Viel hatte sich die Schweiz bei der Weltmeisterschaft in Russland vorgenommen, doch am Ende reichte es lediglich für das Achtelfinale. Neben dem sportlichen Aspekt geriet die Mannschaft jedoch zunehmend in die Kritik, allen voran Granit Xhaka musste so einiges hinnehmen. Der defensive Mittelfeldspieler sorgte mit seinem Torjubel beim 2:1-Erfolg über Serbien für Aufsehen, weswegen die vergangenen Monate nicht allzu leicht waren, wie er im Interview mit ​Watson.ch berichtet. 


Auch die gesamte Mannschaft sei "von der Intensität der Diskussionen und Konsequenzen" überrumpelt gewesen, wie der Legionär von Arsenal London erklärte. Ob es am Achtelfinal-Aus oder an Xhakas Doppeladler-Jubel im Gruppenspiel gegen Serbien gelegen habe, wisse er nicht, doch ähnlich wie bei der Debatte um die Fotos von Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan prasselte auch dieses Thema wochenlang auf die Schweizer 'Nati' ein.


"Die Lawine setzte sich in Bewegung", so Xhaka, der sich "wunderte, wie heftig auf alles eingeschlagen wurde – als ob man nur auf einen solchen Moment gewartet hätte, endlich loslegen zu können". Rein sportlich habe es kaum Anlass zur Kritik gegeben, weshalb er sich die Frage stellte, ob die Verhältnismäßigkeit noch gegeben sei.


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  Bei der WM wollte die Schweiz hoch hinaus - doch schon nach dem Achtelfinale war die Reise wieder vorbei


Dabei war es ausgerechnet er, der mit am meisten Kritik einstecken musste. Sein Doppeladler-Jubel war ein Zeichen der Solidarität mit Albanien und dem Kosovo, der Herkunft seiner Familie. Seitdem habe es immer wieder geheißen, er wäre kein wirklicher Repräsentant der Schweiz.


Diese Vorwürfe seien allerdings besonders schmerzhaft. "Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Dass ich zwei Herzen in der Brust habe, ist ein Fakt", sagte Xhaka, der einen Vergleich zu seiner Karriere im Ausland zog.


Vor sechs Jahren wechselte er zu Borussia Mönchengladbach, mittlerweile spielt er für den FC Arsenal. In beiden Klubs sei er "der respektierte Schweizer, der den Erfolg bringt", doch nun sei er "plötzlich nur noch ein halber Schweizer. Ja, das tut mir weh, das stresst mich, das ist schwer verdaulich."


Xhaka will von nun an auf den Doppeladler verzichten


"Traurigkeit und Fragezeichen" kämen dabei auf, vor allem, da das Thema kaum zur Ruhe kommt: "Manchmal denke ich: Wollen mich gewisse Leute nicht verstehen oder hören sie mir nicht richtig zu? Oder läuft sonst irgendwas schief? Was soll ich denn sagen? Soll ich meine Herkunft ausblenden?" 

Serbia v Switzerland: Group E - 2018 FIFA World Cup Russia

  Der Aufreger aus schweizer Sicht: Xhakas markanter Jubel nach dem Ausgleichstor gegen Serbien


Er habe "nichts Bösartiges gemacht und niemandem wehtun wollen", wisse allerdings zugleich um die Schwere der Thematik. Insgesamt wolle er sich nur für die Nachwirkungen entschuldigen, nicht aber für eine "Geste, die andernorts als friedliches Zeichen bekannt" sei.


Auch wolle er in Zukunft auf diesen Jubel verzichten, wenngleich er noch immer daran denken werde, "wie viele Tausend in Albanien und im Kosovo vor dem Fernseher sitzen und der Schweizer Nationalmannschaft zujubeln und sich ehrlich über jeden unserer Erfolge freuen".


Ohnehin soll das Thema den Rest der Mannschaft nicht mehr belasten, viel mehr sollen die sportlichen Aufgaben der kommenden Tage im Vordergrund stehen. "Die Mannschaft hat keinen nachhaltigen Schaden erlitten, das Team wird weiterhin funktionieren. Schluss, aus, es geht weiter", kündigte Xhaka an.