozess, es dauert, das habe ich auch in Bern gelernt, bis alle verinnerlicht haben, wie wir Fußball spielen wollen. Das geht nicht von heute auf morgen", weiß er genau. Doch für die Partie gegen Bremen hatte er positive Worte übrig: "Gutes Gegenpressing ist mir wichtig, und da habe ich gerade gegen Werder vieles gesehen, was mir gefallen hat."

Eintracht Frankfurt v SV Werder Bremen - Bundesliga

  Rückkehrer Kevin Trapp kassierte zum Einstand zwei Gegentore - der Knockout folgte in der siebten Minute der Nachspielzeit


Allerdings sei sein geplantes offensives System "noch nicht so umsetzbar", stattdessen müsse noch an einigen Stellschrauben gedreht werden. "Wir brauchen Balance und Stabilität in der Abwehr. Ich sehe gerne das Ziehharmonika-Spiel bei meiner Mannschaft: Alle greifen gemeinsam an, und alle verteidigen gemeinsam", erklärt Hütter, der im Moment einen Kompromiss finden muss.


"Wir müssen einen Zwischenschritt einlegen und ansatzweise zeigen, dass wir im richtigen Moment attackieren können und schnelles Umschalten nach Ballgewinn hinbekommen", appelliert er an seine Spieler. Vor dem Platzverweis von Jetro Willems habe man es gegen Werder "ansatzweise" so gemacht, wie er es sich vorstellt. Daher sei man "auf einem ordentlichen Weg", wobei man noch weit davon entfernt sei, dort zu stehen, wo der Trainer die Mannschaft gerne hätte.


Hütter weiß: Der Umbruch wird ein langer Weg


Auch bei den Young Boys Bern brauchte er eine gewisse Anlaufzeit, doch im dritten und letzten Jahr feierte er den Meistertitel in der Schweiz. Auf den Lorbeeren könne er sich allerdings nicht ausruhen: "In Frankfurt interessiert es niemanden, ob ich in Bern der König gewesen bin oder nicht. Nun ist wichtig, was hier und jetzt passiert. Mein Ziel ist es, bei der Eintracht zu bestehen und mit der Mannschaft erfolgreichen Fußball zu spielen."

Eintracht Frankfurt v SV Werder Bremen - Bundesliga

 In Frankfurt zählt nur das hier und jetzt, weshalb Adi Hütter schon früh unter Druck steht


Doch dafür benötige es Zeit, vor allem aufgrund des Umbruchs im Kader. Zusätzlich spiele die derzeitige Personalsituation eine wichtige Rolle, doch Hütter ist sich sicher, dass die Eintracht ein anderes Gesicht zeigen wird, sobald alle Akteure fit sind. Daher blickt er positiv in die Zukunft, und will auch in der Vorbereitung auf die kommende Partie gegen Borussia Dortmund nichts ändern: "Ich habe kein Bedürfnis, vom Gas herunterzugehen. Die Hinrunde wird noch sehr anspruchsvoll. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir jetzt schon eine Pause einlegen und den Betrieb runterfahren müssen."

Forderung nach Kreativität - kein Vergleich mit Kovac

Doch während man sich erneut laufstark präsentierte, mangelte es dem Trainer an dem kreativen Element im Spiel. Man müsse mit dem Ball "noch besser und schneller" zum Abschluss kommen, wofür alle verantwortlich seien: "Jeder Spieler darf kreativ sein. Ich habe in Salzburg und Bern mit einem 4-2-2-2 gespielt, bei dem in Ballbesitz die Flügelspieler wie Zehner sind." Einen richtigen 'Zehner' benötige man nicht, da man vor allem mit Ante Rebic, Filip Kostic, Mijat Gacinovic, Sebastien Haller und Luka Jovic eben jene Spielertypen habe, "die kreativ sind und Geschwindigkeit haben."

So oder so: Hütter will seinen eigenen Weg am Main gehen, Vergleiche mit Vorgänger Niko Kovac zählen für ihn nicht. Der neue Trainer des FC Bayern München habe ebenfalls schwierige Zeiten durchlebt, doch letzten Endes bleibe vor allem der Pokalsieg in Erinnerung. Diesen habe er sich verdient, doch davon will sich sein Nachfolger nicht beeinflussen lassen: "Ich sehe keinen Schatten. Natürlich höre ich ab und zu, der Niko hat das so oder so gemacht, aber damit habe ich keine Schwierigkeiten. Alles gut. Aber Adi Hütter macht es anders."