​Real Madrid hat nach der Niederlage im UEFA Super Cup gegen Atletico Madrid einen perfekten Saisonstart hingelegt und steht nach drei Siegen aus den ersten drei Spielen nur aufgrund des schlechteren Torverhältnis hinter dem FC Barcelona auf Tabellenplatz zwei. Im ausführlichen Interview äußerte sich der neue Chefcoach Julen Lopetegui nun zu allen zuletzt relevanten Themen und erklärte zudem, warum er auf Social Media verzichtet. 


Nachdem der Spanier kurz vor der WM als Nationalcoach der "Furia Roja" entlassen wurde, weil publik geworden war, dass er nach dem Turnier in Russland als neuer Cheftrainer bei ​Real Madrid anheuern werde, verschwende er laut eigener Aussage nun keinen Gedanken mehr an das unrühmliche Ende beim Verband. "Diese Etappe liegt hinter mit", so Lopetegui im Radiointerview bei ONDA CERO (via Real Total). "Was passiert ist, ist passiert. Die Gegenwart ist viel zu aufregend, um an die Vergangenheit zu denken. Ich konzentriere mich auf das, was vor mir liegt." 


Einen Fehler in seinem Verhalten sieht der ehemalige Torhüter auch heute nicht - im Gegenteil. "Wenn ich ehrlich bin: Ich würde es wieder so machen. Ich bereue nicht, diese Entscheidung getroffen zu haben, denn diese Chance war einmalig für mich. Ich bin total glücklich, Real Madrid trainieren zu dürfen." Der Nationalmannschaft wünsche er in Zukunft aber dennoch weiterhin alles Gute.

Spain Training Session

Blieb mit Spanien in den 20 Länderspielen unter seiner Leitung ungeschlagen: Julen Lopetegui



Neben seinem Abgang als Nationalcoach sprach der 52-Jährige auch über Cristiano Ronaldo, der den Klub nach neun Jahren in Richtung Juventus Turin verlassen hat. "Ich habe nie mit ihm gesprochen. Als ich kam, hatte er dem Klub bereits deutlich kommuniziert, gehen zu wollen. Der Klub half ihm, seinen Wunsch zu erfüllen. Und ich habe diesen Wunsch logischerweise akzeptiert und respektiert. Er war ein riesiger Spieler für diesen Klub." 


Dass nach dem ​Abgang von CR7 nun erneut Gerüchte rund um eine Verpflichtung der beiden PSG-Superstars Neymar und Kylian Mbappé aufkommen, stört den Coach nicht sonderlich: "Ich werde nicht über Spieler sprechen, die nicht in unserer Mannschaft spielen. Das wäre respektlos. Mir gefallen Bale, Benzema, Asensio, Isco, Lucas und unsere anderen Spieler. Alle anderen verdienen unseren Respekt, aber nicht unsere Aufmerksamkeit."


Rollenverteilung im Tor noch offen


Größere mediale Aufmerksamkeit richtete sich zuletzt auf die ​Torwartsituation bei den "Königlichen". Nachdem Keylor Navas in den ersten beiden Ligaspielen zwischen den Pfosten stand, feierte am vergangenen Wochenende gegen CD Leganes nun Neuzugang Thibaut Courtois sein Ligadebüt für Real. "Er ist ein fantastischer Torhüter", so Lopetegui über den belgischen Nationalkeeper, der in Russland zum besten Torwart gewählt wurde. "Wir sind  glücklich über den Konkurrenzkampf im Tor. Das ist zweifelsohne gut für die Mannschaft. Wir haben sehr gute Lösungen und keine Probleme. Unsere Torhüter wissen, dass wir ihnen vertrauen, genauso wie allen Spielern. Das ist wichtig." 


Wie die Rollenverteilung im Tor für den Rest der Saison in den verschiedenen Wettbewerben aussehen wird, ließ der Spanier derweil offen. "Das werden wir noch entscheiden. Ich habe nie gesagt, dass der Torhüter, der in der Liga spielt, auch automatisch in der Champions League spielt. Klar ist, dass mehrere Keeper eingesetzt werden können. Sie trainieren sehr gut und sind motiviert."

Real Madrid v Leganes - La Liga Santander

Courtois kämpft mit Navas um den Stammplatz im Tor von Real Madrid



Ein spannendes Thema ist auch die Personalie Vincius Junior. Der 18-jährige Brasilianer war im Sommer für stolze 45 Millionen Euro an die Concha Espina gewechselt und ​erzielte jüngst seine ersten beiden Tore beim 2:2 mit der Castilla gegen Stadtrivale Atletico. Er trainiert derzeit zwar regelmäßig mit den Profis, spielt aber vorerst "nur" bei der Reservemannschaft. Dennoch sei der Linksaußen ein Riesentalent, dem man Zeit geben sollte, wie Lopetegui klarstellte. "Wir werden ihn schützen und gut auf das Profigeschäft in Europa vorbereiten. Der Junge macht seine Sache phänomenal. Ob im Training oder in der Castilla. Im letzten Spiel gefiel er mir sehr gut und erzielte zwei Tore. Wir haben keine Zweifel an ihm. Er ist ein großes Talent, sonst wäre er nicht hier. Er ist schnell, trickreich und auf beiden Außenbahnen einsetzbar", lobte der gebürtige Baske das Offensiv-Juwel. 


"Aber er muss auch noch viel lernen und langsam an den europäischen Fußball herangeführt werden. Er ist erst 18 und kommt von einem anderen Kontinent. Wir haben uns bewusst entschieden, ihn hier bei uns zu lassen. (..) Er lernt viel und wird weiter viel lernen. Ob er in der Champions League dabei sein wird, kann ich noch nicht sagen. Er hat Optionen - wieder jeder andere auch. Sein Moment wir kommen."


Freuen konnte sich Lopetegui neben den Toren von Vinicius Junior auch über den gelungenen Saisonstart mit drei Siegen aus den ersten drei Ligaspielen. Dennoch mahnte er zu Vorsicht, die Saison sei schließlich noch jung. "Man kann noch keine Schlüsse ziehen, es ist erst der Anfang. Uns erwartet sicher ein harter Kampf um die Meisterschaft. Unsere Konkurrenz hat sich gut verstärkt, um in der Liga oben mitzuspielen und in Europa zu bestehen. Wir haben die ersten drei Spiele gewonnen, aber das hat noch nichts zu heißen. Nach der Länderspielpause stehen uns drei harte Champions-League-Wochen bevor." 

Real Madrid v Juventus - International Champions Cup 2018

Gehört zu den größten Talenten im Weltfußball: Real-Juwel Vinicius Junior



Eine klare Meinung hat der Real-Coach auch zu den Plänen der Liga, künftig ein Spiel pro Saison in Amerika austragen zu lassen. "Ohne mich auf den wirtschaftlichen Faktor beziehen zu wollen, muss ich ehrlich sagen, dass ich diese Idee komisch und unangebracht finde. Ich würde bevorzugen, nicht dort zu spielen, aber wenn wir dort spielen müssen, werden wir es tun." 


Komisch und unangebracht findet der Trainer auch die Nutzung von Social Media, auf die er seit einiger Zeit wieder komplett verzichtet. "Ich habe mich nicht besonders wohl damit gefühlt. Je mehr ich dort aktiv war, desto häufiger fragte ich mich: 'Was mache ich hier eigentlich?' Also habe ich meine Accounts vor der Saison gelöscht."