MUNICH, GERMANY - SEPTEMBER 05: Kai Havertz of Germany , Matthias Ginter of Germany , Head coach Joachim Loew of Germany , Nico Schulz of Germany looks on during a team Germany training session at Bayern Muenchen Campus on September 5, 2018 in Munich, Germany. (Photo by TF-Images/TF-Images via Getty Images)

Neustart: 7 Dinge, die Löw nun beachten und bedenken muss

Am heutigen Donnerstag trifft die deutsche Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel auf Weltmeister Frankreich, am 9. September steht die Begegnung mit Peru an. Joachim Löw muss unter anderem folgende sieben Dinge bedenken, damit das EM-Turnier 2020 gewissenhaft angegangen werden kann und das DFB-Team in die Weltspitze zurückkehrt:

7. Einstellung/Moral

Die Kritiker hatten Löw unter anderem auch dafür kritisiert, dass er zu loyal sei und an denselben Spielern festhalte, auch wenn die Leistungen mancher einstiger Leistungsträger nicht immer überzeugten. Das Leistungsprinzip muss in der Nationalmannschaft wieder Vorrang haben. Heißt: die Einstellung auf dem Platz. Der Siegeswillen muss, wenn möglich in jedem Spiel vorhanden sein. Denn nur so hat das Spiel der DFB-Elf auch den gewünschten Erfolg. Für diese Leidenschaft, für das Trikot zu brennen und alles auf dem Platz zu lassen, muss Löw das richtige Personal finden.

6. Die T-Frage

Manuel Neuer ist inzwischen 32 Jahre alt, wird bei der EM 34, bei der WM 36 Jahre alt sein. Bereits in Russland stand der Welttorhüter ohne Spielpraxis zwischen den Pfosten, obwohl mit Marc-André ter Stegen ein Mann zur Verfügung steht, der beim FC Barcelona Weltklasse-Leistungen zeigt. Zwar hat sich Neuer in der Vergangenheit keine wirklichen Patzer erlaubt, doch ein Konkurrenzkampf im Tor wäre vor allem Marc-André ter Stegen gegenüber nur fair. Der 26-Jährige sollte eine Chance erhalten, hinsichtlich der kommenden Turniere mehr im Vordergrund zu stehen.

5. Neue Defensive

Mats Hummels und Jérôme Boateng sind die Platzhirsche in der Innenverteidigung, doch schon beim FC Bayern deutet sich an, dass die Konkurrenz nicht schläft und bereit steht, sollte die Leistung nachlassen. Tah, Süle, Rüdiger und Ginter müssen von Löw also berücksichtigt werden. Auch die Außenverteidiger brauchen mehr Konkurrenz, denn nur mit Jonas Hector von Zweitligist Köln auf der linken Seite ist die Defensive zu dünn besetzt. Eventuell wäre es für Löw auch erstrebenswert, eine Dreierkette auszuprobieren. Die WM 2014 wurde bekanntlich auch mit drei Innenverteidigern gewonnen. 

4. Taktische Änderungen/Variabilität

Der Ballbesitz-Fußball hat bei der WM versagt. Und so wird es eines der obersten Ziele des Bundestrainers sein, neue taktische Komponenten zu integrieren. Neben dem reinen Ballbesitz-Fußball, der gegen kleinere Mannschaften noch funktionieren mag, sollten auch Konter mehr ins Repertoire aufgenommen werden. Insgesamt muss am Defensivverhalten der Mannschaft gearbeitet werden. Zweikämpfe müssen entsprechend geführt und verschiedene Systeme eingelernt werden, denn nur mit einer taktischen Formation spielt heutzutage so gut wie keine Mannschaft mehr.

3. Integration der Neulinge

Thilo Kehrer, Nico Schulz und Kai Havertz: Für den einen oder anderen Experten sind es zu wenige neue Gesichter, die der Bundestrainer zu den Länderspielen eingeladen hat. Dafür sollte er sich auch darum bemühen, dass alle Spieler Einsatzminuten erhalten und sich auf eine Art und Weise empfehlen können. Auch Leroy Sané kann nach seinem WM-Aus als Neuling angesehen werden und steht besonders im Fokus: Löw muss seinen Führungsstil ändern, um den etwas lethargischen Sané, gleichzeitig eines der größten Talente des englischen Fußballs, zu einer Waffe für das DFB-Team zu machen.

2. Alternativen im Angriff

Mit Nils Petersen hat Löw lediglich einen etatmäßigen Stürmer nominiert, der Konkurrenz für Timo Werner darstellt. Der Stürmer des SC Freiburg muss tatsächlich überzeugen und eine ernsthafte Alternative sein, denn sonst kommt Löw in Erklärungsnot: Warum nominiert er einen 29-jährigen Stürmer, während er nicht auf einen Sandro Wagner zugeht, oder aber Spieler wie Mark Uth, Kevin Volland oder Niclas Füllkrug berücksichtigt, die in der Bundesliga gute Leistungen gezeigt haben bzw. zeigen?

1. Die Position neben Kroos / Fall Gündogan

Nachdem der Abschied von Mesut Özil besiegelt ist und Sami Khedira nicht für die Position im zentralen Mittelfeld berücksichtigt wurde, ist die Personalie Gündogan sensibler denn je zu betrachten. Der Mittelfeldspieler sollte von den DFB-Fans in München nicht mehr ausgepfiffen werden, sonst muss sich der DFB, anders als im Fall Özil, um schnelle Besserung bemühen. Gleichzeitig darf die Leistung von Gündogan nicht unter der Situation leiden, denn in England zählt er zu den besten Mittelfeldspielern mit Qualitäten, die Löw ohne Sami Khedira mehr denn je braucht.