Der ​FC Bayern München greift in jeder Saison nach dem Maximum, doch seit dem Triple-Erfolg im Jahr 2013 scheiterte der Rekordmeister in der Champions League regelmäßig in der Vorschlussrunde, in der es teils schmerzhafte Niederlagen setzte. Auch in diesem Jahr wollen die Münchner wieder den begehrten Henkelpott gewinnen, doch in den Augen von Ex-Bundestrainer Berti Vogts wird der Erfolg in der 'Königsklasse' auch in diesem Jahr nur ein Traum bleiben.


Der 71-Jährige kritisiert dabei allen voran die Transferpolitik der Bayern, die als einzig echten Neuzugang Leon Goretzka zu verzeichnen haben, der ablösefrei vom FC Schalke 04 an die Isar wechselte. Hinzu kommen die beiden Rückkehrer Serge Gnabry und Renato Sanches. Zwar kündigte Präsident Uli Hoeneß an, ​im kommenden Jahr größere Transfers in Angriff zu nehmen, doch in Vogts' Augen hätte man bereits in dieser Transferperiode zuschlagen sollen.

SV Drochtersen-Assel v Bayern Muenchen - DFB Cup

  Der bislang einzige Neuzugang der Bayern: Leon Goretzka



"Ohne Investitionen in diesem Sommer werden sie die Champions League nicht gewinnen", lautet die Prognose des langjährigen Bundestrainers (1990 - 1998) in seiner ​t-online Kolumne. "Ich habe großen Respekt vor Trainer Niko Kovac. Aber das Thema Neuverpflichtungen können sie noch nicht ernsthaft abgeschlossen haben. Denn die anderen Topklubs in Europa rüsten weiter auf." Kovac ist jedoch mit dem bisherigen Kader zufrieden, das Aufgebot erscheint den Verantwortlichen ohnehin aufgrund des Überangebots im zentralen Mittelfeld etwas zu groß. Einzig dann, wenn Jerome Boateng den Verein doch noch verlassen sollte, werde man möglicherweise nach einem Ersatz Ausschau halten.


Liga und Nationalmannschaft "am Boden" - Vogts fordert Veränderungen


Doch Vogts kritisiert neben den Münchnern auch den Rest der Liga sowie die Nationalmannschaft, da diese in seinen Augen unmittelbar miteinander zusammenhängen. Beide liegen in seinen Augen "gleichermaßen am Boden" und müssten sich steigern. "Der Wiedergutmachungs-Modus ist angesagt – auf allen Ebenen", so Vogts, der einen lauten Appell an die Bundesligisten richtete.


"Schluss mit Schlafwagenfußball – nur so kann die Devise lauten. Ich will kein Ballgeschiebe mehr sehen – hin und zurück und wieder hin. Es muss wieder Spaß machen, sich Bundesligaspiele anzuschauen." Ein mutiger Auftritt auf dem Platz sei dafür die Voraussetzung: "Die Spieler müssen wieder an sich glauben, sich Offensivaktionen zutrauen."


Doch auch die Trainer nimmt er in die Pflicht: "Ich wünsche mir mutige Trainer, die aus allen Positionen nach vorne spielen lassen." Die Vereine dürften den Titel nicht bereits vor der Saison abschenken und dem FC Bayern die Schale kampflos überlassen. Stattdessen seien Borussia Dortmund, Schalke 04, 1899 Hoffenheim und RB Leipzig Vereine, die das Potenzial hätten, die Münchner "auch mal anzugreifen".


Der Blick soll erneut auf die Konkurrenten gerichtet werden


"Aktuell wird die Liga gar nicht mehr ernst genommen. Oder warum kommt kein einziger Top-Star mehr nach Deutschland?", führt Vogts fort, der im weiteren Verlauf einen Lösungsvorschlag präsentiert: "Wir müssen den Blick endlich wieder ins Ausland richten, um zu lernen. Nach der WM 1998 war ich – genau wie einige andere DFB-Trainer – monatelang unterwegs, um die französischen Fußball-Akademien anzuschauen und zu lernen. Ich glaube, dass das zuletzt gar nicht mehr passiert ist." 

FUSSBALL: EURO 1996 FINALE CZE

  Bei der EM 1996 gewann Berti Vogts als Bundestrainer mit der deutschen Nationalmannschaft den bislang letzten EM-Titel - zwei Jahre später war Schluss

 


Stattdessen war es in den vergangenen Jahren umgekehrt der Fall. Vermehrt richtete die internationale Konkurrenz den Blick nach Deutschland, wo seit den schwachen Resultaten bei den Weltmeisterschaften 1994 und 1998 die Nachwuchsleistungszentren modernisiert wurden und in den vergangenen Jahren viele Spieler, die heutzutage auf international hohem Niveau agieren, hervorbrachten.


Doch das frühe Ausscheiden in der Gruppenphase bei der diesjährigen Weltmeisterschaft spaltet die Meinungen. Während einige, wie beispielsweise Berti Vogts, gravierendere Veränderungen fordern, relativiert so manch anderer die Geschehnisse der vergangenen Wochen und Monate. Allerdings scheint klar: Der Status quo muss sich ändern.