​Vor etwas mehr als einem Monat trat Mesut Özil im Zuge seiner dreiteiligen Mitteilung in den sozialen Medien von der deutschen Nationalmannschaft zurück - der Bundestrainer wurde darüber jedoch nicht persönlich informiert. Auf der heutigen Pressekonferenz offenbarte Joachim Löw daher ein gewisses Maß an Enttäuschung, auch aufgrund der gemeinsamen Zeit in den vergangenen Jahren.


Damalige Meldungen, nach denen er lediglich aus dem Internet von Özils Rücktritt erfahren habe, wies der 58-Jährige jedoch zurück: "Sein Berater hat mich spätnachmittags am Sonntag angerufen und hat mir gesagt, dass Mesut gleich die dritte Erklärung herausgibt und seinen Rücktritt bekanntgibt." 


Allerdings habe er sich einen persönlichen Anruf des nun Ex-Nationalspielers gewünscht, wobei Löw selbst versuchte, Kontakt aufzunehmen: "Normalerweise rufen mich die Spieler bei Rücktritten an und es gibt gute Gespräche. Mesut hat sich aber für einen anderen Weg entschieden, mich nicht anzurufen. Ich habe in den letzten zwei Wochen mehrfach versucht, ihn anzurufen, aber ich habe ihn nicht erreicht."

Die letztliche Auswirkung der Posse um das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan - wozu sich Özil bis kurz vor seinem Rücktritt überhaupt nicht äußerte - habe man innerhalb des DFB unterschätzt. "Wir haben alles versucht, auch mit Präsident Steinmeier, um das auszuräumen. Das Thema hat Kraft gekostet", moniert Löw, der sich klar gegen die Rassismusvorwürfe positionierte:


"Es war für mich aus sportlichen Gründen immer klar, dass ich Ilkay und Mesut aus sportlichen Gründen nominiere. Mit seinen Rassismus-Vorwürfen hat Mesut überzogen. Ich kann ganz klar sagen, dass im DFB niemals ein Ansatz von Rassismus vorhanden war. Die Spieler mit Migrationshintergrund haben immer gerne für uns gespielt und daran hat sich nichts geändert."

FBL-ENG-PR-CHELSEA-ARSENAL

  Ging nach der Weltmeisterschaft seinen eigenen Weg: Mesut Özil


"Mesut Özil war lange mein Spieler bei der Nationalmannschaft. Wir haben zusammen vieles erlebt, manche Rückschläge, aber auch viele Erfolge. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Özil einer der besten deutschen Spieler war, die es in den letzten 20, 30 Jahren gab. Das wird immer bleiben", fuhr Löw fort.


Der Bundestrainer hofft noch immer darauf, in Zukunft mit dem Offensivkünstler des ​FC Arsenal sprechen zu können: "Sicherlich wird es die Möglichkeit geben, dass es irgendwann mit ihm ein persönliches Gespräch gibt. Ich hätte mir gewünscht, dass er sich persönlich bei mir meldet. Im ersten Moment war sicherlich eine Enttäuschung da, dass ich es nicht von ihm persönlich erfahren habe."


Auch Özils Vorwürfe, man habe das letztliche Ausscheiden lediglich an ihm festgemacht, wies Löw entschiedend zurück: "Es lag nicht an einem einzigen, sondern wir haben alle in der Summe nicht das geleistet, was wir können. Das WM-Aus war für mich und für uns alle, die in der Verantwortung standen, ein absoluter Tiefschlag. Da gibt es nichts zu beschönigen. Bei diesem Turnier sind wir alle weit unter unseren Möglichkeiten geblieben und haben zu Recht die Quittung dafür bekommen."


Doch insgesamt bleibt ein gewisser Wermutstropfen bei Joachim Löw, der sich einen anderen Abgang des langjährigen Nationalspielers (92 Länderspiele) gewünscht hätte.