Im Zuge der Analyse für das Scheitern bei der Weltmeisterschaft präsentierte Joachim Löw auch den Kader für die anstehenden Begegnungen in der UEFA Nations League sowie dem Freundschaftsspiel gegen die peruanische Nationalmannschaft. Der große Umbruch blieb dabei aus, dennoch gab es einige Veränderungen, die der Bundestrainer dadurch erklärte, frischen Wind reinbringen zu wollen.


23 Spieler misst ​das Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die kommenden Aufgaben, ​allerdings ohne einige bekannte Gesichter: Die Torhüter Kevin Trapp und Bernd Leno sowie die Mittelfeldspieler Sami Khedira und Sebastian Rudy wurden gestrichen. Neu sind hingegen die Abwehrspieler Thilo Kehrer und Nico Schulz sowie Leverkusens Offensiv-Juwel Kai Havertz.

"Es ist an uns, einen richtigen Mix zu finden zwischen Erfahrung und jungen, dynamischen, hungrigen Spielern. Wir haben wichtige Aufgaben vor uns", sagte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz. Daher gelte es, "da die richtigen Schritte einzuleiten. Wir müssen die Mannschaft wieder neu einstellen und eine gute Mischung finden. Dann bin ich mir sicher, dass wir dieses Jetzt-erst-recht-Gefühl hinbekommen und dass die Mannschaft mit einer ganz anderen Freude, Begeisterung und Leidenschaft zu Werke gehen wird."


Sane erhält neue Chance - gehört ihm die Zukunft?


Wieder dabei ist Leroy Sane, dessen Nicht-Nominierung für die WM vor allem in England für Entsetzen sorgte. Ebenso erhält Nils Petersen eine zweite Chance, auch Ilkay Gündogan ist weiterhin fester Bestandteil der Mannschaft. "Wir stehen zweifelsohne vor wichtigen Aufgaben. Die Nations League nehmen wir absolut ernst. Deswegen ist es uns wichtig, richtig gut in die nächste Woche zu kommen. Wir haben mit dieser Analyse klare Vorstellungen, Ansätze und Ideen, wie wir diesen Worten Taten folgen lassen können", führte Löw fort.

Wolverhampton Wanderers v Manchester City - Premier League

  Über Leroy Sane sagte der Bundestrainer: "Seine Zukunft muss nach der WM beginnen"


Dass Khedira vorerst nicht mehr der Nationalmannschaft angehören wird, erklärte der 58-Jährige im Zuge der angestrebten Veränderungen: "Ich habe ihm aber auch gesagt, dass ich jetzt Raum und Platz für die eine oder andere Änderung schaffen möchte und dass wir zu gegebener Zeit weiter sprechen werden." Allerdings wird er auch in Zukunft auf den defensiven Mittelfeldspieler von Juventus Turin zählen können: "Mit Sami Khedira habe ich ein längeres Gespräch geführt. Er hat mir gesagt, aus der Nationalmannschaft tritt man nicht zurück. Er hat seine Bereitschaft signalisiert. Er hat sich klare Ziele gesetzt. Er hat signalisiert, dass er alles dafür tun wird, sich wieder für die Nationalmannschaft anzubieten."


Havertz, Schulz, Kehrer: Neuer Schwung für den alten Glanz


Havertz hingegen erhält aufgrund des Rücktritts von Mesut Özil eine Chance, sich unter Beweis zu stellen: "Man muss sehen, wie sich die jungen Spieler zeigen und wie sie sich entwickeln. Einige können auf dieser Position spielen", so der Bundestrainer über die freie Stelle im offensiven Mittelfeld. Der 19-Jährige kann zur Not auf die Außenbahn oder das zentrale Mittelfeld ausweichen, ​ersetzte am ersten Spieltag der Bundesliga Charles Aranguiz auf der 'Sechs', die er jedoch offensiver interpretierte. Trotz seines jungen Alters hat der gebürtige Aachener 55 Bundesligaspiele auf dem Konto, gilt bei Bayer Leverkusen als Hoffnungsträger für die Zukunft und bereits jetzt als wichtige Stütze. 

FC Bayern Muenchen v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

  Ist Nico Schulz der passende Mann für die linke Abwehrseite?


Nico Schulz hingegen konnte sich gegen Philipp Max vom FC Augsburg durchsetzen. Der 25-Jährige wechselte vor einem Jahr zu 1899 Hoffenheim, absolvierte im variablen System von Julian Nagelsmann 34 Pflichtspiele und wusste dabei über weite Strecken zu überzeugen. Auf der linken Abwehrseite soll er frischen Schwung reinbringen, seine Qualitäten im Spiel nach vorne einsetzen und hinten so rigoros verteidigen, wie er es zuletzt bei der ​1:3-Niederlage gegen Bayern München tat.


Auf dieser Position könnte allerdings auch Thilo Kehrer spielen, ​der erst kürzlich vom FC Schalke 04 zu Paris St. Germain wechselte. Der 21-Jährige kann jede Position in der Abwehrreihe bekleiden, spielte unter Domenico Tedesco vornehmlich in der Dreierkette und wird dort auch von Thomas Tuchel in Paris eingesetzt. Gerade in der letzten Saison startete Kehrer durch, war neben Naldo und Benjamin Stambouli gesetzt - in Paris soll nun der nächste Schritt folgen.


Allzu groß ist der Umbruch doch nicht ausgefallen, doch Löw weiß, welches Potenzial in der Mannschaft steckt, weshalb er auch gar nicht viel verändern will. Viel mehr soll ein neuer Impuls durch die wenigen Rotationen erfolgen, das Feuer durch die Konkurrenz speziell in der Defensive neu entfacht werden.