Einen neuen Angreifer suchte Borussia Dortmund für die anstehende Saison, doch das Unterfangen zog sich über Monate hinweg. Kurz vor der Schließung des Transferfensters am morgigen Freitag schlugen die Verantwortlichen noch einmal zu: Paco Alcácer wird zunächst für ein Jahr vom FC Barcelona ausgeliehen, könnte dank einer Kaufoption allerdings langfristig an den BVB gebunden werden. Der 25-Jährige soll die Lücke im Angriff schließen. Sind die Westfalen nun gut genug aufgestellt, um in allen drei Wettbewerben eine gute Rolle zu spielen?


"Wir freuen uns sehr, dass sich Paco Alcácer für Borussia Dortmund entschieden hat und sind fest davon überzeugt, dass dieser Spielertypus gut zu unserer Spielweise passt", sagte Sportdirektor Michael Zorc nach der Bekanntgabe des Transfers. Der spanische Angreifer wurde beim FC Valencia ausgebildet und schnürte von 2005 bis 2016 die Schuhe für die 'Fledermäuse', ehe es zum ​FC Barcelona ging.

Trofeu Joan Gamper 2018'FC Barcelona v  Boca Juniors'

  Kehrt 'Barca' vorerst den Rücken: Paco Alcácer


In Valencia traf der 25-Jährige in 124 Einsätzen für die Profis 43-mal, in Barcelona waren es 15 Tore in 50 Partien. Dabei überzeugte er vor allem durch seinen schnellen Antritt, seine gute Geschwindigkeit und sein technisches Vermögen am Ball. Alcácer ist kein klassischer Mittelstürmer, sondern ein mitspielender Angreifer, der selbst auch mal gerne auf den Abschluss verzichtet und dafür seinen Mitspieler in Szene setzt. Trotz seiner Körpergröße von 1,75 Metern ist er robust, kann sich durchaus gegen seine Gegenspieler behaupten - und scheint daher wie gemacht für das technisch anspruchsvolle, ballbesitzorientierte Spiel von Trainer Lucien Favre.


Der Spieler selbst freut sich "total darauf, bald in der Bundesliga zu spielen. Der BVB mit diesen unglaublichen Fans und der berühmten Südtribüne hat wahrscheinlich für jeden Fußballspieler etwas Magisches", führte er fort.


Zwei Spitzen können reichen - solange keine Verletzungen eintreten


Klar ist, dass er regelmäßig spielen wird, sein einziger Konkurrent ist Maximilian Philipp. Gemeinsam mit dem vor der Saison als interne Lösung deklarierten Angreifer besitzt Favre nun zwei Optionen in der Spitze, kann somit auch für Entlastung sorgen. Das richtige System hat der Schweizer noch nicht gefunden, doch derzeit sieht alles danach aus, als würde er mit nur einem Stürmer spielen wollen - weshalb die Verpflichtung von Alcácer zwingend notwendig war.

Bayern Muenchen v Sevilla FC - UEFA Champions League Quarter Final Second Leg

   Bei Konkurrent Bayern München funktioniert die Doppelbesetzung bestens - wieso dann nicht auch beim BVB?


Dass zwei Angreifer durchaus ausreichen, beweist der FC Bayern München. Dort absolviert Robert Lewandowski einen Großteil der Partien, zur Schonung wird immer wieder Sandro Wagner aufs Feld geschickt. Der Pole erzielt seit Jahren über 30 Tore pro Saison, ist einer der Erfolgsgaranten der Münchner. Ähnlich soll es auch beim BVB ablaufen.


Die Borussia genießt nun den Vorteil, ebenfalls mit zwei Angreifern spielen zu können. Noch vor einem Jahr war Pierre-Emerick Aubameyang die einzige ernsthafte Option im Sturm, Maximilian Philipp stellte eher die Notlösung dar - machte sich jedoch gut. Auch in der Rückrunde gab es in Person von Michy Batshuayi nur den einen klaren Mittelstürmer, der Rest war ein Griff in die Trickkiste. Denn Alexander Isak ist zwar nominell im Sturm denkbar, eine richtige Chance wird er jedoch wohl nie erhalten.


Alcácer sorgt für Entlastung


Doch auch im offensiven Mittelfeld sorgt der Alcácer-Transfer für Entlastung. Philipp kann auch auf den Außenbahnen eingesetzt werden, dort zur Not den ein oder anderen ersetzen, sollte jemand verletzt fehlen. Allerdings ist man mit ​Marco Reus, Jadon Sancho, Christian Pulisic und Marius Wolf mehr als gut besetzt, weshalb diese Rotation wohl nur selten geschehen dürfte.


In der Spitze gestaltet sich die Situation ebenfalls angenehmer. Vor einer Woche war Philipp die einzig ernsthafte Option, wäre er ausgefallen, hätte Favre sich etwas einfallen lassen müssen - und beispielsweise Reus als Stürmer eingesetzt. Sollte nun einer der beiden Angreifer ausfallen, ist noch immer ein Ersatz vorhanden.

Borussia Dortmund v RB Leipzig - Bundesliga

  Dank des neuen Spielermaterials hat Lucien Favre nun eine breite Auswahl im Angriff


Zudem können beide Tore schießen, das hat allen voran Alcácer bewiesen. Doch auch Philipp deutete in der abgelaufenen Saison sein Potenzial an, erzielte neun Tore und gab sich selbstbewusst im Hinblick darauf, ​am Ende dieser Spielzeit noch mehr Treffer vorweisen zu können


Zorc kündigte frühzeitig an, ​keinen Transfer des Transfers wegen tätigen zu wollen, stattdessen stand Qualität immer im Vordergrund. Dass Paco Alcácer diese mitbringt, dürfte der 25-Jährige schnell unter Beweis stellen. Alles in allem darf man beim BVB aufatmen: Die Baustelle im Angriff konnte endlich geschlossen werden.