Das erste Pflichtspiel der Saison haben sich die Spieler und Verantwortlichen des ​FC Bayern München sicherlich anders vorgestellt. ​Gegen die SV Drochtersen/Assel gelang lediglich ein 1:0-Sieg, der Treffer fiel kurz vor Ende der regulären Spielzeit durch Robert Lewandowski. Die Mannschaft von Niko Kovac blieb über weite Strecken erschreckend schwach, die mühselige Offensive gab ein wenig zu Bedenken.


Eigentlich dürften die meisten Zuschauer im kleinen Kehdinger Stadion mit einem Kantersieg des Rekordmeisters gerechnet haben, doch der Regionalligist aus der kleinen niedersächsischen Gemeinde Drochtersen hielt über 90 Minuten beeindruckend gegen die Münchner, die ihre schlussendlichen 84 Prozent Ballbesitz kaum nutzten - bis Robert Lewandowski in der 81. Minute einen Schuss von Leon Goretzka entscheidend abfälschte.


Ohne James Rodriguez, dafür aber unter anderem mit Thomas Müller und Thiago starteten die Bayern in die Partie. Der Kolumbianer klagte zuletzt über Schmerzen am Sprunggelenk, ein Einsatz kam nicht in Frage. Wie sehr die (noch) Leihgabe von Real Madrid fehlt, deutete sich erstmals am gestrigen Samstagnachmittag an. Der 27-Jährige steht in der Zentrale für Kreativität, für seine technische Finesse am Ball und den nötigen Zug zum Tor. Die acht Treffer sowie 14 Vorlagen in der Vorsaison waren gewiss kein Zufall, weshalb man gegen eine Mannschaft wie Drochtersen/Assel mit Sicherheit einen Hauch von James' Qualitäten benötigt hätte.

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN-MUNICH-TRAINING

   Fiel verletzungsbedingt aus - und wurde schmerzlich vermisst: James Rodriguez


Das grundsätzliche Problem war jedoch, dass das Tempo schlichtweg fehlte. "Es ist immer schwierig, wenn eine Mannschaft hinten drin steht. Wir haben eigentlich über das komplette Spiel viel zu langsam gespielt, den Ball nicht schnell genug laufen lassen", sagte beispielsweise Joshua Kimmich laut ​Sport1"Vieles haben wir heute nicht gezeigt von dem, was uns ausmacht, was uns stark macht. So darf man nächste Woche nicht auftreten", mahnte der Rechtsverteidiger im Hinblick auf den Bundesliga-Auftakt gegen die TSG Hoffenheim, die ihr Parallelspiel beim 1. FC Kaiserslautern beeindruckend mit 6:1 gewann und in ihrer letzten Saison unter Julian Nagelsmann mutiger denn je auftritt.


Neuer: "Haben nicht die richtigen Lösungen gehabt"


"Als Bayern fühlt es sich fast wie eine Niederlage an, heute nur 1:0 zu gewinnen", führte er fort - Kapitän Manuel Neuer sah es allerdings ein wenig neutraler. "Die Tore und Großchancen haben uns gefehlt, gerade in der ersten Halbzeit. Da haben wir nicht die richtigen Lösungen gehabt, deswegen ist es nur 1:0 ausgegangen", so der 32-Jährige, der in der 33. Minute in den Blickpunkt geriet, als er die Führung für den Außenseiter verhinderte. "Es war sehr minimalistisch, aber das wichtige ist, dass wir in die nächste Runde eingezogen sind. Für ins ist das allerwichtigste, wieder nach Berlin zu kommen und den Pokal zu gewinnen."


Nach Berlin will auch Trainer Niko Kovac, der schon in den vergangenen beiden Jahren das Pokalfinale erreichte und daher ein wenig gelassener blieb: "Drochtersen/Assel hat einen tollen Kampf und große Leidenschaft gezeigt. Ich bin froh, dass wir weiterhin im Pokal dabei sind. Es war ein schwieriges Spiel, wie es im Pokal passiert. Wir wollten das eigentlich nicht und waren gewarnt. Wir haben zu langsam gehandelt, aber unter dem Strich zählt das Weiterkommen", wird er in der ​tz zitiert - allerdings dürfte auch er nicht zufrieden sein mit dem, was die Seinen auf dem Platz angeboten haben.

Bayern Muenchen v Manchester United - Friendly Match

         Kingsley Coman fehlt noch immer das ein oder andere Prozent


Denn auch Kingsley Coman, der in der 52. Minute für Arjen Robben eingewechselt wurde, brachte nicht den nötigen Effekt. Der junge Franzose will in diesem Jahr den Durchbruch schaffen, gemeinsam mit Serge Gnabry - der gestern verletzt fehlte - den Generationswechsel vorantreiben. Doch auch ihm fehlen noch die letzten Prozente, so beispielsweise in der Entscheidungsfindung. Die letzte Aktion ist noch zu unentschlossen, die Hereingaben noch nicht präzise genug. Er wird weiterhin ein wenig Zeit brauchen, deutete in den vergangenen Wochen allerdings immer wieder an, welches Potenzial in ihm steckt.

Somit herrschen einige Fragezeichen vor dem Start in der Liga, der alles andere als einfach werden wird. 1899 Hoffenheim qualifizierte sich im vergangenen Jahr für die Champions League, bislang sieht es danach aus, als hätte man in der Vorbereitung noch einmal eine Schippe drauflegen können. Für den FC Bayern hätte es durchaus angenehmere Partien zum Start geben können, weshalb man den mehr als mageren Auftritt gegen Drochtersen/Assel abhaken und sich voll und ganz auf die anstehende Woche fokussieren muss.