​Neben den direkten Auswirkungen der Affäre um das Foto von Ex-Nationalspieler Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan könnte sich die anschließende politische Diskussion auch auf die Vergabe der Europameisterschaft 2024 auswirken. Denn die einzigen beiden Bewerber für die EM 2024 sind Deutschland und die Türkei. 


Der Chef der türkischen EM-Bewerbung Servet Yardimci hofft laut ​Sportbuzzer darauf, dass die Affäre um Özils Foto mit Erdogan der Türkei im Wettbewerb um die Austragung einen Vorteil verschaffe: "Es ist eine internationale Geschichte geworden und sehr unglücklich. Ich hoffe, das wirkt sich zu unseren Gunsten aus, denn Özil hat das alles nicht verdient", äußerte Bewerbungschef Yardimci. Die Türkei hofft darauf, dass der DFB und damit die deutsche EM-Bewerbung durch die Affäre einen Imageschaden erleiden und die türkische Bewerbung davon profitieren kann. 


Nachdem Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten war und in seinem Statement unter anderem der deutschen Öffentlichkeit, den deutschen Medien und dem DFB Rassismus vorwarf, hatten sich im In- und Ausland viele Menschen mit Özil solidarisiert, obwohl Özil wenige konkrete Belege für seine Vorwürfe vor allem gegenüber dem DFB liefern konnte. Viele Beobachter in Deutschland hatten in den Rassismus-Vorwürfen eine Scheindiskussion ausgemacht, um vom Kern des Anstoßes abzulenken.

Denn ursprünglich ging es darum, dass ein aktiver deutscher Nationalspieler sich freiwillig während des türkischen Wahlkampfs mit dem Präsidenten Erdogan traf, sich danach nicht dazu äußerte und auch in seinem späteren Statement keine stichhaltigen Gründe für dieses Treffen nannte. Insgesamt erscheint fragwürdig, warum sich andere deutsche Nationalspieler mit Migrationshintergrund nicht in solcher Weise über strukturellen Rassismus in DFB und Öffentlichkeit äußerten, wie es Özil in seiner Rücktrittserklärung tat. 


Dennoch wurde die Diskussion um Alltagsrassismus in den Medien und auch im Ausland aufgegriffen, weshalb sicher von einem Imageschaden für den deutschen Fußball gesprochen werden kann. Inwieweit dies einen Einfluss auf das Stimmverhalten der UEFA-Mitgliedsverbände bei der EM-Vergabe haben wird, lässt sich allerdings nicht abschätzen. Die Entscheidung über die Vergabe fällt Ende September diesen Jahres. Der türkische Bewerbungschef Yardimci erklärte zu den Vorzügen der türkischen Bewerbung, dass die Botschaft der Türkei sei, "Grenzen zu öffnen" und "neue Märkte für die UEFA zu schaffen", weshalb eine Vergabe der EM 2024 an die Türkei "unwiderstehlich" sei.