Mit Arturo Vidal und ​Sebastian Rudy hat der ​FC Bayern München zwei seiner einst neun zentralen Mittelfeldspieler abgegeben, sieben Akteure stehen damit noch zur Verfügung. Nominell steht mit Javi Martinez jedoch nur ein gelernter 'Sechser' im Kader, weshalb sich die Frage stellt, ob die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt noch einmal zuschlagen sollten. 


Auf den Flügeln kündigt sich nach dem ​Syndesmosebandriss von Kingsley Coman ein erneuter Engpass an, doch im zentralen Mittelfeld hat Trainer Niko Kovac die Qual der Wahl. Mit Javi Martinez, Renato Sanches, Corentin Tolisso, Thiago Alcantara, Leon Goretzka sowie James Rodriguez und Thomas Müller steht genug Spielermaterial zur Verfügung, um das Zentrum des Spielfeldes nach Lust und Laune zu besetzen.  


Besonders auf der 'Acht' ist der Rekordmeister gut besetzt, doch etwas weiter hinten, im defensiven Mittelfeld, könnte es mitunter ein wenig schwierig werden. Dort ist Javi Martinez gesetzt, doch der Spanier kann und soll in der Innenverteidigung aushelfen, wenn der eine oder andere Akteur fehlt - vor allem, falls Jerome Boateng doch noch zu Paris St. Germain wechselt. Denn derzeit besitzt Kovac mit Boateng sowie Mats Hummels und Niklas Süle lediglich drei Innenverteidiger, und gerade der wechselwillige Boateng hatte in der Vergangenheit immer wieder mit muskulären Problemen zu kämpfen. 

SV Drochtersen-Assel v Bayern Muenchen - DFB Cup

Im defensiven Mittelfeld ist Javi Martinez gesetzt - doch was ist, wenn der Spanier ausfällt oder anderweitig aushelfen muss?



Doch auch unabhängig davon stellt sich die Frage: Was passiert, wenn Martinez ausfallen sollte? Der 1,90 Meter große, wuchtige Spanier ist ein Schlüsselelement im Spiel gegen den Ball, gerade seine Qualitäten als Abräumer sind gefragt. Allerdings sind auf der 'Sechs' auch andere Spielertypen denkbar, wie beispielsweise Sebastian Rudy. Der Neu-Schalker ist mehr Spielmacher denn Verteidiger, kümmert sich lieber um die Angriffe der eigenen Mannschaft. Daher ist es wahrscheinlich, dass der eine oder andere Kandidat im Falle des Falles ins defensive Mittelfeld rücken kann, ohne dass sofort Bedenken entstehen.


Tolisso und Thiago sind realistische Alternativen


Dies bekräftigte Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel. Dass man bei einem Verkauf von Rudy nur noch einen 'Sechser' zur Verfügung stehen hat, machte ihm schon zum damaligen Zeitpunkt keine Angst. Viel mehr nannte er gleich zwei mögliche Alternativen: Corentin Tolisso und Thiago Alcantara. 

FC Bayern Muenchen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Corentin Tolisso ist von offensiver Natur, kann sich allerdings auch gegen den Ball zur Wehr setzen



Tolisso ist ohnehin variabel einsetzbar, kann in der Zentrale alle Positionen bekleiden. Im Spiel mit dem Ball schaltet er sich durchaus nach vorne ein, hat eine gute Übersicht und ist handlungsschnell. Allerdings scheut er sich auch nicht vor Zweikämpfen, zeigt sich durchaus robust - wichtig, um mögliche Konter zu unterbinden.


Thiago hingegen ist von filigraner Natur, ähnlich wie Rudy. Der Spanier ist - ​wenn er sich wie beim 5:0-Erfolg im Supercup in Bestform präsentiert - ein herausragender Taktgeber, mit einem sehr guten Auge für den Pass und einer guten Intuition sowie Übersicht. Im Frühling schwächelte er zwar ein wenig, doch in München ist niemandem verborgen geblieben, über welche Klasse am Ball der einstige Jugendspieler des FC Barcelona verfügt.


Natürlich kann immer wieder der Fall eintreten, dass gleich mehrere Spieler auf einmal verletzt sind. Doch aus diesem Grund noch einmal für Verstärkung zu sorgen, ist ob der Variabilität der einzelnen Akteure nicht nötig. Das neue Spielermaterial würde eine untergeordnete Rolle einnehmen, so wie sie Sebastian Rudy zuteil geworden wäre. Mit Javi Martinez gibt es den klaren Stammspieler im defensiven Mittelfeld, Corentin Tolisso und Thiago sind zwei denkbare Alternativen, die dem Trainer ohnehin im Kopf schweben. Daher gilt: Ein Transfer muss nicht getätigt werden.