​Der ungarische Rekordmeister Ferencváros Budapest hat sich überraschend von seinem Erfolgscoach Thomas Doll getrennt. Nachdem die Mannschaft schon früh in der Europa-League-Qualifikation gegen Maccabi Tel Aviv gescheitert war, hatte es bereits hinter den Kulissen vermehrt Unruhe gegeben. Nun zog der Klub die Reißleine und entließ den ehemaligen HSV- und BVB-Trainer. Im Interview äußert sich der Deutsche zum Aus und den Gründen nach insgesamt fünf Jahren. 


Wie der 52-Jährige in der Hamburger Morgenpost verriet, sei es nach der langen Zusammenarbeit alles andere als ein leichter Abgang. "Der Abschied tut mir weh. Ich bin enttäuscht, dass es so zu Ende gehen musste, denn es war eine fantastische, sehr erfolgreiche Zeit." Der Klub hatte den Erfolgscoach, der mit Ferencváros seit seiner Amtsübernahme Ende 2013 einmal Meister sowie dreimal Pokalsieger wurde, am Dienstag freigestellt, obwohl man in der aktuellen Saison in Ungarn nach fünf Spielen mit 13 Punkten Tabellenführer ist. 

Ujpest FC v Ferencvarosi TC - Hungarian OTP Bank Liga

Nicht mehr Trainer von Ferencváros Budapest: Ex-Bundesligacoach Thomas Doll 



Hauptgrund für die Trennung scheint vor allem das frühe Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen Maccabi Tel Aviv Mitte Juli zu sein. Im Anschluss an die gescheiterte Qualifikation sei die Erwartungshaltung im Klub laut Doll wohl nicht mehr unbedingt realistisch gewesen. "Einige im Klub sind wohl gierig geworden", so der ehemalige HSV-Coach. "Wir haben immer viele Spieler abgeben müssen. Die Neuen kamen zum Teil erst weit in der Vorbereitung. Da brauchst du Zeit und hast schlechte Karten, wenn du dich so früh in einer Saison für Europa qualifizieren willst." 


Trotz der durchaus plausiblen Rechtfertigung ist der Deutsche, der nach den​ Hamburgern auch noch als Coach von ​Borussia Dortmund tätig war, nun zunächst vereinslos. Umziehen werde er deshalb aber erst einmal nicht, wie er verriet. "Ich werde in Budapest bleiben. Das bleibt erst mal mein Lebensmittelpunkt." An Interessenten dürfte es nach der erfolgreichen Zeit in Ungarn künftig wohl nicht mangeln, dennoch wolle er sich die nötige Zeit bei der Suche nach einem neuen Klub lassen. "Es wird der Tag kommen, an dem sich etwas Neues ergibt. Aber man muss vorsichtig sein, was so spekuliert wird, da ist auch gern mal Unsinn dabei", so Doll. 

​​Bei Ferencváros Budapest übernahm am Mittwoch ausgerechnet Ex-Ukraine-Star Sergio Rebrov seinen Platz als Chefcoach. Er hatte schon seit mehreren Wochen mit dem Trainerposten bei dem ungarischen Rekordmeister geliebäugelt - erfolgreich, wie sich nun herausstellte.