​Borussia Dortmund präsentierte sich zum Bundesliga-Auftakt gegen Leipzig deutlich verbessert gegenüber dem schwachen Pokal-Auftritt gegen Greuther Fürth. Vor allem das neu formierte Mittelfeld um die Neuzugänge Axel Witsel und Thomas Delaney sowie dem stark verbesserten Mahmoud Dahoud konnte sich empfehlen. Auffällig war, dass sich die Rollen und Fähigkeiten der Spieler im Dreier-Mittelfeld nun besser ergänzten.


"In dieser Formation hat unser Mittelfeld eine großartige Ausdauer, ist stark in der Luft und insgesamt sehr physisch. Wir können außerdem im Mittelfeld durchtauschen, jeder von uns kann im defensiven Mittelfeld oder auf der Achter-Position spielen. Es hat ziemlich gut funktioniert", lobte etwa Thomas Delaney laut ​ESPN die Aufstellung von ​Borussia Dortmund im Mittelfeld und hob anschließend die Qualitäten seiner Mitspieler hervor. 


"Axel Witsel ist ein Spieler, der viel Ruhe am Ball ausstrahlt. Mo Dahoud geht immer für das Spektakuläre und versucht etwas Besonderes zu kreieren, während ich als Box-to-Box-Spieler vor und zurück renne. Wir sind sehr unterschiedliche Spieler."


Diese Einschätzungen bestätigten sich beim ​Bundesliga-Auftakt. Während Neuzugang Witsel im Pokal noch von der Bank kam, stand der Belgier gegen ​RB Leipzig als Sechser in der Startelf und verlieh dem BVB viel Ruhe und Präsenz im Mittelfeld. Und auch Favre-Schützling Dahoud war in der offensiveren Rolle als Achter in dem 4-3-3 deutlich besser aufgehoben, als auf der Doppelsechs gegen Fürth. 


Der 22-jährige agierte im Ballbesitz als Spielmacher, strahlte viel Kreativität aus und war an den meisten guten Offensivaktionen der Dortmunder beteiligt. Delaney fungierte in dem 4-3-3 in seiner Paraderolle als Box-to-Box-Achter und mit seinem läuferischen Einsatz als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive.

Auch Neu-Trainer Lucien Favre zeigte sich gegenüber den ​Ruhr Nachrichten zufrieden mit der Leistung des Mittelfelds gegen Leipzig. "Er bringt uns Ruhe im Spielaufbau - und er macht Tore. Der Treffer heute war wichtig und schön", äußerte Favre etwa über Neuzugang Witsel. Besonders im wichtigen Spielaufbau habe Witsels Klasse geholfen. "Er hat versucht, da Ruhe reinzubringen mit seiner Sicherheit", bestätigte auch BVB-Kapitän Marco Reus. 


Sebastian Kehl lobte derweil die Leistung von Delaney, der Vorgänger Kehl nicht nur als Führungsspieler, sondern auch von seiner Spielanlage ähnlich kommt: "Diese Körperlichkeit hat uns geholfen." Der 22-jährige Dahoud zeigte sich stark verbessert gegenüber seinem ganz schwachen Auftritt im ersten Spiel gegen Fürth. "Mo bringt mit seiner Quirligkeit, Wendigkeit und seinen technischen Fähigkeiten noch einmal Elemente mit, die die anderen beiden nicht haben. Deswegen hat es in dieser Konstellation sehr, sehr gut geklappt", ​lobte auch Ex-Spieler Kehl die Konstellation im Mittelfeld.


So konnten die drei aufgebotenen Mittelfeldspieler dank des Systems ihre Stärken optimal ausspielen und ergänzten sich als Spielertypen: Während Witsel mit den meisten Ballkontakten (68) und einer Passquote von 91 Prozent überzeugte, gewann Delaney 100 Prozent seiner Tacklings und konnte die meisten Bälle aller Dortmunder abfangen. ​Dahoud gab derweil mit vier Schüssen die meisten aller BVB-Spieler ab. Alle drei Mittelfeldspieler waren darüber hinaus direkt an Toren beteiligt. 

Kehrseite der Medaille ist die Frage, ob die eher offensive Ausrichtung des Mittelfelds nur mit Witsel auf der Sechs auch gegen ebenbürtige Mannschaften funktioniert, und wie die aktuellen Ersatzspieler in das System passen. Spieler wie der von seiner Adduktorenverletzung zurückkehrende Julian Weigl und der auf dem Abstellgleis stehende Nuri Sahin sind nur auf der Sechs vorstellbar, die aber an den gesetzten ​Witsel vergeben sein dürfte. 


Mario Götze könnte als Achter in einer ähnlichen Rolle wie zuletzt Dahoud agieren, müsste dafür aber seinen läuferischen Einsatz und seinen Zug zum Tor steigern. Ein klassischer Zehner wie Shinji Kagawa findet in dem 4-3-3 keinen Platz. 


Deshalb scheint die Grundordnung aus dem ersten Bundesligaspiel unter Favre und die Aufstellung des Mittelfelds trotz der guten Leistung noch nicht in Stein gemeißelt. Aufgrund des Spielermaterials im zentralen Mittelfeld und der offenen Fragen im Sturmzentrum sind unter Favre auch Formationen mit zwei Sechsern oder zwei Mittelstürmern denkbar, um schwerpunktmäßig Präsenz auf diesen Positionen herzustellen. 


Außerdem scheinen wenige Tage vor Schließung des Transferfensters auch noch Abgänge denkbar, um die Personalsituation vor allem im Mittelfeld zu entspannen: "Wir haben einen sehr großen Kader, der Trainer hat sehr schwere Entscheidungen zu treffen. Lasst uns abwarten, was bis Freitag passiert", meint deshalb auch Sebastian Kehl, der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung.