BAD RAGAZ, SWITZERLAND - AUGUST 05: Head coach Lucien Favre of Dortmund gestures during the Borussia Dortmund training camp on August 5, 2018 in Bad Ragaz, Switzerland. (Photo by TF-Images/Getty Images)

Vor dem Saisonstart: Die fünf größten Baustellen von Borussia Dortmund

Borussia Dortmund will sich in den kommenden Jahren wieder rehabilitieren und die zweite Kraft hinter Serienmeister Bayern München bilden, weshalb unter anderem Lucien Favre als neuer Trainer engagiert wurde.


Die bisherige Vorbereitung lief in den Augen des Schweizers gut, doch auch er weiß, dass es derzeit innerhalb der Mannschaft noch einige Baustellen gibt, die er gemeinsam mit den sportlichen Verantwortlichen um Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schließen muss - wobei er bei manchen Fragen eine alleinige Antwort finden muss.


Die Problemzonen sind dabei vielfältig, wobei vor allem die Größe des Kaders eine Rolle spielt. Im Folgenden präsentieren wir fünf Dinge, die beim BVB noch nicht optimal geregelt sind. 

1. Die Suche nach einem Mittelstürmer

Es ist das Dauerthema am Borsigplatz: Die Suche nach einem neuen Angreifer. Diese zieht sich schon seit Monaten, wobei früh klar war, dass Winter-Leihgabe Michy Batshuayi kein ernsthafter Kandidat auf eine feste Verpflichtung sein würde - der Belgier war schlicht zu teuer.


Allerdings will man auch Vorsicht walten lassen, weshalb auch immer wieder eine interne Lösung in Betracht gezogen wird. Favorit hierbei ist Maximilian Philipp, der während der Vorbereitung durchaus zu überzeugen wusste. Doch falls man sich für den 25-Jährigen entscheidet, ist die Frage: Wer könnte ihn zur Not ersetzen?


Alexander Isak dürfte diese Rolle nicht zuteil werden, wie die Ruhr Nachrichten melden. Zuletzt wurde auch Flügelspieler Jadon Sancho im Zentrum getestet, doch aller Voraussicht nach wird es ohnehin nicht 'den einen Mittelstürmer' geben.

2. Die Torwart-Situation

Roman Bürki zeigte in der abgelaufene Saison eine inkonstante Leistung und fiel immer wieder durch einige Patzer auf, die im schlimmsten Fall gar den ein oder anderen Punkt kosteten. Roman Weidenfeller, der im Mai seine Karriere beendete, stellte allerdings kaum eine ernsthafte Gefahr dar - weshalb mit der Verpflichtung von Marwin Hitz nochmal neuer Druck auf Bürki ausgeübt werden sollte.


Doch obwohl der 30-Jährige beim FC Augsburg konstant gute Leistungen zeigte und auch in der Vorbereitung frühzeitig und akribisch daran arbeitete, den Konkurrenzkampf so spannend wie möglich zu machen, ist es fraglich, ob er sich dauerhaft durchsetzen könnte. Auf europäischer Ebene stand Hitz zwölf Mal in der Europa League auf dem Platz, die Königsklasse ist ihm jedoch völlig fremd.


Dort kann Bürki zwar mehr Erfahrung vorweisen, doch ihm wird es möglicherweise erneut an Konstanz mangeln. Klar ist, dass der BVB zwei solide Torhüter unter Vertrag stehen hat - doch die Besetzung wirkt im Vergleich zu Bayern München, Bayer Leverkusen, Schalke 04 oder Borussia Mönchengladbach etwas schwächer.

3. Der taktische Feinschliff

Schon nach der kurzen Zeit, in der Lucien Favre das Kommando auf dem Trainingsplatz übernommen hat, lässt sich feststellen, dass der 60-Jährige viel bewegt hat. Die Mannschaft befindet sich auf dem richtigen Weg, doch sie ist scheinbar noch weit weg von dem zu sein, was sich der Trainer vorstellt: "Wir brauchen mehr Geduld, wenn wir angreifen. Wir müssen taktisch besser werden. Wir dürfen nicht überhastet spielen und viele Bälle für nichts verlieren", sagte Favre kürzlich gegenüber der Sport Bild


Auch Torhüter Roman Bürki wies nach dem 1:0-Sieg über Lazio Rom auf den einen oder anderen Mangel hin: "Ich glaube, wir könnten noch ein bisschen torgefährlicher werden. Wir spielen oft quer über den Platz und haben nicht diese Rhythmuswechsel, die wir uns wünschen. Da sehe ich vielleicht noch das eine oder andere Potential, dass wir noch ein bisschen zielstrebiger nach vorne spielen und auch torgefährlicher werden", so der 27-Jährige.


Die ersten Wochen der neuen Saison dürften daher nicht allzu einfach werden, doch klar ist: Der BVB befindet sich - trotz allem - auf einem guten Weg.

4. Überangebot im Zentrum

Julian Weigl, Axel Witsel, Thomas Delaney, Nuri Sahin, Dzenis Burnic, Mahmoud Dahoud, Sebastian Rode, Mario Götze, Shinji Kagawa - die Liste derer, die in der kommenden Saison im zentralen Mittelfeld spielen könnten, ist beim BVB groß, wenn nicht sogar zu groß.


Ähnlich wie der FC Bayern München kämpfen auch die Dortmunder mit einem Überangebot auf dieser Position, weitere Abgänge sind daher nicht ausgeschlossen. Am ehesten könnte es wohl Burnic, Sahin oder Rode treffen, gehen will jedoch keiner von ihnen. Viel mehr will sich jeder noch einmal unter Beweis stellen und wittert unter Favre eine neue Chance. Doch dass es nur für die wenigsten reicht, sollte allen klar sein. Daher sollte der eine oder andere noch einmal darüber nachdenken, ob die Entscheidung, beim BVB zu bleiben, die richtige ist.

5. Der Kader ist noch zu groß

Doch auch abseits des zentralen Mittelfelds wirkt der Kader zu aufgebläht. Derzeit misst das Aufgebot 29 Spieler, was zwar bei weitem nicht der Höchstwert ist - den Eintracht Frankfurt mit 36 Akteuren stellt - doch die bisherige Zusammenstellung birgt die Gefahr, dass sich während der Saison Unzufriedenheit breit macht.


Die meisten Positionen sind doppelt besetzt, doch auf der Rechtsverteidiger-Position besteht aufgrund Jeremy Toljans Absichten, nicht wechseln zu wollen, genauso ein Überangebot wie im zentralen Mittelfeld. Zwar dürfte man sich trotz einer Transferbilanz von etwa minus 24 Millionen Euro keine Sorgen wegen des Financial Fair Play machen, doch um die Zufriedenheit im Kader zu gewährleisten, wird der eine oder andere bis zum 31. August seine Koffer möglicherweise packen müssen.