ROTTACH-EGERN, GERMANY - JULY 26: Tobias Strobl of Borussia Moenchengladbach looks on during the Friendly match between Borussia Moenchengladbach and FC Augsburg on July 26, 2018 in Rottach-Egern, Germany. (Photo by TF-Images/Getty Images)

Borussia Mönchengladbach: Die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung

Die Vorbereitungsphase der 18 Bundesligisten neigt sich dem Ende zu, so auch bei Borussia Mönchengladbach. Nach einer schwierigen und in weiten Teilen enttäuschenden Saison, an deren Ende der neunte Tabellenplatz stand, soll es in den kommenden Monaten wieder weiter nach oben gehen. 


Dafür will allen voran Trainer Dieter Hecking sorgen, der die Zügel nun anzieht und der Mannschaft in den letzten Wochen verdeutlicht hat, dass neben dem, was auf dem Platz geschieht, auch die Einstellung in den Köpfen der Spielern stimmen muss.


Seine härtere Gangart hat Anklang gefunden, alles in allem verlief die Vorbereitung für Gladbach positiv - wenn auch nicht für alle. Daher präsentieren wir im Folgenden die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung von Borussia Mönchengladbach.

1. Gewinner: Dieter Hecking

Ein Gewinner ist der Trainer selbst - Dieter Hecking. Der 53-Jährige erlebte ein schwieriges Jahr am Niederrhein, weshalb nach der Saison etwaige Gespräche über eine Vertragsverlängerung erst einmal ad acta gelegt wurden, und zwar vom Trainer selbst: "Dieter ist auf mich zugekommen und hat gesagt, dass wir momentan nicht über den Vertrag sprechen brauchen. Wir wollen jetzt hier reinklotzen und die Situation lösen, die wir haben", wird Sportdirektor Max Eberl im Express zitiert.


Hecking, der zur Rückrunde der Saison 2016/17 als Nachfolger von Andre Schubert installiert wurde, zieht dabei alle Register, um der Mannschaft wieder neues Leben einzuhauchen: Das in den letzten Jahren fast schon traditionelle 4-4-2 wird abgelegt, stattdessen liegt der Fokus auf mehr Unberechenbarkeit. Möglich gemacht werden soll dies im neuen 4-3-3, doch auch ein 3-4-3 System scheint derzeit nicht undenkbar, da dieses zuletzt ebenfalls einstudiert wurde.


Auch der Umgang mit den Spielern wird etwas rauer. Im Training wird mehr Leistung verlangt, in den Spielen soll nun voll und ganz der Sieg im Vordergrund stehen. "Ich werde diese selbstgefällige Art nicht mehr akzeptieren", wird Hecking im Bezug auf die 1:2-Niederlage am 34. Spieltag im Mai gegen den Hamburger SV von der NRZ zitiert. Von nun an gilt: "Wenn die Spieler bei der Borussia sind, soll der Fokus auf der Arbeit liegen."

2. Verlierer: Josip Drmic

Josip Drmic erlebt bei Borussia Mönchengladbach eine denkbar unglückliche Zeit. Der Angreifer hat immer wieder mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen, kommt daher kaum zum Zug und kann sich nur schwer gegen die Konkurrenz behaupten. Nach der Verpflichtung von Alassane Plea verschärft sich die Situation in der Sturmspitze, und obwohl Drmic gegen Ende der abgelaufenen Saison gute Leistungen zeigte und sich einen Platz im WM-Kader der Schweizer 'Nati' sicherte, stehen die Weichen derzeit auf Abschied.


Auch gegenüber dem kicker bestätigte er: "Mein erstes Ziel ist es, fit zu werden. Was danach passiert, ob ich ins Ausland gehe oder hierbleibe, das werden wir sehen. Es ist alles offen." Sein Vertrag läuft noch bis 2019, aufgrund der Teilnahme bei der Weltmeisterschaft stieg er verspätet in die Vorbereitung ein. Wie schnell er fit wird und ob er, sobald er die 100 Prozent erreicht hat, weiterhin Einsätze sammeln kann, ist derzeit fraglich.

3. Gewinner: Patrick Herrmann

Anders sieht es bei Patrick Herrmann aus, wobei sich das Blatt erst in den vergangenen Tagen wendete. Der langjährige Flügelflitzer der Borussia stand nach einem Gespräch mit Dieter Hecking auf dem Abstellgleis, eine Verlängerung des in einem Jahr auslaufenden Vertrages schien zunächst nicht in Sicht. 


Doch der 27-Jährige versteckte sich keineswegs, sondern nahm den Konkurrenzkampf voll an und glänzte beim 3:0-Sieg über den FC Southampton mit einem Doppelpack. Seitdem ist er wieder mitten im Rennen im Kampf um die begehrten Plätze auf den Außenbahnen, weshalb er verkündete: "Ich nehme den Konkurrenzkampf bei Borussia an. Tatsache ist ja, dass ich eigentlich nie weg wollte. Ich bin glücklich, dass das Thema Wechsel endgültig vom Tisch ist." 


Beigetragen dazu habe laut kicker auch ein erneutes Gespräch mit dem Trainer, der ihm erklärte, dass man nach den jüngsten Trainingsleistungen hochzufrieden sei und man daher nicht daran denke, ihn abzugeben. "Es ist überragend, wie Patrick Herrmann die Konkurrenzsituation angenommen hat. Es gibt keinen Grund, ihn abzugeben, wenn er, wie gerade, um einen Stammplatz kämpft", sagte beispielsweise Max Eberl. 

4. Verlierer: Michael Lang

Michael Lang hätte sich mit Sicherheit einen angenehmeren Start bei seinem neuen Verein vorgestellt. Der Rechtsverteidiger wechselte nach der Weltmeisterschaft vom FC Basel an den Niederrhein und brach seinen WM-Urlaub sogar früher ab, um vorzeitig zu seinen neuen Mannschaftskollegen zu stoßen und in die Vorbereitung einsteigen zu können.


Doch nach nur wenigen Tagen folgte die erste Zwangspause: Der 27-Jährige zog sich einen Teilriss des Außenbandes zu, der Saisonauftakt rückte damit in weite Ferne. Ob Lang bis zum ersten Spieltag der neuen Bundesligasaison fit wird oder nicht, bleibt offen. Insgesamt wird es noch eine Weile dauern, bis er wirklich bei 100 Prozent ist und innerhalb der Mannschaft ankommt.

5. Gewinner: Florian Neuhaus

In der abgelaufenen Spielzeit wurde Florian Neuhaus an Fortuna Düsseldorf verliehen - mit Erfolg. Der 21-Jährige absolvierte in der zweiten Bundesliga 27 Partien, in denen er sechs Tore erzielte, drei weitere Treffer vorbereitete und durch seine guten Leistungen regelmäßig überzeugte.


Daher stellte Eberl schon früh klar, dass Neuhaus in jedem Fall wieder zur Borussia zurückkehren würde. Dieser überzeugte allen voran im Trainingslager am Tegernsee, weshalb er am offenen Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld teilnehmen wird und vermutlich sogar Chancen auf regelmäßige Einsätze hat. 


Insgesamt zeigte er sich mit dem vergangenen Jahr zufrieden, freute sich aber auch über seine Rückkehr nach Gladbach: "Es heißt ja immer, dass die zweite Liga ein Stahlbad sei - da ist was dran. Der Fußball ist körperlicher, es wird anders gespielt: Mehr mit langen Bällen, die Mannschaften lauern auf den zweiten Ball. Der Fußball bei Borussia ist technisch und taktisch noch geprägter als in der Zweiten Liga. Und ich glaube, dass das meiner Art zu spielen mehr entgegenkommt. Ich bin froh, endlich bei Borussia zu sein", wurde Neuhaus im Express zitiert.

6. Verlierer: Laszlo Benes

Schon die vergangene letzte Saison war für Laszlo Benes eine zum vergessen. Der 20-Jährige fehlte das komplette Jahr über aufgrund mehrerer Verletzungen, allen voran aufgrund seines Mittelfußbruchs vor knapp einem Jahr. 


Nun sollte er eigentlich wieder voll angreifen, doch der zentrale Mittelfeldspieler wird erneut von einem Rückschlag ausgebremst: Benes erlitt im Testspiel gegen den FC Augsburg einen Muskelfaserriss, der ihn im Konkurrenzkampf wieder um einige Plätze nach hinten versetzt.

7. Gewinner: Tobias Strobl

Tobias Strobl hingegen überstand die Vorbereitung verletzungsfrei und darf sich daher berechtigte Hoffnungen darauf machen, im defensiven Mittelfeld zum Einsatz zu kommen. Der 28-Jährige riss sich vor einem Jahr im Testspiel bei Leicester City das Kreuzband, weshalb er erst zum Ende der abgelaufenen Saison wieder fit war.


Zur neuen Saison wollte er voll angreifen, weshalb Hecking ihn während des Trainingslagers am Tegernsee für seine Einstellung lobte: "Für Tobi war es wichtig, dass er verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen ist. Jetzt brennt er darauf, sich für die erste Elf zu empfehlen, das zeigt er in jedem Training."  


Strobl selbst empfiehlt sich durch gute Leistungen und will am liebsten nur noch spielen: "Ich bin froh, dass ich diese Verletzung endgültig abgehakt habe. Ich saß fast das komplette letzte Jahr auf der Tribüne – da will ich nächste Saison nicht mehr sitzen." Ob er in jeder Partie von Anfang an dabei sein wird, scheint aufgrund der Konkurrenz fraglich - doch regelmäßige Einsätze sind durchaus denkbar.