​Während Borussia Dortmund noch nach einem neuen Torjäger fürs Zentrum sucht, scheint Neu-Trainer Lucien Favre mit seinem jungen Personal auf den offensiven Außen durchaus zufrieden. Da Maximilian Philipp aktuell als Mittelstürmer eingeplant ist, sollen nach den Abgängen von Andriy Yarmolenko und André Schürrle der 18-jährige Jadon Sancho und Neuzugang Marius Wolf die Lücke auf den Flügeln füllen. Außerdem könnte das dänische Talent Jacob Bruun Larsen nach einer starken Vorbereitung zum X-Faktor im Dortmunder Sturm werden. 


Nachdem Lucien Favre während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach noch nahezu ausschließlich in einem 4-4-2 spielen ließ, arbeitete der Schweizer beim OGC Nizza in der Regel mit einer 4-3-3 Grundordnung und ließ auch in der bisherigen Vorbereitung mit seinem neuen Klub ​Borussia Dortmund bevorzugt in einem 4-3-3 spielen. Da nach dem Leihende von Michy Batshuayi und dem Winter-Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang der 18-jährige Schwede Alexander Isak der einzig verbliebene nominelle Mittelstürmer im Dortmunder Kader ist, kam in der Vorbereitung unter Favre vor allem Außenstürmer Maximilian Philipp auf der Neun zum Einsatz. Der 24-Jährige kam im vergangenen Jahr vom ​SC Freiburg und konnte in insgesamt 28 Einsätzen für den BVB bisher neun Tore erzielen.

Abgsehen von seltenen Phasen, in denen Favre den BVB bisher in einem 4-4-2 spielen ließ, bei dem Marco Reus als zweite Spitze neben Philipp agierte, besetzte der deutsche Nationalspieler und neue Dortmunder Kapitän in der Regel den linken Flügel. Der 29-Jährige, der alternativ auch als hängende Spitze oder offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden könnte, hat seinen Stammplatz unabhängig vom System sicher. Auf dem rechten Flügel bekam US-Youngster Christian Pulisic bisher die meiste Spielzeit und konnte überzeugen. Der 19-Jährige zeigte vor allem auf der USA-Tour des BVB starke Leistungen und erzielte zwei Tore gegen den ​FC Liverpool. Pulisic passt mit seiner Schnelligkeit und seinen Tempodribblings gut in Favres Spielsystem und verfügt trotz seines jungen Alters bereits über viel Erfahrung: Insgesamt 97 Pflichtspiele machte der 19-Jährige bereits für die Profis und kommt dabei auf 32 Torbeteiligungen. 


Teure Bankdrücker mussten gehen


Borussia Dortmund hat in dieser Transferperiode die beiden erfahrenen Außenstürmer Andriy Yarmolenko und André Schürrle abgegeben, die ihren relativ hohen Ablösen nicht gerecht werden konnten. Der 28-jährige Ukrainer Yarmolenko verlässt den BVB bereits nach einem Jahr wieder in Richtung West Ham United, nachdem er 2017 für 25 Millionen Euro gekommen war. In 26 Einsätzen für Schwarz-Gelb gelangen Yarmolenko zwölf Torbeteiligungen, allerdings konnte er in der Rückrunde nicht mehr an seinen starken Saisonstart anknüpfen und nie wirklich in Dortmund einleben. Außerdem wird Ex-Nationalspieler Schürrle für zwei Jahre zum FC Fulham verliehen. Der Weltmeister war 2016 für 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg gekommen, konnte sich aber in Dortmund nicht als Leistungsträger etablieren. Nach zwei Jahren stehen nur 17 Torbeteiligungen in 51 Spielen für den BVB zu Buche. Nach diesen Wechseln ist Kapitän Reus der einzige Stürmer im Dortmunder Kader, der älter als 24 Jahre ist.


Kompensiert wurden die Abgängen der offensiven Außen durch die Verpflichtung von Marius Wolf von Pokalsieger ​Eintracht Frankfurt und die Beförderung des 19-jährigen Dänen Jacob Bruun Larsen in den Profikader. Während Neuzugang Wolf vor allem in der ersten Hälfte der Vorbereitung viel spielte, sich aber nicht wirklich empfehlen konnte, bekam auch Bruun Larsen seine Chance unter Favre und zeigte starke Leistungen. So gelang ihm unter anderem beim Sieg gegen den FC Zürich ein Dreierpack. Nachdem es ursprünglich hieß, dass der 19-Jährige nach der letztjährigen Leihe zum VfB Stuttgart in diesem Sommer erneut verliehen werden sollte, dürfte der junge Däne nach der Berufung von Maxi Philipp ins Sturmzentrum und einer starken eigenen Vorbereitung nun doch beim BVB bleiben und seine Chance unter Favre bekommen. Der Flügelstürmer spielte seit 2015 für die Jugend der Borussia und konnte in der U19 mit 67 Torbeteiligungen in 62 Spielen auf sich aufmerksam machen.

Favre setzt auf die Jugend


Den nächsten Schritt machen soll auch das 18-jährige Toptalent Jadon Sancho. Nachdem der junge Engländer bereits in der vergangenen Saison auf zwölf Einsätze für die Profis kam und dabei vier Tore vorbereitete, dürfte Sancho nach den Abgängen von Yarmolenko und Schürrle die erste Einwechseloption auf den Flügeln sein. Sollte Reus wider Erwarten im Sturm oder hinter der Spitze spielen, könnte für den 18-Jährigen sogar ein Platz auf der linken Seite frei werden. Denn wie Pulisic und Bruun Larsen spielte auch der dritte U19-Außenstürmer des BVB eine starke Vorbereitung und passt mit seiner guten Ballbehandlung und Qualitäten im Eins-gegen-Eins optimal in die Spielphilosophie von Favre. 


Sicherlich birgt es ein gewisses Risiko, mit so vielen jungen Talenten auf der Position in die Saison zu gehen, allerdings haben Spieler wie Pulisic, Wolf und Sancho ihre Qualität bereits unter Beweis gestellt, vor allem die Jüngeren eine starke Vorbereitung gespielt, und mit Favre nun einen Trainer, der gern auf junge Spieler setzt und diese weiterentwickelt. Während also noch ein Mittelstürmer kommen dürfte, sind die Planungen auf den Flügeln beim BVB höchstwahrscheinlich abgeschlossen.