Vor einigen Jahren spielte Rafael Czichos noch für Rot-Weiß Erfurt in der Regionalliga Nordost, doch mittlerweile ist der Innenverteidiger der neue Abwehrchef beim ​1. FC Köln. Im Interview mit ​​geissblog.koelnsprach er daher auch, aber nicht nur über seinen sportlichen Werdegang - zusätzlich stand der bisherige Saisonverlauf im Vordergrund.


Mit diesem sei er insgesamt zufrieden, obwohl man in einigen Situationen "souveräner hätte auftreten können". Der Neuzugang, ​der seinem Trainer Markus Anfang von Kiel nach Köln folgte und für 1,8 Millionen Euro in die Domstadt wechselte, hat durchaus seinen Anteil daran, dass die Mannschaft von den ersten vier Spielen nur eines nicht gewann, doch dabei zog er auch ein selbstkritisches Fazit: "Wir hatten Phasen, in denen wir uns mit eigenen Fehlern selbst Probleme bereitet haben. Der Punktverlust gegen Union war unnötig."

​Mit zehn Zählern belegen die Kölner derzeit den ersten Tabellenplatz, doch in Czichos' Augen ist vor allem innerhalb des Spiels noch Luft nach oben. Zwar habe "jeder Spieler" die Spielweise von Anfang verinnerlicht, doch Fehler seien derzeit noch unvermeidbar. Aufgrund der Qualität des Kaders könne man diese allerdings verkraften: "
Das Niveau der einzelnen Spieler ist so hoch, dass wir das eine oder andere Problem darüber ausgleichen können. Aktionen, die eigentlich nicht gut sind, gelingen trotzdem, weil sich Spieler im Eins-gegen-Eins aus Situationen befreien können, in die sich selbst reingebracht haben."

FC Koeln v FC Erzgebirge Aue - Second Bundesliga

Czichos blickt nach einem gelungenen Start positiv auf den weiteren Saisonverlauf



Dennoch will man vor allem defensiv stabiler werden. Bei elf erzielten Treffern kassierte die Abwehr insgesamt fünf Gegentore, drei allein beim furiosen 5:3-Sieg über den FC St. Pauli. "Wir wollen nicht jedes Spiel drei Gegentore kassieren, auch, wenn wir fünf schießen. Wir wollen immer ohne Gegentor bleiben", kündigte Czichos, der genau weiß, worauf es ankommen wird, an: "Wir müssen nicht nur die Defensive stellen, wenn der Gegner den Ball hat, sondern mit der kompletten Mannschaft Druck aufbauen. Denn wir wollen nicht in Konter geraten."

​Gerade gegen Gegner auf ähnlichem Niveau dürfe man sich das nicht erlauben, weshalb der Trainer akribisch daran arbeite, die "Restverteidigung" zu verbessern. Doch was genau ist damit gemeint? "
Im Falle eines Ballverlusts sollten wir so stehen, dass wir auf die angreifende Mannschaft sofort wieder Zugriff haben. Ich darf mich als Verteidiger nicht zurücklehnen und einfach nur zugucken, wie wir angreifen, sondern muss immer im Blick behalten, wo der gegnerische Stürmer ist. Wir müssen sofort dran sein, wenn der Ball geklärt wird", erklärte der 28-Jährige.


Czichos: "Bin einen anderen Weg gegangen"


Erklärungen musste er auch bezüglich seines Werdegangs abgeben. Czichos machte seine ersten Schritte beim TSV Ottersberg, wechselte vor zehn Jahren in die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg und wurde nur zwei Jahre später nach Erfurt abgegeben. Von dort aus ging es in zu Holstein Kiel, im Mai vergangenen Jahres feierten die Störche den Aufstieg in die zweite Bundesliga.

Rot-Weiss Erfurt v Wehen Wiesbaden - 3. Liga

  Noch vor drei Jahren spielte Czichos bei Rot-Weiß Erfurt - mittlerweile kämpft er mit den Kölnern um den Aufstieg in die Bundesliga



Der 1. FC Köln soll den direkten Wiederaufstieg schaffen, für Czichos wäre es sein erstes Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse. Offenbar trauten ihm diese Laufbahn nur wenige zu: "Ich bin stolz da zu sein, wo mich vor acht Jahren wohl niemand gesehen hätte. Man hat mir nachgesagt, dass es für höhere Ligen nicht reicht. Das ist für mich die Motivation, denjenigen das Gegenteil zu beweisen."


"Jeder Schritt", erzählte er, sei "der richtige und höchste Schritt, den ich hätte gehen können" gewesen. "Für mich war immer das Motto: so hoch, wie es geht – so schnell, wie es geht. Einfach das, was möglich ist." Daher hofft er auch auf den Durchbruch in Köln, um bald nicht mehr gegen den SV Sandhausen, SC Paderborn oder Greuther Fürth, sondern gegen Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 zu spielen.